Montag, 31. August 2009

Black & White

Es war irgendwie heiß. Die Sonne ließ den Sand wie flüssigen Teer erscheinen, die Felder glühten rötlich. Staubtrockene Luft schnitt die Kehlen von den drei jungen Mali-Brüdern auf, die keine besonders kreativen Eltern gehabt hatten. Dennoch fuhren Nummer 1, Nummer 2 und Nummer 3 auf ihren Drahteseln Richtung Stadt und freuten sich, so zumindest eine kleine Brise über Haut und Haar zelebrieren zu können.


Eigentlich galt die Stadt als heißes Eisen – und das war gerade bei diesen Temperaturen nicht das, was die drei Jungen suchten -, aber der Drang nach Arbeit trieb sie in das verweste Loch. Und vielleicht traf man ja doch einmal auf einen dieser sagenumwobenen weißen Götter, von denen ihnen schon so viel erzählt wurde, denen aber noch keiner der drei je begegnet war. Angeblich trieb eine Offenbarung mit dem Namen „weltwärts“ die Wesen in die Gegend, die so ganz anders sein sollten als sie selber mit ihrem schwarzen Aussehen. Eine fremde Sprache, eine sanftmütige, zarte Ader und sogar eine viel lieblichere Haut schrieb man ihnen zu, die man möglicherweise wie zufällig zu berühren imstande sein mochte, wenn man es geschickt anstellte.


Sie waren ganz in ihre schwelgerischen Träumereien versunken, als Nummer 2 schließlich keuchte: „Ich kann nicht mehr, Pause bitte.“ Also stiegen die drei Jungen ab und blickten in die weiten nach Wasser dürstelnden Felder. Da sahen sie auf einmal einige Zweige umschlagen und vernahmen ein zögerliches Rascheln. Angst überkam sie, wurde ihnen doch schon so viel über Exhibitionisten und wie irr stampfende Nashörner erzählt. Doch anstatt, dass sich eines dieser beiden Zwei-Nasen-Wesen zeigte, standen vor den jungen Maliern wie aus dem Nichts zwei Weiße. Große Überraschung bei den dreien, die wie angewurzelt stehen blieben. Erfüllte sich gerade die Prophezeiung?


Die Weißen blieben stumm. Stattdessen starrten sie sie nur mit einem engelsgleichen, träumerischen Blick an, der die Jungen mit wohliger Kühle und Hoffnung durchströmte. Die Weißen kamen näher und einer von ihnen striff flüchtig das Bein von Nummer 2. Dieser keuchte erneut auf. Diesmal nicht mehr vor Erschöpfung, sondern vor Verzückung. Er drohte von diesem puren Glücksgefühl erstickt zu werden. Diese weiche Haut, die er fast Fell nennen mochte. Nummer 1 und Nummer 3 waren noch ein wenig skeptisch, aber als die beiden Weißen, die viel kleiner waren, als sie es sich vorgestellt hatten auf einmal im Chor „Mähähä“ blökten, da wussten sie: Dieses war der vom Heiland versprochene Tag. Zwar gab es noch leichte Kommunikationsschwierigkeiten, aber die drei Jungen verstanden schnell, dass die gelegentlich etwas begriffsstutzig wirkenden Weißen ihnen gütig gestimmt waren. Sie ließen sich streicheln, auf den Arm nehmen und folgten den Jungs auch bereitwillig auf Schritt und Tritt.


In die Stadt wollten die Malier aber nicht mehr, lieber den Stammesfürsten die Sensation berichten und die beiden Wagemutigen vorstellen, die sich „Mäh“ und „Mähä“ nannten – was den dreien sehr sympathisch war, da sie die Namen offensichtlich nach einem ähnlichen Prinzip wie Nummer 1, 2 und 3 bekommen hatten. So waren alle Beteiligten in guter Stimmung, als sie sich wieder auf den Weg in Richtung Dorf machten. Trotz aller Freundlichkeiten verschwiegen die Jungen den beiden Weißen jedoch zunächst einmal, dass ihr Stamm aus lauter Kannibalen bestand.

Sonntag, 30. August 2009

Ich gehe weltwärts

Lang lang ist's her, als ich das letzte mal hier von mir hören ließ. Ich gebe zu, diese Flucht ohne Worte war nicht die feine Art. Ich hätte zumindest mal eine Ausrede erfinden können; dass das Internet kaputt ist, die Hämorrhoiden-Operation unerwartete Komplikationen hervorrief oder einfach, dass mein Tampon zu tief lag. Nichts von alledem, ich entschuldige mich recht lieb.

Dafür gibt es jetzt aber mal was Organisatorisches: Inhaltlich wird sich der Blog jetzt wohl ein bisschen wandeln. Das hat schon allein geographische Gründe. Für ein Jahr werde ich Deutschland nämlich ab nächsten Montag meinen (zugegeben attraktiven) Rücken kehren und den noch viel erotischeren Bauch den Philippinen präsentieren. Das Ganze ist möglich für mich vor allem dank des DEDs und des staatlichen weltwärts-Programms. Ganz kurz: Ich freue mich.

Aber keine Sorge, meine mehr oder weniger stark vertretene Fangemeinde: Ich wäre nicht ich, wenn ich hieraus jetzt ein ganz stinknormales (Reise-)Tagebuch machen würde. Auch wenn es gut sein mag, dass ich auch mal loswerde, wie es mir dort so ergeht. Aber letztlich möchte ich mich wieder mehr der Prosa und Poetik widmen, kleinen Anekdoten die erste Ehre erweisen und mich vielleicht auch noch das eine oder andere Mal zynisch der Realitäten unserer Welten nähern. Morgen fang ich, dann gibt's von meiner Seite schon einmal eine spannende Kurzgeschichte. Viel Spaß.