Freitag, 25. Juni 2010

Neues Projekt - Soccer Summer Clinic

Auf den Tag genau heute (oder einen halben Tag mehr oder weniger) lebe ich seit eineinhalb Woche in Borongan, Eastern Samar. Das ist ein großes Stück mehr Provinz als Tacloban, aber immerhin die größte Stadt Eastern Samars, in der es auch die einzige Einkaufs-Mall -wenn man sie denn so nennen möchte- der gesamten Provinz gibt. Aber es lebt sich gut, meine Mitbwohnerin Jane, eine andere ww-Freiwillige versorgt mich sehr liebevoll, so glücklich ist sie, dass ich tatsächlich und freiwillig ins "Kaff" gekommen bin. 

Federführend und mit Janes Mithilfe läuft seit Freitag, den 18. Juni das selbstorganisierte Projekt "Soccer Summer Clinic", was bedeutet: von Montag bis Freitag je eine und samstags und sonntags je zwei Trainingseinheiten mit den interessierten Kindern und Jugendlichen des Dorfes bzw. der Stadt. Es läuft bis dato sehr erfolgreich, es klappt alles und mehr als erwartet und ich bin glücklich, so viel auf dem Trainingsplatz (ein kleiner für deutsche Verhältnisse gerade noch ausreichender Bolzplatz) stehen zu können. Bis zum 12. Juli und einem kleinen Abschlussturnier hoffe ich, dass es so weiterläuft und dass nicht mehr allzu oft über 40 Kinder da sind, es soll ja nicht noch in Stress ausarten ;)

Montag, 21. Juni 2010

Sonnenuntergangsstimmung

Zum Wochenstart beschenke ich Euch Leser mit einer Überdosis an Sonnuntergängen. Davon gibt es hier auf den Philis nämlich jeden Tag einen. Und ein besonderer Gruß geht an meinen treuen Leser und ww-Freiwilligen Hauke aus dem -nur gefühlt internetfreien- Balangiga, Eastern Samar. Er wird seine Zeit brauchen, bis er die Bilder geladen hat.






Samstag, 19. Juni 2010

Es ist nicht alles schlecht

Endlich habe ich bemerkt, wofür so eine Zeitumstellung (+6 Std zur MESZ) gut sein kann. Das Deutschland-Spiel sah ich zur Prime-Time ab 19:30 Uhr. Und so konnte letztlich die Trauer direkt ineinander überfließen in eine Alkohol- und Partylaune. Am verkaterteren Morgen war der Schmerz dann wie nie dagewesen. In Deutschland war es dagegen 15 Uhr nachmittags, als das Schicksal abfiff. Da steht der ganze Freitag einem noch entgegen, aber zugleich ist er irgendwie auch schon gelaufen. Diese sechs Stunden Kummer und Leid, die habe ich mir mit dem Flug in die Philippinen am 07. September 2009 geschenkt. Mein Gott, bin ich da heute froh drüber.

Donnerstag, 17. Juni 2010

Die Philippinen, Linktipp

Heute empfehle ich die Lektüre des Textes "Die Philippinen" vom weltwärts-Freiwilligen David aus Eastern Samar. Intensiv, anschaulich und- besonders für uns hier ansässigen- sehr verständlich berichtet David aus der Provinz. Ein Text, den man auch als Ergänzung zu Einfach so verstehen könnte.

Sonntag, 13. Juni 2010

Ekel vor einheimischem Essen

Es gibt hier zuweilen schon gewöhnungsbedürftige Chips-Geschmackssorten. Schoko-Chips zum Beispiel. Oder die sehr beliebten Shrimps-Chips, die Pringles auch verkauft und zwar im rosa schwul angetouchten Design. Möglicherweise das Trendprodukt der unzähligen Ladyboys hier? Die populärsten einheimischen Chips bestehen im Übrigen aus frittierter Schweinehautfettschicht. Lecker, solange man nicht weiß, was es ist.

Worauf ich heute hinweisen möchte ist das neueste Produkt aus dem Hause Pringles. Da lächelte (lächelte es wirklich? Man sieht ja den Mund gar nicht.) mich im Supermarkt auf einmal ein schnäuzbärtiges Gesicht mit roter Fliege vor babyblauem Hintergrund mit ein paar abstrus farbigen Strichen und Wolken an. Der Geschmack sei "Blaubeere & Haselnuss". Das sah, das klang so fürcherlich abschreckend, dass ich mir dachte: Dann kann das nicht auch noch scheiße schmecken. Also gekauft und zu Hause festgestellt: Kann es sehr wohl. 

Es riecht abschreckend, es schmeckt viel zu künstlich süß und irgendwie schwebt einem beim Verzehr  nur noch ein einziger sorgenvoller Gedanke im Kopf: Bekomme ich diesen Geschmack je wieder raus? Langzeitschäden an Gaumen und Zunge bleiben zum Glück jedoch aus. Aber leer bekam ich die Packung trotz zweiwöchiger Lagerfrist und dem Angebot an alle Gäste, sich frei zu bedienen, nicht einmal zu einem Sechstel. Und das, obwohl ich mich bei der ersten Öffnung noch daran gestört hatte, dass die Packung derart wenig gefüllt war, mehr als ein ganzes Feuerzeug passte hinein, noch bevor ich nur einen Chip gegessen hatte (siehe Bild unten). Was nur wieder beweist: Man soll doch nicht zu schnell verurteilen, Pringles weiß schon, was es tut, wenn es abscheuliche Produkte auf den Markt bringt, diese dann aber zumindest in relativierten Portionen.
 

Dienstag, 8. Juni 2010

Einfach so

Eines sei vor der Lektüre des anschließenden Textes gesagt: Es gibt mal solche und mal solche Phasen. In neun Monaten Philippinen habe ich viele erfreuliche Dinge erlebt, aber eben auch viel, was mir nicht gefiel. Bei all dem schönen Wetter, bei all den tollen Bekanntschaften und bei all den unbeschreiblichen Reisen und Erfahrungen soll nicht untergehen: Es gab Tiefs, es gab Abschnitte der Depression. Ausgelöst vor allem durch das, was ich im Folgenden zu beschreiben versuche.


Einfach so

Ich habe keine Lust mehr. Ich habe absolut keine Lust mehr. Ich habe einfach absolut keine Lust mehr, Ausländer zu sein.

Ich habe keine Lust mehr, ständig angestarrt zu werden. Ich habe keine Lust mehr, von fremden Kindern und Jugendlichen, von Erwachsenen auf Motorrädern und an Straßenrändern jeden Tag X-Mal mit „Hey Joe“ gerufen zu werden. Auch euer Zischen ertrage ich nicht mehr. Ich habe keine Lust mehr, an jeder Straßenecke gefragt zu werden, wohin ich denn ginge. Ich habe keine Lust mehr, bei versagter Antwort als unfreundlich bis arrogant zu gelten. Ich habe keine Lust mehr, auf Gesellschaft und Aktivitäten zu verzichten, mich im Haus einzuschließen, weil ich keine Lust mehr habe.

Ich habe keine Lust mehr, von gewissen Gruppen als Geldfass ohne Boden betrachtet zu werden. Ich habe keine Lust mehr, dass philippinische Freunde sich darüber beschweren müssen, dass die Fahrpreise plötzlich doppelt so hoch seien, wenn sie mit mir reisten. Ich habe keine Lust mehr, immer erst verhandeln zu müssen. Ich habe keine Lust mehr auf dieses Gefühl, als ahnungsloses Dummchen betrachtet zu werden.

Ich habe keine Lust mehr, auch von Weißen angegafft zu werden. Wie soll ich diese Blicke deuten? Wie soll ich es deuten, wenn Ihr versucht, mir aus dem Wege zu gehen. Oder: Wie soll ich es deuten, wenn ihr mir mit diesem aufgesetzt unsympathischen Lächeln einen „Hallo du anderer Liebestourist – tolles Land mit tollen Frauen, was?“-Gruß zunickt. Oder: Wie soll ich es deuten, wenn ihr mich von oben bis unten mit diesem unerträglichen „Oh mein Gott, so jung und schon Liebestourist“-Blick abwertet. Wie kann ich überhaupt noch darüber nachdenken wollen, wenn Ihr mich in Begleitung ganz normaler Freundinnen fragt, wo ich die Mädels denn gebucht hätte.

Ich bin nicht der posende die Finger verrenkende und stampfende Hip-Hopper, für den die Kinder mich halten. Ich bin nicht der „fishing girls“-Idiot, für den die philippinischen Männer mich halten. Ich bin nicht der „americano, americano“, für den Ihr alle mich haltet. Und Leute, wenn Ihr euren Freunden zu laut und offensichtlich „americano, americano“ zuruft, dann merke sogar ich, dass ihr hinter meinem Rücken über mich redet. Hört auf damit, euch in meinem Umgebungskreis plötzlich fetzenweise und natürlich nur megacool auf englisch zu unterhalten. Hört auf, mich erst anzustarren und mir dann, sobald ich an euch vorbei gegangen bin, irgendetwas hinterherzuschreien. Sogar Ihr Mädchen, hört auf, so komisch verstellt „hiiIIiiiiIIIIiii“ zu flöten um danach lauthals loszukichern. Ich kann das alles nicht mehr hören. Jedes Wort, jedes Lachen löst eine mittelschwere Paranoia aus.

Ich sehne mich danach, frei zu sein. Einfach so über eine Straße gehen. Einfach so herumsitzen. Einfach so im Park liegen und das Leben beobachten. Einfach so. Einfach so. Ich habe gelernt, dass „einfach so“ nicht einfach so selbstverständlich ist. Danke. Ihr könnt jetzt damit aufhören.

Dienstag, 1. Juni 2010

Machtquartett

Auf ein Neues. Die Karten werden wieder gemischt. Köhler macht es möglich. Schon letztes Jahr bewies die deutsche Politik Einfallsreichtum. Da wurde Schäuble plötzlich vom Innen- zum Finanzminister umfunktioniert, Gutti von und zu vom Wirtschafts- zum Verteidigungsminister und Franz Josef Jung vom Verteidigungsminister zunächst zum Sozialminister um dort schon nach 33 Tagen seinen politischen Rücktritt zu erklären. Die Familienministerin von der Leyen wurde daraufhin Jungs Nachfolgerin, während ihr altes Ministerium von der angehenden Abiturierentin Kristina Schröder übernommen wurde. PLOPP.

Und nun: Koch geht, weil er keine Aussicht mehr auf eine bundespolitische Karriere hat. Wenige Tage später geht aber auch Köhler. Das heißt: Koch kommt wieder. Doch Bundespräsident kann er nicht werden, weil das Ausland zwar Merkel toleriert hat, aber eine weitere optische „Besonderheit“ den neuen deutschen Lena-Faktor schneller vernichten würde als er gekommen ist. Wohl fühlen würde sich Koch dagegen in seinem Spezialgebiet als Finanzminister. Schäuble könnte dann Bundespräsident... wobei man als Bundespräsident ja viel reisen muss und bestimmt nicht alle Regierungsgebäude behindertentauglich sind. Mal ganz abgesehen von der Thrombosengefahr. Stattdessen würde Schäuble sicherlich einen seriösen Wirtschaftsminister abgeben.

Der degradierte Brüderle könnte nun zum Präsidenten aufsteigen, wofür zwei gute Gründe sprechen: Wie Köhler 2004 käme Brüderle wie Phoenix aus der Asche. Den kennt ja sowieso keiner. Und außerdem wäre der FDP damit ein derart großes Zugeständnis gemacht worden, dass dann gleichzeitig auch noch Westerwelle als Außenminister abgesägt werden könnte. Westerwelle wäre eh viel passender aufgehoben als Finanzminister (so von wegen „niedrigeres, einfacheres und gerechteres Steuersystem“). Allerdings sitzt da erst seit zwei Minuten der Koch und der ist schlichtweg zu erfahren im Aussitzen als dass der sich nun noch vertreiben ließe. Deswegen mein Vorschlag zur gütigen Einigung: Der Freiherr und Westerwelle tauschen zuletzt einfach ihre Plätze. Das Guidomobil kurvt dann durch Afghanistan. Und Guttenberg lässt bezwiehungsweise macht weiterhin, was er sowieso schon seit seiner Entdeckung tut: Wer braucht schon politische Ideen und Konzepte, wenn er alles schön ins Blaue reden kann und das Volk ihn dafür liebt. Ist doch alles Gutti!

Zwei Tage nach dem Grand Prix-Gewinn

Bundespräsident Horst Köhler macht den Weg frei für Lena. Ihr schriftlicher Kommentar: "Wow. Verdammte Axt, ist das geil! Dankeschön."