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Samstag, 21. August 2010

Dorfsehnsucht

"Dörfler bleibt Dörfler." Fast ein Jahr war es zumindest ein philippinisches Örtchen. Aber die deutsche Heimat ruft verlockend. Zu diesem Anlass erinnere ich mich an ein Highlight aus dem letzten Jahr, mein Bewerbungsvideo für Samy Deluxes Deutschlandreise.

Freitag, 13. August 2010

Sommerloch

Da ist es also, dieses Jahr sogar so groß wie nie. Sommerloch. Es passiert absolut nichts mehr. Okay, die schwarze Todesbrühe vom Golf von Mexiko treibt weiter sein Unwesen im Herzen unseres Planeten, aber davon will keiner mehr was hören, zumindest dort ist das Loch ja gestopft. Ansonsten? Die Regierung bleibt bis auf Ausnahme eines einzelnen Brüderles friedlich und ruhig, was man aber nach den Querelen in den letzten beiden Jahreshälften als gottgegebes Geschenk betrachten muss. Duisburgs Bürgermeister bleibt im Amt. Um AKW-Laufzeiten, Stuttgart 21 und Street View wird weiterhin ergebnislos herum geschwafelt, bis die protestierenden Massen endlich eingeschlafen sind. Und selbst der poetry-rock-Blog blieb in den letzten Tagen ungewöhnlich ruhig.

Was soll ich auch schon sagen? Mein eines Jahr Philippinen neigt sich jeden Tag schneller dem Ende. Man sagt hie und da Tschüß und Danke, erzählt, wie toll man alles fand und ist gleichzeitig mit den Gedanken schon wieder in Deutschland, ist wieder drin in den Zukunftsplänen, von denen man ein Jahr Abstand nehmen konnte. Wie das konkret aussieht? Ein Beispiel: Mein erster Zunkunftsplan ist zum Fußballtraining meines Heimatvereins zu gehen. Was danach kommt? Mal sehen. Aber dieser Gedanke bestimmt schon einmal die letzten Wochen meinen Philippinen-Aufenthalts.

Mittwoch, 11. August 2010

lITsChI

Selbst nach 11 Monaten in der Ferne gibt es immer noch Überraschungen. So fand ich zufällig heraus, dass die komischen sehr weichstacheligen Früchte in unserem Garten Litschis sind. Wie ich das herausfand? Nun ja, der Litschi-Baum wirft seine Früchte ab wie eine deutsche Eiche ihre Blätter im Herbst. So trat ich auf eine dieser unzähligen meist bereits schwarz gewordenen Früchte, rutschte fast aus und sah dann das weiße Innenleben mit dem großen Kern in der Mitte, das mir aus Deutschland noch sehr bekannt vorkam. Gegessen habe ich die Litschi danach auch - allerdings nicht aus dem eigenen Garten, sondern vom Markt gekauft. Die Früchte hängen zu hoch für mich, da komme ich einfach nicht heran.

Und ebenfalls herausgefunden habe ich, dass wir einen Avocado-Baum im Garten haben! Aber auch hier wieder: Lieber vom Markt, die Früchte hängen zu hoch. Avocado isst man hier übrigens, wenn sie außen lila geworden sind. Und sie werden größer als die importierten Früchtchen in Deutschland. Zu den Litschi: Die sind viel fleischiger, wenn sie frisch sind. Und nicht so verwässert wie man es aus dem Edeka-Markt kennt. Da hat man mehr von und kann mühelos das gesamte Fleisch vom Kern trennen. Aber kein Neid: Ich vermisse deutsche Äpfel, Birnen, alle Arten von Beeren und Pflaumen. Immerhin.

Mittwoch, 14. Juli 2010

Gedanken zum Ende

Das war’s. So richtig gefasst habe ich es noch nicht. 24 Tage komplette Auslastung. 24 Tage lang nur Fußball im Kopf. 24 Tage hintereinander auf diesem kleinen Sand-Rasen-Baustellenfahrzeugelagerungs-Platz. Ich spüre meine Beine. Es waren anstrengende Wochen. Viel mehr aber waren es Wochen der Euphorie darüber, dass alles so hervorragend funktioniert hat. Darüber, dass meine Erwartungen immer wieder aufs Neue übertroffen wurden. Es gab reichlich Unterstützung, es sieht sogar so aus, als ob nicht nur die „alten“ Fußballer, sondern sogar die Neulinge, die Jane und ich an den Sport herangeführt haben, weiterhin in einem Netzwerk geborgen sind. Ich hätte das niemals angestrebt, ich hätte das niemals zu träumen gewagt, weil es mir zu irreal, zu realitätsfern, zu blauäugig erschien, aber nach dem heutigen, dem letzen Tag habe ich das Gefühl: Wir haben etwas geschaffen. Mehrere Kujas (zu dt. „großer Bruder“, respektvolle Bezeichnung für Männer, die älter sind als man selbst) haben von sich aus den Willen geäußert, die Kinder und Jugendliche auch weiterhin und zumindest an Wochenenden fußballtechnisch zu betreuen.

Aber darum geht es letzlich gar nicht primär. Es geht um die tolle Zeit, die man hatte. Ich bin mir sicher, dass keine Minute mit den Kindern und Jugendlichen umsonst war, sie alle haben aus der Soccer Summer Clinic viel gewonnen und mitgenommen. Die Kinder (am Ende haben wir über 45 Zertifikate ausgeteilt, insgesamt hatten wir wohl mit rund 60 unterschiedlichen Gesichtern gearbeitet) haben ein neues Hobby oder das bisherige vertieft, endlich sind einige gute Bälle in Umlauf gebracht worden und am Ende haben sogar praktisch alle dank privater Initiative mehr oder weniger abgenutzte Fußballschuhe bekommen. Das ist schön. Das ist alles mehr als erfreulich. Aber auch darum geht es letztlich gar nicht primär.

Primär ging es die ganze Zeit um mich. Ich wollte in diesem Jahr endlich mal einer sinnvollen und ausfüllenden Tätigkeit nachgehen. Ich wollte etwas tun, das mir etwas gibt und an das ich mich noch gerne zurück erinnern würde. Sicherlich nicht zuletzt wollte ich meiner Existenz auf den Philippinen auch eine gewisse Berechtigung geben. Ich bin froh, dass ich etwas versucht habe. Ich bin glücklich, dass alles geklappt hat. Ich bin erleichtert aufgrund der Gewissheit, dass ich nun endlich wirklich etwas Gutes (etwas ehrenamtliches) getan habe, wie Filipinos und Deutsche es von mir als Volontär erwarten oder direkt ungefragt annehmen.

Fernab dieser Theorie war es aber auch sonst eine großartige Zeit. Ich hätte nicht gedacht, wie -wenn zuweilen auch ein wenig stressig- unproblematisch die Zusammenarbeit mit den (fremden) Kindern funktioniert. Ich hätte nicht gedacht, wie sehr man das feedback der Kinder braucht um in den Phasen der Erschöpfung neue Kräfte zu bündeln. Ich hätte nicht gedacht, dass das aber überhaupt kein Problem darstellen sollte, dass einem so schnell derart viel Freude, Liebe und Begeisterung entgegen schlagen. Die Klinik hat mich in dem Willen bestärkt, auch in Deutschland Trainer zu werden. Sie hat mir aber auch gezeigt, wie viel Verantwortung in so einem Posten steckt. Und genau an dieser Stelle muss ich nun ein „Stop“-Zeichen setzen.

Mir fällt auf, wie geschwollen das alles klingt, was ich so vor mir dahinschreibe. Aber ich bin machtlos. So viele Reize und Eindrücke wirkten auf mich ein in den letzten Wochen. Es ist absoluter Wahnsinn. Bis ich das alles richtig verarbeitet und eingeordnet habe, wird es noch ein Weilchen brauchen. Euch Leser will ich damit nun erst einmal nicht weiter belästigen. Danke. Einfach nur, weil ich nicht weiß, wohin mit meiner ganzen Dankbarkeit.

Donnerstag, 8. Juli 2010

Bestes Hey Joe aller Zeiten

Was haben uns die philippinischen „Hey Joe“-Rufe für Nerven gekostet. Jeden Tag das gleiche, sobald man das Haus verlässt. Doch heute wurde ich für vieles entschädigt.

Ich sitze am Straßenrand beim Vulcanizer, der meine Fußbälle gerade mit Luft befüllt. Aus einiger Entferung nähert sich eine geordnete Jogginggruppe von exakt 20 Menschen. Es sind Polizisten im Sportoutfit, die –wie man sich das auch beim Militär vorstellt- auf das taktgebende Geschreie des Wortführers allesamt im Chor zur lautstarken Wiederholung anstimmen. Die Gruppe befindet sich mittlerweile wenige Meter vor mir und ist im Begriff, an der Hütte des Vulcanizers vorbeizujoggen. Interessiert blicke ich die Gruppe an. Bisher habe ich nicht verstanden, was die Polizisten rufen. Da wechselt der Gesang plötzlich ins Englische:

Wortführer: „Hey Joe!“
Chor: „Hey Joe!“
„Join us!“
„Join us!“
“Ha Ha.”
“Ha Ha.”

Und dann war die Gruppe auch schon an mir vorbei und die Situation beendet. Doch es war perfekt. Das erste “Hey Joe”, das mich zum Lachen brachte. Das rettete mir den Tag. Absolutes Euphoriehoch. Zumindest für heute kann mich kein einziges „Hey Joe“ dieser Welt mehr runterreißen.

Dienstag, 6. Juli 2010

Immerhin nur eine Halbautomatik

Ich würde mir niemals an einem Abend innerhalb von 5 Minuten das Motorrad-fahren beibringen lassen und meine erste richtige Fahrt noch in derselben Nacht betrunken nach einem WM-Spiel (sagen wir zum Beispiel Deutschland-Ghana) mit einer (leicht) übergewichtigen Person hinten drauf machen.

Ich würde mich niemals – so reizvoll es sich auch anfühlen mag- ohne den nötigen Führerschein und praktisch keiner Fahrerfahrung einfach so in den Alltagsverkehr Downtown begeben.

Ich würde niemals dann auch noch größere Fahrten zurücklegen – nur mit T-Shirt, kurzer Hose und Flip-Flops bekleidet.

Ich würde niemals einfach so weiterfahren, wenn ich- aufgrund eingeschränkter Sichtverhälntnisse- gerade Millimeter an einem dieser riesigen Schlaglöcher vorbei gerast wäre.

Ich würde niemals eine – wenn auch nur wenige Kilometer kurze- Tour mit drei weiteren Kindern hinten drauf antreten – schon gar nicht, wenn ich an den kurzen Offroad-Abschnitt denken würde und wegen Platzmangels selber nicht mehr richtig sitzen könnte.

Ich würde das alles niemals mit der Unglücksmaschine machen, die ich nur fahren könnte, weil der wahre Besitzer aufrgund eines Unfalls seit Wochen in der Hauptstadt in Behandlung wäre.

Ich würde das alles niemals ohne Helm machen.

Nein, das alles würde ich in Deutschland wirklich niemals machen. Ehrlich, ich schwöre.

Sonntag, 4. Juli 2010

Kaputt

Phu, ich bin platt. Nicht nur, weil das heute der siebzehnte Tag in Folge der „Soccer Sammar Clinic“ war (man beachte den genialen Wortwitz: „Summer“ und der Name der Insel „Samar“). Siebzehn Tage auf dem Fußballplatz schlauchen, ich spüre die Beine und die Haut beschwert sich über zu viel Sonne. Seit gestern können Jane und ich aber zumindest jeden Tag sagen: Okay, das ist nun der letzte Trainingssamstag des Fußballcamps, das ist nun der letzte Trainingssonntag und so weiter und so fort. Auch wenn die Arbeit unglaublich viel Freude bereitet und uns erfüllt, so sehnen wir uns dennoch nach dem abschließenden Turnier am kommenden Wochenende (10. + 11. Juli) und der darauffolgenden Pause. Endlich mal wieder mental Platz für andere Dinge schaffen.

Was an diesem Wochenende jedoch das allerschlimmste war, was eine regelrechte Ohnmacht ausgelöst hat, was mich total zu zerstören drohte, das war ein anderes Erlebnis: Am Samstag gegen sieben Uhr wurde ich zum aufstehen gezwungen. Die Hitze zwang mich nieder. Der Ventilator rotierte nicht mehr. Stromausfall. Ein sehr gewöhnliches wöchentliches Phänomen, was meist organisiert über ein paar Stunden anhält. Die Stunden sind dann zwar schlimm bis manchmal unerträglich, aber man kriegt die Zeit irgendwie rum. Wer konnte schon ahnen, dass sich dieser Stromausfall bis auf eine kurze rund hundertminütige Pause am Samstagnachmittag auf einen 36-Stunden-Marathon ausdehnen würde.

So saßen wir da am Samstagabend vor meinem kleinen Netbook bei Kerzenschein. Bis zur 20. Minute des Deutschland-Argentinien-Spiels funktionierte der Stream, danach eine kleine Weile nicht mehr. Zur 82. Minute kamen wir dann wieder an ein Bild, überglücklich, nur um dann drei Minuten später dem Computer mangels Batterie beim Herunterfahren zuzuschauen. So macht WM keinen Spaß. Aber noch weniger spaßig ist eine komplett stromlose Nacht, in der kein elektrischer Wind mich davor bewahrt, die Matratze tropfnass zu schwitzen; und in der kein Wind mich vor den blutgierigen Massen an Mücken beschützt. Ich fand einfach keinen Schlaf, ich ging mehrmals raus, ich duschte mich ab, ich schmierte mich mit Autan ein, ich war froh, wenn ich es mal schaffte, eine Zeit lang zu dösen, nur um mich dann von der völlig durchnässten Stelle auf die wieder etwas weniger durchnässten anderen Stellen der Matratze zu wälzen.

Irgendwie habe ich es überlebt, irgendwie habe ich tatsächlich auch den ganzen Sonntag erfolgreich über die Bühne gebracht, irgendwie konnte ich dem Stromausfall in einem Moment des Hitzeschlags sogar etwas Schönes abgewinnen. Doch den Moment der Freude und Erleichterung werde ich nicht so schnell vergessen, als ich nach dem letzten Training um kurz vor sieben Uhr nach Hause kam, ich den Ventilator einschaltete und dieser wirklich und tatsächlich mit einem leisen Surren antwortete.

Freitag, 25. Juni 2010

Neues Projekt - Soccer Summer Clinic

Auf den Tag genau heute (oder einen halben Tag mehr oder weniger) lebe ich seit eineinhalb Woche in Borongan, Eastern Samar. Das ist ein großes Stück mehr Provinz als Tacloban, aber immerhin die größte Stadt Eastern Samars, in der es auch die einzige Einkaufs-Mall -wenn man sie denn so nennen möchte- der gesamten Provinz gibt. Aber es lebt sich gut, meine Mitbwohnerin Jane, eine andere ww-Freiwillige versorgt mich sehr liebevoll, so glücklich ist sie, dass ich tatsächlich und freiwillig ins "Kaff" gekommen bin. 

Federführend und mit Janes Mithilfe läuft seit Freitag, den 18. Juni das selbstorganisierte Projekt "Soccer Summer Clinic", was bedeutet: von Montag bis Freitag je eine und samstags und sonntags je zwei Trainingseinheiten mit den interessierten Kindern und Jugendlichen des Dorfes bzw. der Stadt. Es läuft bis dato sehr erfolgreich, es klappt alles und mehr als erwartet und ich bin glücklich, so viel auf dem Trainingsplatz (ein kleiner für deutsche Verhältnisse gerade noch ausreichender Bolzplatz) stehen zu können. Bis zum 12. Juli und einem kleinen Abschlussturnier hoffe ich, dass es so weiterläuft und dass nicht mehr allzu oft über 40 Kinder da sind, es soll ja nicht noch in Stress ausarten ;)

Montag, 21. Juni 2010

Sonnenuntergangsstimmung

Zum Wochenstart beschenke ich Euch Leser mit einer Überdosis an Sonnuntergängen. Davon gibt es hier auf den Philis nämlich jeden Tag einen. Und ein besonderer Gruß geht an meinen treuen Leser und ww-Freiwilligen Hauke aus dem -nur gefühlt internetfreien- Balangiga, Eastern Samar. Er wird seine Zeit brauchen, bis er die Bilder geladen hat.






Samstag, 19. Juni 2010

Es ist nicht alles schlecht

Endlich habe ich bemerkt, wofür so eine Zeitumstellung (+6 Std zur MESZ) gut sein kann. Das Deutschland-Spiel sah ich zur Prime-Time ab 19:30 Uhr. Und so konnte letztlich die Trauer direkt ineinander überfließen in eine Alkohol- und Partylaune. Am verkaterteren Morgen war der Schmerz dann wie nie dagewesen. In Deutschland war es dagegen 15 Uhr nachmittags, als das Schicksal abfiff. Da steht der ganze Freitag einem noch entgegen, aber zugleich ist er irgendwie auch schon gelaufen. Diese sechs Stunden Kummer und Leid, die habe ich mir mit dem Flug in die Philippinen am 07. September 2009 geschenkt. Mein Gott, bin ich da heute froh drüber.

Donnerstag, 17. Juni 2010

Die Philippinen, Linktipp

Heute empfehle ich die Lektüre des Textes "Die Philippinen" vom weltwärts-Freiwilligen David aus Eastern Samar. Intensiv, anschaulich und- besonders für uns hier ansässigen- sehr verständlich berichtet David aus der Provinz. Ein Text, den man auch als Ergänzung zu Einfach so verstehen könnte.

Sonntag, 13. Juni 2010

Ekel vor einheimischem Essen

Es gibt hier zuweilen schon gewöhnungsbedürftige Chips-Geschmackssorten. Schoko-Chips zum Beispiel. Oder die sehr beliebten Shrimps-Chips, die Pringles auch verkauft und zwar im rosa schwul angetouchten Design. Möglicherweise das Trendprodukt der unzähligen Ladyboys hier? Die populärsten einheimischen Chips bestehen im Übrigen aus frittierter Schweinehautfettschicht. Lecker, solange man nicht weiß, was es ist.

Worauf ich heute hinweisen möchte ist das neueste Produkt aus dem Hause Pringles. Da lächelte (lächelte es wirklich? Man sieht ja den Mund gar nicht.) mich im Supermarkt auf einmal ein schnäuzbärtiges Gesicht mit roter Fliege vor babyblauem Hintergrund mit ein paar abstrus farbigen Strichen und Wolken an. Der Geschmack sei "Blaubeere & Haselnuss". Das sah, das klang so fürcherlich abschreckend, dass ich mir dachte: Dann kann das nicht auch noch scheiße schmecken. Also gekauft und zu Hause festgestellt: Kann es sehr wohl. 

Es riecht abschreckend, es schmeckt viel zu künstlich süß und irgendwie schwebt einem beim Verzehr  nur noch ein einziger sorgenvoller Gedanke im Kopf: Bekomme ich diesen Geschmack je wieder raus? Langzeitschäden an Gaumen und Zunge bleiben zum Glück jedoch aus. Aber leer bekam ich die Packung trotz zweiwöchiger Lagerfrist und dem Angebot an alle Gäste, sich frei zu bedienen, nicht einmal zu einem Sechstel. Und das, obwohl ich mich bei der ersten Öffnung noch daran gestört hatte, dass die Packung derart wenig gefüllt war, mehr als ein ganzes Feuerzeug passte hinein, noch bevor ich nur einen Chip gegessen hatte (siehe Bild unten). Was nur wieder beweist: Man soll doch nicht zu schnell verurteilen, Pringles weiß schon, was es tut, wenn es abscheuliche Produkte auf den Markt bringt, diese dann aber zumindest in relativierten Portionen.
 

Dienstag, 8. Juni 2010

Einfach so

Eines sei vor der Lektüre des anschließenden Textes gesagt: Es gibt mal solche und mal solche Phasen. In neun Monaten Philippinen habe ich viele erfreuliche Dinge erlebt, aber eben auch viel, was mir nicht gefiel. Bei all dem schönen Wetter, bei all den tollen Bekanntschaften und bei all den unbeschreiblichen Reisen und Erfahrungen soll nicht untergehen: Es gab Tiefs, es gab Abschnitte der Depression. Ausgelöst vor allem durch das, was ich im Folgenden zu beschreiben versuche.


Einfach so

Ich habe keine Lust mehr. Ich habe absolut keine Lust mehr. Ich habe einfach absolut keine Lust mehr, Ausländer zu sein.

Ich habe keine Lust mehr, ständig angestarrt zu werden. Ich habe keine Lust mehr, von fremden Kindern und Jugendlichen, von Erwachsenen auf Motorrädern und an Straßenrändern jeden Tag X-Mal mit „Hey Joe“ gerufen zu werden. Auch euer Zischen ertrage ich nicht mehr. Ich habe keine Lust mehr, an jeder Straßenecke gefragt zu werden, wohin ich denn ginge. Ich habe keine Lust mehr, bei versagter Antwort als unfreundlich bis arrogant zu gelten. Ich habe keine Lust mehr, auf Gesellschaft und Aktivitäten zu verzichten, mich im Haus einzuschließen, weil ich keine Lust mehr habe.

Ich habe keine Lust mehr, von gewissen Gruppen als Geldfass ohne Boden betrachtet zu werden. Ich habe keine Lust mehr, dass philippinische Freunde sich darüber beschweren müssen, dass die Fahrpreise plötzlich doppelt so hoch seien, wenn sie mit mir reisten. Ich habe keine Lust mehr, immer erst verhandeln zu müssen. Ich habe keine Lust mehr auf dieses Gefühl, als ahnungsloses Dummchen betrachtet zu werden.

Ich habe keine Lust mehr, auch von Weißen angegafft zu werden. Wie soll ich diese Blicke deuten? Wie soll ich es deuten, wenn Ihr versucht, mir aus dem Wege zu gehen. Oder: Wie soll ich es deuten, wenn ihr mir mit diesem aufgesetzt unsympathischen Lächeln einen „Hallo du anderer Liebestourist – tolles Land mit tollen Frauen, was?“-Gruß zunickt. Oder: Wie soll ich es deuten, wenn ihr mich von oben bis unten mit diesem unerträglichen „Oh mein Gott, so jung und schon Liebestourist“-Blick abwertet. Wie kann ich überhaupt noch darüber nachdenken wollen, wenn Ihr mich in Begleitung ganz normaler Freundinnen fragt, wo ich die Mädels denn gebucht hätte.

Ich bin nicht der posende die Finger verrenkende und stampfende Hip-Hopper, für den die Kinder mich halten. Ich bin nicht der „fishing girls“-Idiot, für den die philippinischen Männer mich halten. Ich bin nicht der „americano, americano“, für den Ihr alle mich haltet. Und Leute, wenn Ihr euren Freunden zu laut und offensichtlich „americano, americano“ zuruft, dann merke sogar ich, dass ihr hinter meinem Rücken über mich redet. Hört auf damit, euch in meinem Umgebungskreis plötzlich fetzenweise und natürlich nur megacool auf englisch zu unterhalten. Hört auf, mich erst anzustarren und mir dann, sobald ich an euch vorbei gegangen bin, irgendetwas hinterherzuschreien. Sogar Ihr Mädchen, hört auf, so komisch verstellt „hiiIIiiiiIIIIiii“ zu flöten um danach lauthals loszukichern. Ich kann das alles nicht mehr hören. Jedes Wort, jedes Lachen löst eine mittelschwere Paranoia aus.

Ich sehne mich danach, frei zu sein. Einfach so über eine Straße gehen. Einfach so herumsitzen. Einfach so im Park liegen und das Leben beobachten. Einfach so. Einfach so. Ich habe gelernt, dass „einfach so“ nicht einfach so selbstverständlich ist. Danke. Ihr könnt jetzt damit aufhören.

Montag, 24. Mai 2010

Einmal Hölle und zurück

Es war mein neuestes Experiment im mutigen Selbstversuch: 10 Tage hintereinander die Nacht zum Tage machen - mit allem, was dazugehört. Wie würde mein junger gestählter Körper damit umzugehen wissen? Kurze Antwort: Nicht sehr einfallsreich.

Direkt nach Ablauf des 10-Tage-Trips schaffte ich es am Montag noch überpünktlich ins Büro. Frühzeitig brach ich jedoch alles ab und begann gegen ein Uhr mittags einen 45-Stunden-Schlaf-Schweiß-Herumwälz-Marathon. Garniert wurde das Ganze von pochenden Kopfschmerzen, anhaltender Appetititlosigkeit bei gleichzeiten Hunger-Bauchkrämpfen sowie ein wenig Fieberwahn am frühen Mittwoch. Zum Vergleich Philippinen-Deutschland kann ich sagen: So ein Zustand fühlt sich in beiden Ländern wohl ähnlich beschissen an.

Wenn man krank ist, ist einem so ein bisschen mehr Hitze und Luftfeuchtigkeit auch egal. Lediglich der unaufhaltsam rotierende Ventilator erwies sich als Handicap während meines Fieberwahns (Ich hatte das Gefühl, das alles doppelt bis dreifach so schnell und laut ablief wie gewohnt). Irgendwann schaltete ich den Ventilator entkräftet ab – bis eine Stunde später die Sonne einen frühen heißen Morgen brachte. Whatever, eine Aspirin gab mir zumindest den Eindruck, wieder arbeitstauglich zu sein. Nach nur einem Fehltag (den ich mir redlich verdient beziehungsweise noch gut hatte, weil mein bisher einziger Krankheitstag auf den Philis ausgerechnet in den Januar-Urlaub gefallen war) fand ich mich am Mittwoch im Büro ein. Ich bin schließlich ein guter Volonär. Den Rest der Woche machte das auch nicht besser.

Schlapp, Matsche, zu nichts zu gebrauchen. Essen konnte ich weiterhin nur zögerlich und unregelmäßig. Magen und Verdauung dankten es mir. An Fußball war nicht zu denken, selbst die Mall reizte mich nicht. Insgesamt waren es immerhin sehr günstige Tage. Und nach einem sehr entspannten langsamen Wochenende kann ich an diesem Montagmorgen voller Tatendurst sagen: „Leben geht weiter.“ Die Kraft, den Kopf nach vorne zu richten, ist wieder da.

Donnerstag, 22. April 2010

Absoluter Wahnsinn


Vergesst alles, was ihr über Delfine gelernt habt. Von wegen: "Wenn Delfine so cool sind, warum trinken sie dann kein Bier." Vielleicht sind sie nicht cool, aber doch zumindest sehr beeindruckend. Dies durften Lasse und ich am Osterwochenende feststellen, als wir mit kleinen Pumpboats (Fassungsvermögen: vier bis fünf Personen) zwecks Walhai-Tour durch das Meer fuhren. Da stießen wir am frühen Morgen noch halb schläfrig und erst seit zehn Minuten unterwegs auf einen Schwarm Delfine, der sich - die kleinen Boote sei dank- nicht allzu sehr von uns verschrecken ließ.

Immer wieder sah man aus gemäßigter Entfernung einzelne Sprungakrobaten oder sogar Gruppen, die sich gleichzeitig über das Wasser wagten. Den absoluten Höhepunkt bescherten mir jedoch zwei Delfine, die unser Boot ein wenig narrten, das noch bei voller Fahrt war. Sie setzten sich spielend leicht an die Spitze des Pumpboats, schwammen mal etwas nach links, mal etwas nach rechts und einer stellte sich auch ein wenig quer um seinen Blick direkt auf uns - die Männer auf dem Boot- zu richten. Da ich das Glück hatte, vorne zu sitzen, waren die Delfine teilweise nur zwei Armlängen entfernt - absoluter Wahnsinn, absolute Adrenalinausschüttung, absolut keine Müdigkeit mehr. Und das größte Glück: Ich hatte meine Kamera zur Hand und zumindest ein Foto gelang ganz gut.


Da geriet für mich mein erster Walhai, der mit "nur" drei bis vier Metern Länge trotzdem noch schön anzusehen war, fast ein wenig ins Abseits, zu sehr wirkte die Delfin-Begegnung nach. Auf dem Rückweg hatten wir das Tier-Glück leider nicht mehr, dafür auf dem einstündigen Bootstrip über das Meer schöne Wellen, die uns völlig durchnässten. Dazu noch ein Sprühregen, der angenehm hätte sein können, wenn er vorher da gewesen wäre, als uns die Sonne noch einen schönen Sonnenbrand als mehrtägiges Souvenir mitgab. Spaß bereitete mir zumindest der Umstand, dass ich allein durch Körperverlagerung das Boot derart beeinflussen konnte, dass entweder ein relativ kleiner oder ein ziemlich großer Teil der Wellen ins Boot schwappte. Wobei ich mir von Lasse immer einen Schlag auf den Hinterkopf verdiente, wenn der Teil  ziemlich groß war; ich die Bootsspitze also direkt vor der Welle ein wenig heruntergedrückt hatte.

Standesgemäß abgerundet wurde der Tag am späten Nachmittag mit einer kleinen Schnorcheleinheit mit Korallen- (monoton) und Fischbeobachtung (deutlich spannender). Gerne würde ich an dieser Stelle auch noch ein Foto vom Walhai mitgeben, aber bisher hat sich für mich kein einziger Blogleser in die Schulden gestürzt um mir eine Unterwasserkamera zu finanzieren. Dafür dürfen an dieser Stelle alle eine Runde trauern. Auf der Beerdigung der Mutter ist es zwar unangemessen, wenn der Vater mitteilt "Du brauchst nicht mehr um deine alte Mama trauern, ich habe dir schon wieder eine neue gefunden. Ich stelle vor: Meine Verlobte Frida". Ähnlich unangemessen ist es jetzt, dass ich statt des Walhais einfach das Foto einer Krabbe präsentiere. Aber dennoch: Darf ich vorstellen: eine Krabbe, nennen wir sie der Einfachheit halber Frida.

Donnerstag, 15. April 2010

Ebenfalls gelernt

Heute, gestern, vorgestern, vorvorgestern... und sowieso an praktisch jedem Tag in den letzten vier Wochen gelernt: Bei Stromausfall lohnt es sich nicht, vor einer Ampel zu warten. Und: Ein überfordertes Elektrizitätskraftwerk ist zwar immer noch sinnvoll, aber der Zufriedenheitsgrad sinkt proportional mit der Zahl der Stromausfälle.

Das bringt mich auch dazu, wie die Filipinos ihren Stromausfall nennen. Sie sagen nicht "Black-out", was der korrekte Begriff wäre, sondern "Brown-out". Was in meinen Ohren eher nach überlaufender Kanalisation klingt. Das Online-Wörterbuch Leo.org weiß jedoch besser bescheid: Brown-out heißt demnach "Büschelentladung". Da liegt die Verwandtschaft zu dem Begriff Stromausfall ja quasi auf der Hand.

Sonntag, 4. April 2010

Ostergefühle

Mistwetter. Wochenlang war alles schön und nun geben sich seit Tagen Sonne und Regen die Klinke in die Hand. Dabei dachte ich doch, dass ich einmal in meinem Leben dem deutschen Aprilwetter entkommen könnte. Dass es aber auf den Philippinen alles noch viel schlimmer werden würde, das konnte ich ja nicht ahnen.

Toll ist auch so eine SMS wie "Frohe Ostern", wenn man die Nummer nicht kennt. Mein "Unbekannterweise einfach mal zurück" wurde dann prompt mit einem "Dachte, du hättest meine nr gespeichert" beantwortet. Wenn es wirklich so gewesen wäre, wäre es ja ganz witzig. Aber angehängt wurde dann zusätzlich noch der Name meiner neuen Mentorin. 
Ja, für das Abspeichern ihrer Nummer (unter dem Namen "Mentor") hatte ich in der Tat über einen Monat Zeit. Aber ich bin nun mal kein Freund von Veränderung. Was auch wieder verdeutlicht, welche Qualen mir das momentane Wetter bereitet.

Freitag, 26. März 2010

No Risk, No Fun - Spannender Suizidversuch

"Gesetze sind dafür da, gebrochen zu werden", hat vermutlich auch schon der gute alte Huckleberry Finn gedacht. Um eben diesen Geist der Jugend wieder aufleben zu lassen, wurde ich aktiv. Meine ehemalige (bis Ende Januar) Arbeitskollegin Julie Ann lud mich nach Samar zum Island Hopping ein. Was daran verboten ist? Nun, Julie Ann arbeitet mittlerweile für die An-Waray Party-List (polititische Partei) und das Ganze verkam zur Straßenkampagne im Hinblick auf die Nationalwahlen am 10. Mai 2010.

Wir Freiwilligen sind angewiesen, uns vollkommen aus der Politik herauszuhalten. Allgegenwärtige Gefahr geht vor allem von der NPA aus, einer kommunistischen Gruppierung von geschätzt 10.000 Mitgliedern, die von den USA als Terrororganisation bezeichnet wurde.  Ausgerechnet in der ländlichen Region 8 (Leyte und Samar; dort, wo ich lebe)  wurden in den letzten Jahren mehrere Massengräber entdeckt, man hört auch aktuell immer wieder von neuen (politischen) Morden und in Wikipedia liest sich:

"Die NPA operiert hauptsächlich in ländlichen Gebieten, wo sie Erpressungen, Entführungen, Massaker und Ermordungen von Politikern zu verantworten hat (...)"

Leider stammt der Großteil meines Freundeskreises aus An-Waray und schon mehrmals war ich auf von ihnen organisierten Veranstaltungen. Anfang nächsten Monats findet auch ein großer zwölftägiger Skimboarding-Contest im Nachbardorf statt, der von An-Waray organisiert wird und der sicherlich mindestens einen Besuch wert ist. Der Höhepunkt war aber nun das Island Hopping. Kaum vor Ort, wurde ich von einer Freundin auch direkt eingewiesen:

Sie: "Seid vorsichtig. Wir treffen hier auch häufiger auf die NPA. Die wollen dann immer irgendetwas, in der Regel Geld. Erst vor kurzem waren ein paar von denen hier vor unserem Büro."
Ich: "Und wie viel Geld gebt ihr denen dann?"
Sie. "Das hängt davon ab. An dem Tag haben wir in unsere Bücher geschaut und festgestellt, dass unser Budget für den Tag bereits verplant war. Deshalb haben wir sie wieder weg geschickt."
Ich: "..."

Alles klar. Das stelle ich mir schon lustig vor. Die NPA vor der Tür:
Terrorist (kopfkratzend und verlegen auf den Boden blickend): "Hallo? Wir hätten gerne ein bisschen Geld. Oder auch direkt ein neues Maschinengewehr. Zufällig etwas da gerade?"
Parteivertreter: "Oh, das tut mir so leid. Für heute haben wir leider schon alles ausgegeben. Wollt ihr vielleicht noch einen Tee? Aber kommt doch einfach morgen wieder."
Terroristen ziehen ab.

Aber so lustig ist es sicherlich nicht immer. Im An-Waray T-Shirt lief ich durch die Straßen von drei kleinen unterschiedlichen Inseln und verteilte voller Engagement Flyer. Ist ja schließlich eine Erfahrung. Aber ein ganz komisches Gefühl bekam ich dann doch, als mir einmal plötzlich einige Mitarbeiter zu verstehen gaben, dass ich durch diese eine bestimmte Straße als Weißer nicht gehen dürfe. Geschluckt und zurück gegangen.

Ansonsten war es witzig und ziemlich angenehm. Auch wenn ich anderthalb Tage so weit von der Zivilisation abgeschnitten war (bis zu drei Bootstunden zum Festland), dass ich kein Handynetz hatte (PANIK!). Aber die Arbeit hielt sich in Grenzen. Kurz Flyer verteilt und dann ging es schon immer zum Barangay Captain beziehungsweise Bürgermeister. Die haben selbst auf diesen Inseln Anwesen, von denen man in Deutschland auch gerne träumt. Dort wurde gegessen und geplaudert. Den richtigen Wahlkampf für An-Waray sollen dann die Bürgermeister übernehmen, denen im Gegenzug Gelder für (Prestige-)Objekte versprochen wurde.

Das ist das Gute an den Philippinen: Die Korruption findet nicht unter der Hand statt. Das darf ruhig jeder sehen.

Fotos habe ich noch von der letzten Bootstour, der zurück ans Festland. Dort habe ich mit der Bootscrew hinten Tanduay Rum mit Wasser zum nachspülen trinken dürfen und direkt auf den Gasflammen gerösteten Octopus und Fisch gegessen. Besonders der- selbstverständlich fangfrische- Fisch schmeckte hervorragend.


Mittwoch, 17. März 2010

Für die Statisik

Erster Diebstahl. Zweiter Diebstahl. Wurde ja auch Zeit, dass ich mal bestohlen werde. Eigentlich hat  es deutlich länger gedauert als erwartet; bin ich doch schon seit sechseinhalb Monaten hier auf den Philis. Aber dann gleich zwei Mal hintereinander und so dreist hätte es dann doch nicht sein müssen.

Dienstag Morgen: Wie am Vortag wasche ich meine Wäsche. Dabei fällt mir auf: Die (gerade mal drei Wochen alten) Marken-Flip-Flops, die ich am Montag zum Trocknen hinlegte, sind weg. Geklaut von unserem mit Mauern umgebenen Grundstück! Ich denke daran, dass einige Kinder in letzter Zeit häufiger über die Bäume auf unser Grundstück gekommen sind und daran, dass unser Tor vorne immer auf ist. Ärger, aber naja, musste ja mal passieren. Schaden: rund 9 Euro.

Dienstag später Nachmittag: Ich möchte die Wäsche herein holen. Dabei fällt auf: Die nagelneue am Vortag gekaufte Lee-Hose weg. Geklaut am hellichten Tage! Tatzeit: Zwischen 12 Uhr mittags und 4 Uhr nachmittags. Schaden: Wieder rund 9 Euro. Aber schlimmer wiegt: Irgendwelche Leute gehen auf unserem Grundstück ein und aus. Scheiße!

Mittwoch: Ich wasche heute meine Weißwäsche und gehe nicht zur Arbeit. Nein, einen Diebstahl würde ich keine drittes Mal in Folge verkraften. Stundenlang liege ich in meinem Bett, lese und höre, ob sich draußen was tut. Bis vier Uhr nachmittags tut sich nichts, ich hole die Wäsche herein und gehe doch noch zur Arbeit. 
Dort weiß meine philippinische Arbeitskollegin schon Bescheid, warum ich nicht zur Arbeit kam. Sie begleitet mich zur Polizei. Anzeige erstattet. Dabei erfahren, dass Wäschediebstahlfälle offenbar gar nicht so selten sind. Erst eine Woche zuvor hat ein Kind in unserem Barangay T-Shirts geklaut. Sie dann aber selbst getragen und dann wurde  es erwischt. Ich bezweifle, dass einem Kind meine Flip-Flops und vor allem meine Hose passen könnten.

Ich dagegen setze auf meine eigene Taktik. An unsere Hauswand habe ich zwei Zettel gehängt: 
"Stealing is the first way to go to hell."
"Please, give us back our stuff (slippers, trousers,...)"

Punkt Punkt Punkt: Denn wer weiß schon, was die Täter sonst schon alles haben mitgehen lassen, was wir gar nicht bemerkt haben. Dabei denke ich vor allem an unseren Besen, der vor rund einem Monat auf mysteriöse Weise einfach so verschwunden ist. Aber da dachte ich noch: Wer würde schon so einen doofen Kokosnuss-Besen klauen...

Montag, 15. März 2010

Das Ding mit den zwei Augen

Seit wir auf den Philippinen sind, seit über sechs Monaten nun schon sehnt sich mein Mitbewohner sehnsüchtig nach einer Muschi. Und nun hat er sie endlich. Wahlweise hätte es auch ein junger Pudel sein können. Aber das Schicksal wollte es anders. Und spülte uns praktisch vor unsere Haustür ein rund sieben Tage altes, wehleidig aufheulendes Kätzchen an.

Das kleine Ding heult jedoch nicht nur auf der Straße, sondern seit ein paar Tagen auch Haus und Büro die Ohren voll. Verwahrt in einer mit Tüchern ausgestatteten Pappbox tut das Kätzchen zwar die meiste Zeit das, was ich gerade so noch tolerieren kann: Schlafen. Doch Schreien ist direkt seine Zweitlieblingsbeschäftigung. Dicht gefolgt von lauter und höher kreischen und  dem Kratzen an der Box. Und Nachtruhe kennt das Wesen auch nicht. Ich dachte immer, ich sei kinderlieb. Aber das, was davor ist? Unter diesen Umständen möchte ich keine Kinder. Kann man die Babyphase nicht irgendwie überspringen?

Wie dem auch sei, Lasse hat die Nerven. Eigentlich ist das Ding zu jung für eine Trennung von der Mutter, doch Herr Ziehvater macht sich gut. Er recherchierte und kümmerte sich trotz der skeptischen Forengemeinschaft liebevoll, kaufte sogar ein Fläschchen und spezielles Milchpulver. Mittlerweile hat das Kätzchen beide Augen geöffnet und man darf/ muss langsam mit dem Überleben des Findlings rechnen. Lasse erwähnte gestern Abend bereits, man müsse sich nun mal einen Namen ausdenken. Vielleicht gibt es ja ein poetry-rock-blog-Leser mit guten Ideen. Ein paar Fotos gibt es zur Anregung frei Haus.