Ich habe keine Lust mehr. Ich habe absolut keine Lust mehr. Ich habe einfach absolut keine Lust mehr, Ausländer zu sein.
Ich habe keine Lust mehr, ständig angestarrt zu werden. Ich habe keine Lust mehr, von fremden Kindern und Jugendlichen, von Erwachsenen auf Motorrädern und an Straßenrändern jeden Tag X-Mal mit „Hey Joe“ gerufen zu werden. Auch euer Zischen ertrage ich nicht mehr. Ich habe keine Lust mehr, an jeder Straßenecke gefragt zu werden, wohin ich denn ginge. Ich habe keine Lust mehr, bei versagter Antwort als unfreundlich bis arrogant zu gelten. Ich habe keine Lust mehr, auf Gesellschaft und Aktivitäten zu verzichten, mich im Haus einzuschließen, weil ich keine Lust mehr habe.
Ich habe keine Lust mehr, von gewissen Gruppen als Geldfass ohne Boden betrachtet zu werden. Ich habe keine Lust mehr, dass philippinische Freunde sich darüber beschweren müssen, dass die Fahrpreise plötzlich doppelt so hoch seien, wenn sie mit mir reisten. Ich habe keine Lust mehr, immer erst verhandeln zu müssen. Ich habe keine Lust mehr auf dieses Gefühl, als ahnungsloses Dummchen betrachtet zu werden.
Ich habe keine Lust mehr, auch von Weißen angegafft zu werden. Wie soll ich diese Blicke deuten? Wie soll ich es deuten, wenn Ihr versucht, mir aus dem Wege zu gehen. Oder: Wie soll ich es deuten, wenn ihr mir mit diesem aufgesetzt unsympathischen Lächeln einen „Hallo du anderer Liebestourist – tolles Land mit tollen Frauen, was?“-Gruß zunickt. Oder: Wie soll ich es deuten, wenn ihr mich von oben bis unten mit diesem unerträglichen „Oh mein Gott, so jung und schon Liebestourist“-Blick abwertet. Wie kann ich überhaupt noch darüber nachdenken wollen, wenn Ihr mich in Begleitung ganz normaler Freundinnen fragt, wo ich die Mädels denn gebucht hätte.
Ich bin nicht der posende die Finger verrenkende und stampfende Hip-Hopper, für den die Kinder mich halten. Ich bin nicht der „fishing girls“-Idiot, für den die philippinischen Männer mich halten. Ich bin nicht der „americano, americano“, für den Ihr alle mich haltet. Und Leute, wenn Ihr euren Freunden zu laut und offensichtlich „americano, americano“ zuruft, dann merke sogar ich, dass ihr hinter meinem Rücken über mich redet. Hört auf damit, euch in meinem Umgebungskreis plötzlich fetzenweise und natürlich nur megacool auf englisch zu unterhalten. Hört auf, mich erst anzustarren und mir dann, sobald ich an euch vorbei gegangen bin, irgendetwas hinterherzuschreien. Sogar Ihr Mädchen, hört auf, so komisch verstellt „hiiIIiiiiIIIIiii“ zu flöten um danach lauthals loszukichern. Ich kann das alles nicht mehr hören. Jedes Wort, jedes Lachen löst eine mittelschwere Paranoia aus.
Ich sehne mich danach, frei zu sein. Einfach so über eine Straße gehen. Einfach so herumsitzen. Einfach so im Park liegen und das Leben beobachten. Einfach so. Einfach so. Ich habe gelernt, dass „einfach so“ nicht einfach so selbstverständlich ist. Danke. Ihr könnt jetzt damit aufhören.