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Freitag, 3. September 2010

Bildungsparasidies Deutschland

Es ist noch nicht so lange her, da beschwor Kanzlerin Angela Merkel die „Bildungsrepublik“. Bildungspolitik solle Chefsache werden. Natürlich hieß das nicht, dass Merkel selber ein wenig Bildung in Anspruch nehmen wollte. Vielmehr schwimmen nun unsere jungen Schüler und Studenten seit Jahren so tief in den weiten Bildungungsseen der deutschen Länder, dass sie vor lauter Wasser das Meer gar nicht mehr sehen. Aber wer braucht schon Meer. Wo doch jedes Bundesland seinen eigenen kleinen wunderschönen Jadebusen hat.

Natürlich sieht nicht jeder kleine Jadebusen gleich aus. Das wäre ja langweilig und widerspräche der multikulturellen Vielfalt Deutschlands. So sieht das Schulsystem in Berlin und Brandenburg vor, dass Schüler nach der 6. Klasse von der Grund- zur weiterführenden Schule wechseln, während das in anderen Bundesländern bereits nach der 4. Klasse geschieht. Natürlich besteht dieser Unterschied nur, weil Kinder in Berlin und Brandenburg nun einmal speziell sind und zwei Jahre länger brauchen, bis sie wissen, auf welche weiterführende Schule sie denn gehören.
Niedersachsen hält am dreigliedrigen Schulsystem fest. Thüringen dagegen hat keine Kinder, die auf eine Hauptschule wollen und deswegen auch gleich gar keine Hauptschulen. Praktisch. In Hessen zu guter letzt kann ein Grundschulkindkind mit der Note „4“ in einem Hauptfach noch auf das Gymnasium gehen, in Baden-Württemberg hat man andere Zukunftspläne für solche Schüler und erspart ihnen unter Garantie dieses versnobte Gymnasium mit seinen ganzen Akademikerkindern.

Soviel zum strukturellen Aufbau der Jadebusen. Kommen wir zu Finanzen und Verwaltung der Ressortanlagen. Jeweils 67% des Bildungsbudgets wird von den Ländern getragen. Das ist toll für Schüler aus finanzstarken Ländern wie Hessen und Baden-Württemberg. Mit den Versprechen von besserer Besoldung und besseren Aufstiegschancen haben beide Länder bereits Lehrkräfte aus anderen Bundesländern abgeworben. Das ist notwendig, denn nur so bleiben die teuren Klassenräume im Osten der Republik weiterhin schön ruhig – das verspricht eine angenehm entspannte Lernatmosphäre für Jung und ... Jünger. Und sowieso: In Thüringen, Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern ist es drei Mal so wahrscheinlich eine Förderschule zu besuchen wie im Saarland, in Schleswig-Hostein und in Rheinland-Pfalz. Und da 77% der Förderschüler die Schule ohne allgemein bildenden Schulabschluss verlassen, kann man sich die Lehrer dort praktischerweise gleich ganz schenken. Das ist ein intelligentes und weiterhin lernfähiges Sparoptimierungsprogramm. Innerhalb der nächsten 40 Jahre könnten wir so die ersten lehrerfreien Bundesländer feiern. Der Finanzminister und Dieter Bohlen sagen: Danke.

Haben wir etwas übersehen? Ob das System auseinanderzubrechen droht, wenn Länder auf die Idee kommen sollten, den Bund ausdrücklich um Finanzhilfen zu bitten? Aber nein, zum Glück gibt es seit der Föderalismusreform von 2006 das Kooperationsverbot zwischen Land und Bund. Bei den Finanzen des Schulwesens muss der Bund draußen bleiben. Merkel hat damals wirklich schon an alles gedacht. Denn Bildungspolitik muss natürlich Chefsache... also Chefsache der jeweils zuständigen Verantwortlichen in den jeweils zuständigen Kultusministerien der jeweils zuständigen Länder sein. Schließlich sind wir eine Bildungsrepublik. Mehr Bildung geht nicht.

Dienstag, 1. Juni 2010

Machtquartett

Auf ein Neues. Die Karten werden wieder gemischt. Köhler macht es möglich. Schon letztes Jahr bewies die deutsche Politik Einfallsreichtum. Da wurde Schäuble plötzlich vom Innen- zum Finanzminister umfunktioniert, Gutti von und zu vom Wirtschafts- zum Verteidigungsminister und Franz Josef Jung vom Verteidigungsminister zunächst zum Sozialminister um dort schon nach 33 Tagen seinen politischen Rücktritt zu erklären. Die Familienministerin von der Leyen wurde daraufhin Jungs Nachfolgerin, während ihr altes Ministerium von der angehenden Abiturierentin Kristina Schröder übernommen wurde. PLOPP.

Und nun: Koch geht, weil er keine Aussicht mehr auf eine bundespolitische Karriere hat. Wenige Tage später geht aber auch Köhler. Das heißt: Koch kommt wieder. Doch Bundespräsident kann er nicht werden, weil das Ausland zwar Merkel toleriert hat, aber eine weitere optische „Besonderheit“ den neuen deutschen Lena-Faktor schneller vernichten würde als er gekommen ist. Wohl fühlen würde sich Koch dagegen in seinem Spezialgebiet als Finanzminister. Schäuble könnte dann Bundespräsident... wobei man als Bundespräsident ja viel reisen muss und bestimmt nicht alle Regierungsgebäude behindertentauglich sind. Mal ganz abgesehen von der Thrombosengefahr. Stattdessen würde Schäuble sicherlich einen seriösen Wirtschaftsminister abgeben.

Der degradierte Brüderle könnte nun zum Präsidenten aufsteigen, wofür zwei gute Gründe sprechen: Wie Köhler 2004 käme Brüderle wie Phoenix aus der Asche. Den kennt ja sowieso keiner. Und außerdem wäre der FDP damit ein derart großes Zugeständnis gemacht worden, dass dann gleichzeitig auch noch Westerwelle als Außenminister abgesägt werden könnte. Westerwelle wäre eh viel passender aufgehoben als Finanzminister (so von wegen „niedrigeres, einfacheres und gerechteres Steuersystem“). Allerdings sitzt da erst seit zwei Minuten der Koch und der ist schlichtweg zu erfahren im Aussitzen als dass der sich nun noch vertreiben ließe. Deswegen mein Vorschlag zur gütigen Einigung: Der Freiherr und Westerwelle tauschen zuletzt einfach ihre Plätze. Das Guidomobil kurvt dann durch Afghanistan. Und Guttenberg lässt bezwiehungsweise macht weiterhin, was er sowieso schon seit seiner Entdeckung tut: Wer braucht schon politische Ideen und Konzepte, wenn er alles schön ins Blaue reden kann und das Volk ihn dafür liebt. Ist doch alles Gutti!

Freitag, 28. Mai 2010

Kopfschütteln

Da gibt nun jemand seinen Rücktritt bekannt, der nie besonders beliebt war. Jemand, der die Justiz schon zum Millennium bewusst täuschte (CDU-Spendenaffäre). Jemand, der gerne mit rechter Polemik keulte. Jemand, dessen machtfixiertes Kalkül stets präsent war und das auch über Bauernopfer ging. Da tritt jemand zurück, der nicht einmal optisch besonders viel hergibt. Bei dem aber jeder weiß, dass er nur geht, weil er bundespolitisch keine Zukunft  mehr hat und weil er sich hochdotierte Wirtschaftsposten vermutlich bereits mit einem roten Samtteppich hat schmackhaft machen lassen . 

Und nun betrauern die Medien diesen Abgang auch noch. Da gibt es kein böses Wort. Keinen Nachruf der Erleichterung. Nicht einmal eine Diskussion um die Verstrickung von Politik und Wirtschaft. Liebe Deutschen, was passiert eigentlich in unserem Land? Denken wir mal kurz darüber nach. Noch hat die WM ja nicht begonnen.

Mittwoch, 14. April 2010

Wieder was gelernt

Frage: Was haben wir aus dem polnischen Flugzeugunglück gelernt, bei dem ein großer Teil der Elite Polens starb?
Antwort: Es ist eigentlich gar nicht so schlimm, wenn Außenminister Guido Westerwelle mit seinen ganzen Freunden in einem Flugzeug sitzt.  [12.04.2010]

(Mit Dank und Verweis an den Online-Auftritt des Titanic Magazins)

Donnerstag, 25. März 2010

Terror auch im Westen

Selbst am anderen Ende der Welt, selbst auf den Philippinen wird man Westerwelle-geschädigt. Bisher fand ich das ja ganz lustig, sein Treiben aus der Ferne zu beobachten. Aber als ich nun bei einem Artikel der sueddeutschen zunächst sofort an ihn denken musste, da merkte ich, dass unser Außenminister sich doch schon ungesund fest in mein Hirn eingebrannt hat.


Meine erste Assoziation war doch tatsächlich: "Oh, schon wieder dieser Westerwelle. Hat ihm die saudische Polizei etwa die Einreise verweigert? Und warum- obwohl es ja passen würde, witzig- nennen sie ihn überhaupt Terrorwelle? Oder... ach... es geht ja um etwas ganz anderes. Herrjemine."

Donnerstag, 14. Mai 2009

Steinalt, Steinhart, ein Steinpilz

Merkel kommt von merken. Vielleicht erinnert sie sich deshalb besonders jetzt im Wahlkampf daran, dass ihr die Finanz- und Steuerspielchen inklusive Herrn Paul Kirchhofs alllgemeine 25%-Steuer 2005 fast die Mehrheit gekostet hatte. Und verzichtet deshalb vorerst wohlweislich ganz auf ein Programm in dieser Richtung.

Ganz anders der neue Obama. Alleine sein Name erinnert nicht nur an das Trinken nach zwei Würfelzahlen, sondern in Steinmeier steckt auch Substanz, ein ganzes Fundament. Und wenn er tatsächlich so lange steht wie Stonehenge, dann können wir dieses Jahr anfangen, Geschichte zu schreiben. Gerne möchte ich in diesem Zusammenhang auch noch an Kleinstein und Georok erinnern, wahrhaftige Legenden unter den Stein-Pokemons. Jetzt braucht Steinmeier eigentlich nur noch ein Programm. Oder hat er sogar schon eins?


Dann können wir den Stein ja jetzt ins Rollen bringen.

Mittwoch, 11. März 2009

Was wirklich auf Bush geworfen wurde

Der Schuh war doch bloß eine Erfindung für die Medien.



P.S.: Der, wie wir nun wissen fälschlicherweise, als "Schuhwerfer von Bagdad" bezeichnete Journalist wurde jünsgst zu drei Jahren Haft verurteilt. Dabei wäre doch eine Steinigung seiner Tat eher angemessen gewesen. So rein vom Verfahren her.

Samstag, 14. Februar 2009

Ein Schäfer wird Gangsta

Höre gerade ein Radiointerview mit dem eigentlichen Helden des vergangenen politischen Jahrzehnts. Mit dem, der die Hessen-SPD auf sagenhafte 23,7% der Wählerstimmen führte. Ehrfürchtig nennen ihn Freunde und Feinde nur "TSG", eine seinen Erfolgen angemessene Anspielung auf die Fußballelf aus Sinsheim, die TSG 1899 Hoffenheim.

Zunächst einmal machte ich das Radio an und hörte Coolio mit Gangsta's Paradise. Ein für das Norwestradio doch mehr als erstaunlicher Umstand, der mich fragen ließ, ob jemand an meinem Radio rumgefummelt habe. Doch dann wurde TSG begrüßt und das erste Thema war tatsächlich das Lied Gangsta's Paradise. Denn Thorsten habe sich das Lied "über Ecken indirekt" gewünscht. "Eine Anspielung auf Hessen unter Koch?"

Doch der Schäfer winkte ab und erklärte: "Nein, das ist das Lied von meiner Frau und mir." Und dann berichtete er von einer WG-Party bei ihm, auf die auch seine zukünftige Frau, "damals noch mit Freund", gekommen sei. Dann lief dieses Lied und seine Frau hätte daraufhin einer Freundin einen Brief geschrieben um mitzuteilen: "Thorsten hat einen unsäglichen Musikgeschmack." Das und die Tatsache, dass er keinen Walzer tanzen könne, inspirierte den Gümbel so sehr, dass er das Lied auf seiner Hochzeit gespielt haben wollte und den DJ bat, ein Walzerstück nach zehn Sekunden "auf Coolio umzuswitchen. Das hat geklappt".

Eine wirklich rührende politische Geschichte. Und was das Interview angeht: Nichts mehr, was danach kam, hatte einen derart hohen substanziellen Inhalt.

Dienstag, 10. Februar 2009

Ein Glas Trost für Glos

Der arme arme Michael. Wie wurde er gehänselt und gefoppt. Er war immer bloß der Mopp- nur wischen wollte leider keiner. Wo blieb der nötige Respekt? Schließlich hätte es kaum ein Wirtschaftsminister geschafft, ausgerechnet in der größen Wirtschaftskrise seit 80 Jahren so ruhig zu bleiben. Quasi hinter der Bühne in Morpheus' Armen zu verweilen. Sagte nicht Merkel selbst einmal, ihr Vorsatz für das neue Jahr sei es, mal wieder ordentlich auszuschlafen?

Der Michael konnte tun, was er wollte. Stets war er an allem Schuld. Was schon in Lönneberga bekannt, galt ebenso in Berlin. Kein Wunder, dass er sich bei diesem argwöhnischen Zweifeln nicht auch noch traute, Reformen vorzuschlagen. Er versuchte sich zu wehren, doch seine Metaphern blieben fragwürdig, wie wir hier schon erfahren hatten. Allerdings: Was erwartet man denn von einem Mann, der zu den Gerüchten, in Merkels Kabinett aufgenommen zu werden, 2005 noch sagte: "Ich hoffe, dass es meinem Land nie so dreckig geht, dass es auf Leute wie mich zurückgreifen muss." So sahen wir drei Jahre mit hängenden Köpfen, dass sich unser Land tatsächlich ganz schön in der Scheiße befinden musste.

Die Warnung brauchen wir jetzt nicht mehr. Wir wissen, dass es steil bergab geht. Merkel versprach uns unser "Jahr der schlechten Nachrichten". Dass auch diese eine gute dabei sein werde, verschwieg sie. Denn dank von Guttenberg hat jetzt auch die Bild endlich mal wieder qualitativ ihr Titelblatt schmücken können.

Donnerstag, 5. Februar 2009

Ein richtig guter Krimi

Diesen Werbespot wollte ich der meinigen kleinen Blogger- weiten Welt nicht vorenthalten. Schließlich ist es das Jahr der Linken. Erst sensationell Hessen in die ästhetisch größte Krise seit einem Jahr geführt (→ siehe Koch, Roland), für die nächste Bundestagswahl laut Lafontaine der große Geheimfavorit und dann stellen sie in Zukunft wohl auch noch den Bundespräsidenten, das unwichtigst größte Amt der BRD.

Um im Vorhinein aller möglichen Kritik an diesem Post vorzubeugen: Nein, ich habe nichts gegen Darmkrebs. Auch nicht gegen Vorsorge. Ich finde es im Gegenteil besonders originell, wie subtil bereits am Anfang dieses Spots mithilfe einer Taschenlampe und eines Rohres die einfache Suche nach dem Krebs im Darm kindgerecht visualisiert wird. Ebenso ist Sodanns Rede ein rhetorisches Meisterstück. Lückenlos gelingt ihm die Verknüpfung zwischen einem Kriminalisten und der Darmkrebsvorsorge (Hä?!). Da ist es nämlich "eigentlich genauso" wie am Tatort des Verbrechens.

Edit: Das entsprechende Video wurde nach diesem Post vom User entfernt.

Sodann spricht im weiteren Verlauf flüssig wie ein seniler Bundespräsident es halt eben tut und lächelt den Zuschauer verschmitzt an. Besonders vertrauenserweckend wirkt er, als er der Kamera einen Schritt näher kommt und den Interessierten genau das sagt, was sie schon immer mal wissen wollte. Jaaa, "also, ich habe die Untersuchung schon hinter mir". Die Jubelschreie, Fangesänge und Fanfarentröten wurden an dieser Stelle herausgeschnitten. Dann wird Sodann cool, entschließt sich zu einer lässigen Mundbewegung und einem möglicherweise den Tiefen des Darms entsprungenen "Mhmh". Um uns letztlich vertraulich zuzunicken: Na los, "Gehen Sie hin, trauen Sie sich einfach!"

Ich bin immer noch beeindruckt. Vor der Darmkrebsvorsorge konnte Herr Sodann mir zwar keine Angst nehmen, weil ich keine hatte, aber dennoch: Danke, Peter, deine Worte mussten einmal gesagt werden. Und ja, du scheinst wahrhaft berufen zu sein für Köhlers Erbe.

Montag, 12. Januar 2009

Gezetere auf hoher Ebene

Weltpolitik wirkt auf den Normalbürger zuweilen wie ein undurchsichtiges Konstrukt voller rätselhafter Mysterien und nebulöser Vereinbarungen. Wie schön, dass es da den aktuellen Gasstreit gibt. Die Ukraine und Russland beweisen, dass auch große Nationen den niederen Instinkten unterworfen sind. Denn im Streit zählt nichts mehr. Und was macht man als Russe, wenn man dummerweise einen Vertrag unterzeichnet hat, der die Gasversorgung für die Abnehmerstaaten sichert? Richtig, man erklärt ihn für ungültig.

Und was machen jetzt die frierenden Ukrainer? Nun, laut SPON haben die sich einfach an die Klein-Kindheit erinnert und laut gezetert: "Bäh, ihr tut doch nur so. Ihr habt doch gar kein Gas!" Dumm nur, dass den Russen das so gar nicht juckt... noch nicht. Denn wer weiß schon, wie doof der Russe aus der Wäsche gucken wird, wenn die Ukrainer erst einmal flöten: "Phü... Euer Gas wollen wir eh nicht. Wollten wir auch noch nie. Da haben wir lieber nen kalten Arsch, bevor wir was aus euren nach Vodka stinkenden Rohren in unsere Öfen packen." Hehe.

Donnerstag, 11. Dezember 2008

Jeanne d'Arc des Klimas auf Abwegen

Mit heeren Zielen trat sie an. Nichts geringeres als die Weltrettung stand auf ihrem Spickzettel. Doch im Gegensatz zu Jens Lehmann, der sein bekritzeltes Blättchen rechtzeitig aus dem Schuh zauberte, scheint Frau Merkel das ihrige im entscheidenden Moment aus den Augen verloren zu haben. Unter dem Deckmantel des Schweigens droht das einzige Prestige-Projekt der selbsternannten Klimakanzlerin nun zu verwahrlosen.

Denn heute beginnt in Brüssel der EU-Gipfel, dessen wichtigstes Thema die Verabschiedung des Klimapakets ist. Der Kommissionspräsident spricht gar von einem "Glaubwürdigkeitstest für Europa". Wenn nicht wir, warum sollte dann jemand anders in der Welt das Klima schützen, so ist der weitlautende Tenor. Es gilt also anzupacken. Doch gerade das liegt unserer Mutlos-Merkel ja bekanntlich wenig. Und beweist lieber, dass Worte von gestern heute nichts als Schall und Rauch sein müssen.

Vergessen scheinen Knut und Flockes Heimatgefilde, der Klimawandel, Polarschmelze und aussterbende Arten. Erst einmal zählt nun plötzlich doch die deutsche Wirtschaft, besonders die Autoindustrie konnte die Kanzlerin von ihren Plänen abbringen. Für ihren Sinneswandel- Obama hätte ihn bloß "change" genannt und wäre dafür bejubelt worden- muss Frau Merkel sich nun viel Kritik anhören. Der schönste Vorwurf in diesem Zusammenhang ist sicherlich der des "klimapolitischen Gedächtnisschwunds", der auch zugleich eine herrlich ironische Anspielung auf die Zustandsänderung der Polarkappen beinhaltet.

Doch man sollte opimistisch bleiben. Trotz aller niederschmetternder Verluste des letzten Fünkchens Hoffnung und Vertrauen, den diese Regierung eigentlich nie verdient hatte. Schon bald brauchen wir Merkel dann nicht mehr so erleben wie bei ihrem Blitzesuch auf Grönland. Schon bald gibt es dann nur noch sonnig schönen Sommerurlaub. Und schon bald darf ich dann adé sagen zu einer Kanzlerin, die sich schon jetzt auf ihre Finka am Strand von La Gomera freuen dürfte.

Donnerstag, 27. November 2008

Große Koaltition zerfrisst sich selbst

© David Maitland


So sieht es wohl aus, wenn alles dem Ende zugeht. Besonders beliebt war es nie, dieses künstliche Konstrukt, aus der Machtgier einiger weniger entstanden. Zumindest haben die Regierungsparteien dieses Mal bewusst darauf verzichtet, sich beim Wahlvolk anzubiedern. Antipathie gilt im Hinblick auf die Wahl 2009 als Trumpf. Zuerst begriffen hatten das die Sozialdemokraten (hier links im Bild). Doch ihnen gingen in Zeiten der schwindenden Mitgliederzahlen die Mannen aus. Und so hat die SPD nach dem Intermezzo Platzeck, dem Fehlgriff Müntefering und dem Vorsitzenden der Beck's AG nun trotzdem wieder einen Fehlgriff, sprich Parteivorsitzenden, der sich zum Ziel gesetzt hat, über 2008 hinaus auf dem Deck zu bleiben. Aber noch ist es zu früh, panisch die eigenen SPD- Anteile abzustoßen. Denn auch ein Haider hatte sich wohl ursprünglich eine längere Amtsausübung vorgestellt.

Montag, 24. November 2008

Linke Wundertüte

Sodann, mein lieber Herr Peter Sodann. Als „Tatort“-Kommissar haben Sie sicherlich das Handwerk der sorgfältigen Recherche und des angemessenen Stillschweigens gelernt. Bedauerlich nur, dass Sie nun beide erworbenen Kenntnisse wieder in die dunkelsten Schubladen des unentdeckten Geheimfaches im Keller gelegt haben.

Sie träumen als Kandidat der Linken tatsächlich von Horst Köhlers Erbe, der Bundespräsidentschaft. Sofort fragten wir uns, wer denn nun hier seine Ideale verrate. Die Linke, die alles und jeden für die Kandidatur aufstellen wollte, nur keinen Mann? Oder doch Sie, Herr Sodann, der 2005 seine Kandidatur für ein Bundestagsmandat nach zwei Tagen zurückzog mit den Worten, sie blieben lieber weiterhin „politischer Schauspieler als schauspielender Politiker“? Was sind Sie denn nun?

Vielleicht hätten Sie irgendwann sogar noch Sympathien gewonnen und Ihre Wahlchancen erhöht. Aber Sie sagen es ja weiterhin in jedem Interview: „Das, was wir hier in Deutschland haben, ist keine Demokratie.“ Mutig, mutig. Oder gehört das noch zu Ihrem Schauspiel? Vielleicht würde uns allen auch ein Urlaub in Guantanamo oder Birma gut tun. Aber man sollte Sie wirklich nicht nur auf diese eine Aussage festnageln.

Ansonsten glänzen Sie ja geradezu mit Ihrem Hang zum Realismus. Als neue Nationalhymne wollen Sie ein Kinderlied von Bertolt Brecht vorschlagen, Sie glauben, dass die Pressefreiheit die Jugend nur verwirre und wollen als erste Amtshandlung Josef Ackermann verhaften, „dann würde man mich zwar rausschmeißen, aber ich hätte es wenigstens mal gemacht“. Zum Thema DDR sagen Sie, dass Mörder nach 20 Jahren doch auch wieder eine neue Chance bekämen. Endlich, Herr Sodann, haben wir in Ihnen den Mann der treffenden Vergleiche gefunden. Wie Sie offenbaren, entstammt dieses, Ihr geballtes Wissen aus der täglichen Lektüre der BILD-Zeitung, dann wüssten Sie, „was die anderen Zeitungen schreiben und das reicht mir dann“.

Selbst wenn Ihnen nicht alle deutschen Herzen zufliegen werden, bei wem tun sie das schon. Dafür finden Sie Freunde in neuen Kreisen. Der sächsische NPD-Fraktionschef möchte sie für manche Ihrer Äußerungen „am liebsten umarmen“. Und sogar Sarah Palin hofft, doch nicht die größte Fehlnominierung des Jahres 2008 zu sein. Irgendwie, Herr Sodann, muss man Sie also doch lieben. Und niemand kann das präziser ausdrücken als der NDR mit seiner Sendung extra3. Danke, Herr Sodann, für Ihr Schauspiel, Ihre Worte und ein noch spannendes halbes Jahr bis zur Präsidentschaftswahl.

Mittwoch, 19. November 2008

Über einen Gescheiterten

Das Leben war ihm einfach nicht hold. Die Kunstuniversität war ihm ebenso missgönnt wie die Eheschließung mit seinem Hund und sogar die Welteroberung scheiterte bereits vor den Toren Moskaus. Doch was nun das Faktenmagazin BILD enthüllt, lässt ganz Deutschland erschaudern. Der Schauspieler des großen Diktators Charlie Chaplin, Adolf Hitler jr., soll nur einen Hoden gehabt haben. Das ist nun wahrlich eine Information von geschichtlich fundamentaler Bedeutung. Hat vielleicht der Mangel an Testosteron dazu geführt, dass er nicht "Manns" genug war, von Krieg auf Diplomatie umzusteigen? Und endlich wird klar, was die Anhänger der NPD so an der Person Hitler fasziniert.

Wie der Bericht angibt, habe Hitler eine Bombe im ersten Weltkrieg verletzt, zugegeben leicht unglücklich. Allerdings zeigte der gebürtige Österreicher dann auch seine wahren Mimosenqualitäten. Er "soll geschrieen haben, gefleht, ihn zu retten und schließlich gedroht, die angsterfüllten Sanitäter vor ein Kriegsgericht zu bringen". Also wirklich. Benimmt sich so etwa einer, der sich angeblich im Rausch scherzhaft "Führer" nannte? Für Hitlers Kameraden war er fortan auch nur noch der "Schreihals". Nach der ärztlichen Behandlung soll seine erste Frage dann gewesen sein: "Kann ich noch Kinder zeugen?" Was sich jedoch weniger auf seine Potenz, als vielmehr auf seinen IQ beziehen sollte. Hätte er sich wenigstens dieses eine Mal präzise ausgedrückt, er hätte sich viele peinliche Nächte erspart.

Andererseits kann man dem Mensch mit tierischem Antlitz in der Ursachenforschung auch etwas zugute halten. Er litt einfach viel in seinem Leben (siehe oben) und wurde schon von klein auf von den Gespielen der Krabbelgruppe ausgelacht für seine zahlreichen Sprachfehler. Er rollte das "R" zu stark und beherrschte auch die Aussprache des "Ü" nicht. Außerdem hatte Hitler schon als Vierjähriger sehr fettige Haare und einen Schnurrbart.

Dies alles berücksichtigend sollte man sich nun aber schon fragen, ob die Mitglieder der NPD und ähnlicher Randgruppen überhaupt noch ernst zu nehmen sind. Es lässt sich angesichts der erdrückenden Beweislast stark bezweifeln, dass sie wirklich den irrsinnigen Idealen eines eineiigen "Mannes" hinterherlaufen. Vielmehr sind Braune in ihrer Haut unzufrieden und heucheln dem größten aller Verlierer Beileid um so Trost für ihren eigenen Seelenkummer zu finden. Bleibt ihnen nur zu wünschen, dass sie sich selbst gegenüber ehrlich genug sind, dies auch einzugestehen.

Montag, 17. November 2008

Über Grenzen in der Politik

Politiker dürfen ziemlich viel. Manches können sie auch ziemlich gut. Vor allem Parolen und Vergleiche gegenüber ihren Widersachern schwingen. So erinnert man sich gerne an Münteferings Vergleich der Chinesen mit Adam und Eva ("Wenn Adam und Eva keine Deutschen gewesen wären sondern Chinesen, hätten sie die Schlange gegessen und nicht den Apfel und vieles wäre uns erspart geblieben") und Sarkozy brachte es nach seiner Ankündigung, das "Gesindel" in den Vorstädten von Paris mit einem "Hochdruckreiniger" wegputzen zu wollen immerhin an Frankreichs Spitze. Während die Gleichstellung von Politikern mit denen der "Schmach von Versailles" eher nicht mehr so gefragt ist, gehört auch weiterhin die Suche nach Parallelen der Linken und der SED zum guten Ton. Ein schwieriges, dafür aber umso mehr Publicity erwirkendes Instrument ist der Vergleich mit Nationalsozialisten. Und vielleicht, liebe Frau Eva Hermann, war damals ja doch alles schlecht.

Sigmar Gabriel dagegen, der sich einst selber mit einem Eisbärbaby verglich, hat nun eine Grenze überschritten. Der Umweltminister wollte Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff in Verruch bringen. Für seine Parteizugehörigkeit hätte er Wulff mit Kohl vergleichen können, für seinen Geburtstag mit Lybiens Diktator al-Gaddafi und für seinen Namen mit dem bösem Wolf. Doch Gabriel entschied sich für etwas unkonventionelles. Zu Wulffs Äußerungen, das EU-Klimapaket wegen der Finanzkrise verschieben zu wollen, sagte Gabriel nun: "Das ist genau die Politik, mit der Bush in den USA gescheitert ist."

Wie Spiegel Online weiter berichtet, unterstrich Gabriel dann auch noch ausdrücklich die Unterschiede zwischen Wulff und Hoffnungsträger Obama: "Während der neue Präsident Obama daran geht, einen 'New Deal' für Arbeit und Umwelt zu schmieden, dreschen Wulff und Schmoldt die Parolen von gestern". Der poetry rock-Blog sagt zu Gabriels Unkenrufen: Pfui! Wirklich gelungene Vergleiche kennzeichnen sich dadurch, dass sie von manchen Menschen auch positiv verstanden werden könnten. Dann doch lieber ein gepflegter Nazi-Vergleich.

Donnerstag, 13. November 2008

Einen Spiegel für Glos bitte

Es ist ein besonders tragisches Märchen, welches sich da in diesen düsteren nasskalten Herbsttagen auftut. Dabei fing alles so friedlich an. Michael Glos kam auf die Welt, hatte eine schöne Kindheit und wurde dann kurz nach dem Fall der Mauer, der damit wahrscheinlich gar nichts zu tun hat, oberster Bär der CSU in Bayern. Irgendwann holte ihn sein Schwarm Merkel, mit der er immer ein harmonisches Bild abgab, dann an die Berliner Luft. Das deutsche Klima bekam dem Bayer jedoch nicht. Der neue Bundeswirtschaftsminister sah sich sofort in der Verteidigung und legte entgegen der Anraten seiner Berater ein schockierendes Geständnis ab: "Ich bin weder ein Problembär noch ein Streithansel".

Das hörten die tierverliebten Deutschen, die sich bekanntlich besonders für bayrische Problembären erwärmen können, natürlich gar nicht gerne. Glos verschwand daraufhin für drei Jahre im Untergrund und erinnerte sich erst diesen Sommer daran, dass im Zuge der anstehenden Wahlen Popularität von Bedeutung sein könnte. Doch Ex-Partnerin Merkel vergaß nicht so schnell. Über sein laut angedachtes milliardenschweres Konjukturprogramm hing in Angelas Augen gleich das Schwert des Damo-Glos. Die Grippe hingegen, die ihn ausgerechnet in Zeiten der Finanzkrise nicht an die Kameras treten ließ, traf auch die Nervenverbindungen in Glos' Kopf schwer. Jüngst legte er nun seine überzogenen Erwartungen -Unterstützung von Seiten der Merkel- offen. Sogar Tiefensee sei von ihr besser ihn Schutz genommen worden, soll Glos laut SPON gesagt haben.

Was Glos nun auf einmal gegen den Minister der SPD hat, ist zurzeit noch nicht sicher geklärt. Vermutet werden bloße Eifersüchteleien, wie sie nun einmal unter adoptierten Halbgeschwistern vorkämen, so ein auf eigenen Wunsch hin unerkannt bleibender Insider dem poetry rock-Blog. Doch der CSU'ler meint es dem Anschein nach wirklich ernst. Auf Merkels ausbleibende Rückendeckung angesprochen, berichtet Glos betroffen: "Da kann ich auch in den Spiegel schauen." Dieser optische Vergleich mit der manchmal scherzhaft "Kanzlerin" genannten Ostdeutschen bekundet von wirklich tiefem Kummer und einem nicht zu verdauenden Trauma Merkel. Wäre er mal doch lieber bayerischer Problembär geblieben.

Dienstag, 11. November 2008

Große Koalition mit großen Plänen

Der frenetische Jubelhall entgeisterter Krankenkassen und Millionen von Patienten über die Gesundheitsreform ist noch nicht verhallt, die gröbsten Eckpunkte der Erbschaftsreform sollen noch in diesem Jahrhundert durchgewunken werden - und nun kommen unsere Berliner Jecken mit einer schon vom Namen her wahrlich stimulierenden Maßnahme, der Verschrottungsprämie. Das auch liebevoll "Abwrackprämie" genannte Projekt soll die Altautos endgültig von unseren Straßen holen. In geheimen Kreisen spricht man bereits vom sich anbahnenden Endsieg der Polarretterin Merkel.

Doch allen Beteiligten ist bewusst: Es geht hier nicht nur um alte Autos und eisige Polargebiete. Es geht um eine völlig neue Basis des sozialen Miteinanders. So wie die Menschen noch schnell die Schrottplätze der Autohändler überlaufen und von Renditen jenseits der Reichskuppel träumen, so gewinnen auch insgesamt die alten Werte unserer Gesellschaft wieder an Hochschätzung. Das gütige Vorgehen der ehemaligen Republik im Osten, die humane Marschroute der 30'er und 4o'er Jahre. Die Ideale dieser Zeit sind es, denen wir nun noch einmal nostalgisch hinterherblicken dürfen - um sie dann ein für alle Mal auf den Schrottplatz des Gedankenguts zu werfen.

Sonntag, 9. November 2008

Arroganz

Einzig die stetige Betonung und Hervorhebung des eigenen Seins lässt uns die tatsächliche Nichtigkeit unserer sternschnuppenartigen Existenz ertragen.

Sieht auch Sarah Palin so und bringt sich zurück in Alaska sofort wieder für die Präsidentschaftswahl 2012 ins Spiel.
Wenn schon nicht Hillary...

Freitag, 7. November 2008

Suizid

Ist vielleicht nicht die Lösung aller Probleme, aber immer noch besser als in den Wahn von Putzwut oder Schuhshopping zu verfallen.

Nachtrag vom 08.11. : Scheint zumindest Ypsilanti so zu sehen und bleibt weiterhin an der Parteispitze.