Samstag, 31. Oktober 2009

Wir sind Deutschland

"Deutsche sind doch ueberall", pflegte mein Vater nur zu sagen, wenn ich ganz begeistert war, auf eben einen solchen im fernen fernen Ausland zu treffen: In Oesterreich, in den Niederlanden, sogar in Tschechien oder Frankreich. Tatsaechlich trifft man auch auf den Philippinen immer mal wieder auf einen BRD-Buerger.
Dass ich aber selbst im touristisch noch relativ unerschlossenen Sueden von Leyte meinen Tauchschein in einer deutschen Tauchschule machen wuerde, in der mir Weisswurst, Schnitzel und Cordon Bleu serviert wird, eben das hatte mich dann doch noch ueberrascht.

P.S.: Und so werde ich die erste Weisswurst meines Lebens wohl heute Abend auf den Philippinen probieren.

Noch`n Nachtrag: Soeben hat sich hier im Internet-Cafe neben mir ein sechsjaehriges Kind hingesetzt, das nun Counter-Strike spielt. Es hat Schwierigkeiten, von dort unten ueberhaupt den ganzen Bildschirm im Ueberblick zu haben. Aber von nun vergesst bitte diese deutsche Amokdebatte. Denn von Amoklauefen auf den Philippinen habe ich trotz der extremen Spielekultur noch nie etwas gehoert.

Freitag, 30. Oktober 2009

Alltag. Oder: Ab in den Süden!

Hurra! Wieder eine beschwerliche Arbeitswoche vorbei und ein langes Wochenende - Montag ist Feiertag- vor mir. Diese Woche habe ich erneut ständig am PC gesessen, bin sowohl bei GTA II als auch bei Need For Speed deutlich voran gekommen, ab und an habe ich sogar mal sowohl eine Präsentation überarbeitet als auch angefangen, die Idee eines Basketball-Turniers als Fundraising-Event zu entwickeln. So sieht harter Büroalltag aus.

Da tut die Abwechslung ganz gut, die nun vor mir liegt. Vom Norden geht es in wenigen Stunden ab in den Süden von Leyte. Und bald bin ich dann um etwas mehr als 200 Euro ärmer, dafür jedoch um einen Tauchschein reicher. Fairer Deal, besonders weil in Südleyte auch das Tauchen mit Walhaien möglich ist. Bis die kommen, dauert es zwar sicherlich noch zwei, drei Monate, aber ein wenig Übung zuvor kann ja nicht schaden.

Das Wochenende werde ich mich also voraussichtlich nicht mehr melden, zum Trost gibt es etwas aus der Lustigen Überraschungsbox, die ich heute dank der sueddeutschen(1, 2) kreiert habe.

Das war ein wirklich(!) in einer Studenten-WG verwendeter Zettel. Der Inhalt ist grandios und lässt auf eine Menge Spaß schließen:
"Vorsicht, Klaus! Geh auf keinen Fall in die Küche!!! Ich wollte Karamellpudding machen und hab eine Dose Kondensmilch auf den Herd gestellt. Dummerweise ist sie explodiert und hat so eine Zuckerpampe in der ganzen Küche verteilt. Das Scheißzeug klebt jetzt überall! Der Vermieter sagt, dass wir alles renovieren müssen... Es tut mir so leid - ich wollte doch nur einen Nachtisch für deinen Geburtstag machen. Zum Glück ging das Ding in die Luft, als ich gerade im Supermarkt war...
U."

Man kann sich vorstellen, wie verzweifelt U. gewesen sein muss. Vielleicht sogar ähnlich verzweifelt wie folgender Computer-Nutzer, der sich aber irgendwann zu helfen wusste.


Mittwoch, 28. Oktober 2009

Aus dem Reich der Schuppenkriechtiere

Es ist zwar ein paar Wochen her, aber aus gegebenem Anlass nun der Nachtrag:

Das war schon ein ganz schöner Schreck, als sich da plötzlich diese Schlangen vor mir windeten und wanden. Auf dem Internationalen Schulfest, auf dem sich viele Kinder herumtollten, hatte ich so etwas nicht erwartet. Es war ein abgesperrter Bereich, für den man sogar 50 Cent Eintritt bezahlen musste. Ich handelte auf 80 Cent für zwei Personen herunter und erwartete Papp- und Plastiktiere. Wenige Sekunden später stieg der Adrenalinspiegel in gänzlich unerwartete Höhen.

Da war ich zunächst der, der sich windete und wand. Aber mit der Zeit verliert selbst das größte Huhn mal seine Berührungsängste. Im Nachhinein würde ich sagen, dass es eine Erfahrung war. Und um den Nachfragen vorzubeugen: Ja, es war gefährlich. Ja, die Schlangen waren giftig. Ja, ich wurde gebissen. Ja, es wirkt - wenn auch langsam. Aber Nein, nette Kommentare steigern nicht die Wahrscheinlichkeit auf ein sattes Erbe.
(Im Bild rechts: Julie und ein anderer Mensch)

So ein Tier ist im Übrigen gar nicht so leicht, alleine würde ich es nicht tragen wollen. Muss man ja zum Glück im Alltag auch nicht so oft. Stattdessen bekomme ich es demnächst vielleicht in kleineren Portionen. Wir haben von einem vier Stunden entfernten Restaurant gehört, das Schlangen serviert. Vielleicht gibt es da ja auch ein Gegengift.

Montag, 26. Oktober 2009

Irgendwo muss das Wasser ja herunterkommen

Wer oder was ist schon Theo (1, 2)... ? Die wahren Wasserfälle der Philippinen haben wir am Sonntag aufgesucht! Wir (sieben Leute) ließen uns eineinhalb Stunden im Van fahren, suchten uns einen Guide und wanderten dann durch den feuchtwarmen Dschungel. Ist alles ganz schön ätzend.

Es ist heiß, man trieft wie nie zuvor in seinem Leben, dazu ist nahezu jeder Schritt eine neue Herausforderung. Steile Auf-und Abstiege, rutschig, modrig, Baumstämme im Weg, überall dicke fiese Waldameisen, giftige Tausendfüßler, die Bananen noch nicht richtig reif, Kokosnüsse zu hoch gewachsen. Nach einer Ewigkeit (gefühlte halbe Stunde) kam dann zumindest der erste Wasserfall.

Der wirkt auf den Bildern richtig niedlich, war er auch, aber doch mindestens seine 30 Meter hoch. Um die Stimmung wenigstens ein bisschen zu retten, bot uns der Wasserfall seine große Lagune voll von erfrischend kühlem Nass an- auf genau der richtigen Temperatur nach all den Anstrengungen. Nur die nicht vorhandene Cocktail-Bar war uns ein Dorn im Auge. Dafür war die Wasserfall-Nackenmassage ganz in Ordnung.


So schrecklich es auch war, irgendwann mussten wir selbst aus der Hölle wieder heraus und weiter ziehen. Der Weg wurde deutlich unwegsamer, erste Schrammen zierten die Körper, Außenstehende hätten es Dschungel genannt. Für uns war es nur ein Pfad um endlich die berühmt-berüchtigte "Schmach von Theo" wett zu machen. Und der Sieg sollte unserer werden.

Auf den Bildern kann man die Dimensionen leider nicht darstellen, aber uns wurde vorher bereits ein 100 bis 120 Meter- Wasserfall angekündigt. Und das musste er dann wohl sein.

Spaß machte nach dem Starren und Staunen auch das Klettern auf den kleinen Steinchen vor dem Wasserfall. Aufgrund der Glitschigkeit gab es am Ende jedoch dann doch noch ein paar Verletzte. Und so neigte sich ein langer anstrengender sinnloser Tag dem Ende - zumindest prahlen können wir jetzt. Der Rest ist Geschichte.


Anekdote am Rande: Da der liebe Alex vergessen hat, meinen Rucksack mitzubringen, mussten Patrick und ich unser Hab und Gut in Plastiktüten transportieren. Dafür haben wir uns aber ganz sicher heftige Styleness-Punkte verdient.
Besonders elegant abgerundet habe ich das ganze mit einem Fächer in der anderen Hand (der eigentlich ein Frauenhut ist) und zumindest bis zu meiner ersten Fußverletzung mit Flip-Flops. Danach habe ich dann festgestellt, wie viel einfacher so ein Trip doch mit festen Schuhen ist.

So wandert man(n) durch den Dschungel

Freitag, 23. Oktober 2009

Penis-Fetisch

Was sind schon Mercedes, Porsche, Ferrari - RussoBaltique ist die wahre Marke der Luxus-Tradition. Seit 1909 stellt der russische Automobilhersteller gepanzerte Sicherheitsfahrzeuge her, in denen es sich auch schon Zar Nikolaus II., Lenin und Trotzki gemütlich machten. Die Wiederauferstehung dieser Marke bringt nun allerdings Autos einer ganz neuen Kategorie zutage.

Denn ab April 2010 soll das teuerste und protzigste SUV der Welt im Handel erhältlich sein, der Dartz Prombron Monaco Red Diamond Edition.Von lästigen Details möchte ich euch verschonen, doch ein paar der Dinge, die man schließlich für rund 1,1 Millionen Euro bekommen soll, müssen einfach genannt werden:
- vergoldete, kugelsichere Scheiben
- Weißgoldüberzüge, Rubinen- und Diamantenverzierungen, wohin das Auge reicht
- drei Flaschen eines der, wenn nicht des teuersten russischen Vodkas - perfekt zum abendlichen Autoausflug

und last but not least:
- Walpenisleder interieur. Also wirklich überall. Besonders am Lenkrad ist es besonders weich und angenehm anzufassen. Laut Hersteller.
(Quellen: motor-talk.de, bild.de)


Aber warum macht man so etwas? Weich anzufassen wäre auch Marasas Fell. Warum nutzt man nicht das für das (zukünftige) Auto der russischen Prolls? Zur Beantwortung dieser Frage versuchte ich zunächst einmal, mir solch einen Penis vorzustellen, der bis zu 2,50 Meter groß werden soll... und scheiterte erbärmlich. Also hielt ich fest: Dahinter muss schlicht und ergreifend ein Penis-Fetisch stecken! Dachte ich mir so und meine Recherche ergab Interessantes.

Tatsächlich gibt es in Island nicht nur ein Phallusmuseum, sondern darf man auf dessen Homepage sogar den Klängen des deutschsprachigen Pe-Pe-Penismuseum-Songs lauschen (Achtung: Ohrwurm-Gefahr!!). Im Museum selber gibt es dann laut eigener Beschreibung "55 Exemplare von 17 Waalarten, 1 Exemplar von einem Bären, 36 Exemplare von 7 Robben- und Walroßarten und 115 Exemplare von 20 Arten der Landsäugetiere. (...) Dazu gibt es ein Versprechen für 4 Exemplare des Homo Sapiens und [das] ist testamentarisch bestätigt."

Nun, dann gibt es ja keinen Grund mehr, den Urlaub auf Island zu verschieben. Da ich weiter auf den Philippinen verweile, dürfen die in Deutschland Gebliebenen ausnahmsweise auch mal ohne mich los ziehen. Viel Spaß! - ist das ein angemessener Wunsch an dieser Stelle? Ach, Lasst euch einfach inspirieren!

Mittwoch, 21. Oktober 2009

They're singing in the rain

Gestern war unser erster lokaler Feiertag. Zelebriert wurde der 65. Jahrestag der Leyte Gulf Landing, als der amerikanische General Douglas McArthur 1944 auf Leyte ankam, um die Einwohner vor den Japanern zu retten. Dies hat ihm einen Park sowie ein Monument eingebracht, in dessen Nähe gestern die Parade ihm zu Ehren stattfand.



Damals und heute -in Blei?- im Vergleich





Und was gibt es zur Parade und den Festlichkeiten zu sagen? Nun, viele Menschen, viele Mini-Stände mit Snacks und "Jahrmarkts"-Kleinigkeiten, viele Militäreinheiten, die Loge für die High Society (wir gehörten zur Abwechslung nicht dazu) und ein einfach beschissenes Wetter. Macht ein rundum gelungenes Fest, das wohl aufgrund der Regenfälle deutlich gekürzt, wenn nicht zum Teil sogar komplett gestrichen wurde.

Gesehen habe ich eigentlich nur eine wenige Minuten lange Parade, wofür wir sicherlich zwei Stunden im Regen standen. Es ist uns zwar bekannt, dass jetzt offiziell Regenzeit ist, das heißt hier aber weder, dass es wirklich jeden Tag regnet noch dass es feste Zeiten dafür gäbe. Es regnet wohl schlicht häufiger und vielleicht auch heftiger als sonst. Gestern war wirklich eine extreme Ausnahme, die der Grund dafür wahr, dass mir hier in den heißen Philippinen doch tatsächlich einmal kurzzeitig kalt war. Und das bei sicherlich 15 Grad.













Ganz am Ende überraschte dann noch eine Kompanie der ganz anderen Art.


Es stellte sich- wie bereits im Video erwähnt- heraus, dass es sich allerdings um keine Kompanie, sondern um eine Band hielt, die aus der Hauptstadt Manila kommt. Sofern ich die Aufschrift auf der Trommel (SM Mall Of Asian's) und die Worte einer philippinischen Freundin richtig interpretiert habe, handelt es sich bei der Gruppe wohl um so etwas wie das Equipment der SM Mall of Asia, DES Einkaufszentrums in Manila, das 2007 von Forbes zum drittgrößten der Welt erklärt wurde. Und weil sie solch einen Spaß machen, gleich noch ein Video von ihnen.


Das war's dann schon zum Fest, so spannend war es wirklich nicht. Dann kann man eigentlich nur noch versuchen, Superlative für den Status unserer Durchnässtheit zu finden. Aber wozu gibt es schließlich Fotos? Zu "wir" gehört in diesem Falle übrigens noch der Alex, ein Freiwilliger, der nur 10 Jeepney-Minuten und neun Cent entfernt wohnt. An dieser Stelle auch Dank an ihn für Bild- und Videomaterial.
















Wohl selten sah ich so traurig; aber vor allem: Nie sah ich so
alt aus...

Sonntag, 18. Oktober 2009

Kraft! Wozu Freude?

Da gab es laut BILD einen kleinen Streit in Thailand um unten stehende Werbung für ein Wachsfigurenkabinett. Und das nutze ich jetzt einfach mal für ein intensives Update zu meiner "Kleine[n] Ethikkunde". Denn das Verhältnis der Filipinos zu Eroberern und Diktatoren ist -aus meiner Sicht- zumindest ungewohnt.


Dazu zunächst einen kurzen vereinfachten Überblick über die Geschichte der Philippinen:
- 1565 bis 1898: Spanische Kronkolonie (einhergehende Christianisierung; Ursprung für den bis heute stark ausgelebten Katholizismus)
- April bis August 1898: Spanisch-Amerikanischer Krieg (u.a.) auf philippinischem Territorium. Die zur gleichen Zeit stattfindende Philippinische Revolution führt am 12. Juni '98 zur philippinischen Unabhängigkeitserklärung, die jedoch von der neuen Kolonialmacht, den USA, nicht anerkannt wird. Es folgt:
- 1899- 1902: Philippinisch-Amerikanischer Krieg. Fazit dieser Zeit: Etwa eine Million Filipinos (20% der damaligen Bevölkerung) sterben, dazu vergleichsweise bescheidene 4.000 Amerikaner. Die Philippinen stehen bis 1941 fortan unter US-amerikanischer Verwaltung.
- 1941: Die Japaner erobern die Philippinen und sind während ihrer Gewaltherrschaft Ursache etlicher zerstörter Städte und Millionen toter Filipinos.
- 1945/46: Zum Ende des zweiten Weltkrieges erobern die US-Amerikaner die Philippinen zurück, entlassen sie 1946 formal in die Unabhängigkeit, sichern sich jedoch auf Jahrzehnte wirtschaftliche Sonderrechte und militärische Stützpunkte auf den Philippinen.
- 1965 bis 1986: US-amerikanisch unterstützte Diktatur unter Ferdinand Marcos. "Gleichschaltung" der Medien, Repressalien gegen Oppositionelle oder ganze Landstriche, etliche politische Morde, Kriegsrecht unter Marcos von 1972 - 1981, massive Verschuldung des Landes. Um nur einige Stichwörter zu geben.
Der enorme Volkswiderstand, Massendemonstrationen und die Seiten wechselnde Militäreinheiten stürzten Marcos letztlich, der von den US-Amerikanern in Sicherheit und nach Hawaii ins Exil gebracht wurde.
(Quellen: Wikipedia.de; payer.de)


Und wie gehen die Filipinos mit dieser Geschichte heute um? Nun, zunächst einmal verehren sie alles Amerikanische. Sie träumen vom Vorbild USA, ihren Festen, ihrem Essen, sie lieben Basketball und hören Hip Hop. Amerikanisch sein ist cool sein.
Vielleicht verständlich aufgrund der "Rettung" vor den Japanern, in Anbetracht der Jahrzehnte zuvor und vor allem des Philippinisch-Amerikanischen Krieges aber dennoch zumindest mit einem faden Beigeschmack.

Dann zu Marcos. Man weiß zwar sehr wohl, dass er viel Unglück über das Land gebracht hat, dennoch besucht man zum Beispiel voller Ehrfurcht den Santo Niño Shrine in (unserer großen Nachbarstadt) Tacloban City, eine der vielen Residenzen Marcos, die er seiner Frau hat bauen lassen. Außerdem habe ich mich in einem Interview mit unserer Arbeitskollegin Julie kurzzeitig an Eva Hermann zurück erinnert gefühlt. Es sei ja nicht alles schlecht gewesen, er habe auch schöne Gebäude und Kulturzentren errichtet... Einschränkend gab sie allerdings auch zu, dass die dunklen Seiten überwiegen würden und dass der Schrecken Marcos insbesondere in der Region Tacloban nicht so deutlich geworden wäre wie in anderen Gegenden.

Und zu guter letzt noch einmal zu Hitler. Es passiert zwar eigentlich ziemlich selten, dass wir als Deutsche sofort mit Hitler in Verbindung gebracht werden, aber Fragen wie, wo man denn sein Grab oder (wie den Santo Niño Shrine) seine Paläste bewundern könne, irritieren schon manchmal. Als ich erklärte, dass wir niemals auf die Idee kämen, einen öffentlichen Grabplatz zu errichten, waren die Augen groß und das "Warum nicht?" umso größer. Am vernünftigsten fand ich die mir einmal gestellte Frage: "Ist Hitler bei euch nun eigentlich ein Held?", weil damit das sonst oft nur unterschwellig mitklingende überhaupt erst einmal in Frage gestellt wurde.

Wiederum im Interview mit Julie (21) erfuhr ich etwas darüber, was ihr in der Schule gelehrt wurde. So habe Hitler ohne Zweifel unmenschliche und unverzeihliche Dinge getan. In einem anderen Satz erklärte sie mir aber auch, dass der Lehrer ihr in einem persönlichen Gespräch gesagt habe, die Existenz der Juden auf unserem Planeten sei "unfair", weil sie in der Gunst Gottes höher stünden als andere Menschen (was klar werden würde aufgrund der Bibel). Schwieriges Thema. Letztlich dominiert hier trotz allem wohl die Unwissenheit.

Unser Fazit (von mir und einem anderen Freiwilligen): Eroberer wie die Amerikaner, Menschen wie Marcos und Hitler werden nicht aufgrund ihrer Taten bewundert, aber es wird anerkannt, dass sie charismatische Führer gewesen seien, dass sie überhaupt es nach oben geschafft hätten und sie Menschen überzeugen und begeistern konnten. Darum geht es.
Dass sie letztlich doch alle viel Mist gebaut haben, steht auf einem anderen Blatt. Aber im gewissen Sinne haben sie einen beachtenswerten Aufstieg, eine respektable Leistung vollbracht. Das mag wohl alles schwierig zu trennen sein, in der Sache ist es jedoch verständlich, wenn auch nicht immer nachvollziehbar.

(Zum Wortunterschied im letzten Satz: Verstehen wird in der Wissenschaftsgeschichte primär als Sprachverstehen begriffen. Sinn machen muss da für den "Verstehenden" erst einmal noch nichts. Das ist erst beim Nachvollziehen der Fall.)

Samstag, 17. Oktober 2009

Kleidung kaufen

Nach Absprache mit dem von mir sehr geschätzten Johannes verwende ich heute seinen letzten Blogeintrag. Er ist ebenfalls weltwärts-Freiwilliger auf den Philippinen, allerdings auf Negros, zwei große Inseln weiter im Westen.

Die Department Stores in den großen Malls hier sind ein idealer Ort um Kleidung zu kaufen...
Erstens sind T-Shirts und kurze Hosen hier Spottbillig, zweitens oftmals auch sehr cool und tragbar. Doch der Grund für den geringen Preis liegt oftmals auf der Hand: Sobald es sich um Markenprodukte handelt, kann man sich sicher sein, dass diese gefälscht sind. Unschwer ist das bei Fußballtrikots zu erkennen, bei Quicksilverhosen hingegen ist es schon raffinierter.
Es gibt allerdings auch enorm plumpe Beispiele (na, könnt ihr den Fehler entdecken?):

Okay, das ist zwar verblüffend, aber nicht wirklich erstaunlich, da die meisten Filipinos zwar immer nett fragen, wo man herkomme, jedoch auf die Antwort "Germany" dann fragen: "Und wo genau in den USA liegt das?"
Wirklich erstaunlich ist ein anderer Gegenstand, den ich zwischen Bergen von teils mehr, teils minder lustig bedruckten T-Shirts entdeckte. Wie kommt ein solches Shirt in einen Supermarkt eines Provinzstädtchens auf den Philippinen??? Seht selbst:


Donnerstag, 15. Oktober 2009

3 Minuten wahrer Liebe

Unser kleines Haushühnchen Marasa habe ich schon am 07. Oktober zur Quotensteigerung meines Blogs missbraucht, so sehr bin ich schon auf das Klischee "süüüüße Tiere" angewiesen. Aber um ehrlich zu sein: Kein Klischee, unser Hühnchen ist schon echt verdammt knuffig. Also war für mich auch klar, dass es ein Video gewidmet bekommen sollte...



Das Wort "marasa" entstammt übrigens dem hier gesprochenen Dialekt Waray-Waray und bedeutet "lecker". Dieser Name für unser kleines gelbes Glückshuhn hatte sich nur knapp vor "Plucked & Fried" und "KFC" durchgesetzt.

Mittwoch, 14. Oktober 2009

Ein Wort mit X...

Und ein schöner Beleg dafür, dass man das mit dem Hoffen manchmal vielleicht doch lieber einfach sein lassen sollte.

Dienstag, 13. Oktober 2009

Öffentliche Verkehrsmittel

...gibt es hier nicht so, wie wir sie gewöhnt sind.

Züge: Keine. Soweit ich informiert bin, gibt es aber welche auf der Hauptinsel.

Jeepney: Der Bus der Philippinen. Um die 40 bis 50 Leute dürften wohl hineinpassen/ -gequetscht werden können. Wenn es zu voll wird, wird auch Dach und hintere Gepäckablage benutzt - wohl noch einmal ein Plus von locker 15 Menschen. Kosten: Pro gefahrenem Kilometer rund 1,5 Cent, die man zwischendurch oder beim Aussteigen selbstständig einem Geldeinsammler zukommen lässt.

Tricyle: Das Taxi der Philippinen, ein Motorrad mit angebautem Beiwagen. Da Filipinos nicht so groß sind, kriegen die da zur Not auch ihre acht bis zehn Mann drauf. Kosten: Mindestens dreifach so teuer wie ein Jeepney. Besser vorher den Preis aushandeln, sofern es keine kurze 8 bis 10-Cent-Strecke ist, sonst ihm einfach etwas in die Hand drücken und gehen.

Pedicab: Das unmotorisierte Fahrrad-Tricycle. Das am häufigsten vorkommende Fortbewegungsmittel, das ich gerade gestern zum ersten Mal benutzt habe. Es ist halt deutlich langsamer als alles andere und nur wenige Pesos (=1,5 Cent) günstiger.

Dafür kam ich gestern Abend zu einem ganz besonderen Erlebnis. Nach einem feuchtfröhlichen Abend bat mir mein Freund an- Freund wird man hier im Grunde genannt, sobald die Namen ausgetauscht wurden-, dass er uns mit seinem Pedicab zur nächstgrößeren Straße bringen würde, wo wir dann ein Tricycle finden könnten.

Das ließ ich aber in dieser Form nicht mit mehr machen und schwang mich nach einiger Überzeugungskraft meinerseits selbst auf das Fahrrad. Dieses fuhr sich allerdings nicht ganz so leicht, insbesondere wohl deswegen, weil bis zu fünf Leute es sich mehr oder weniger gemütlich gemacht hatten. Nach wenigen Minuten (2) und einem Fast-Überschlag nach hinten (der nur durch das Abspringen der hinteren Personen verhindert wurde) fuhr dann jedoch wieder der philippinische Freund, während ich gemütlich nebenherschlenderte.

Und ein besonderes Bonbon gibt es auch noch. Ich habe am Sonntag eine Tricycle-Fahrt etwas außerhalb unserer kleinen Kleinstadt Palo gefilmt. Die zusammen geschnittene Version dürft Ihr hier bewundern.


Montag, 12. Oktober 2009

Mein Pasalubong für Germany

"Und was wirst du deiner Chefin aus dem Urlaub mitbringen?" Hört sich in unseren Ohren merkwürdig an, ist es hier allerdings keineswegs. Filipinos bringen, wenn sie weiter weg gereist sind, sogenannte "Pasalubong" mit, Mitbringsel für Familie, Freunde und Arbeitskollegen. Dies sollen Kleinigkeiten sein, Spezialitäten aus der Region, in der man war.

Mittlerweile kenne ich auch eine der Spezialitäten aus meiner Region: Carabao Milk beziehungsweise Carabao Milk Pastillas. Das Carabao ist eine der Hausttierrassen des Wasserbüffels. Die Pastillas bestehen aus eben deren Milch und Zucker. Zwar sind sie ein bisschen bröselig, schmecken tun sie aber ganz gut, in der Art vielleicht wie Karamel-Milch-Sticks.

Freitag, 9. Oktober 2009

Veni Vidi Vici

Ich habe nichts dagegen, dass der Friedensnobelpreisträger 2009 schwarz ist. Ich habe auch nichts dagegen, dass er das Weiße Haus von innen kennt. Ganz im Gegenteil: Die Nominierung von George W. Bush für diesen Preis habe ich- aus Liebe zur Satire- sehr begrüßt. Aber müssen diese zehn Millionen schwedische Kronen nun wirklich an einen Menschen gehen, der beide Eigenschaften vereint? Na hoffentlich schafft er es von dem Geld dann wenigstens, seiner Gesundheitsreform einen neuen Schub zu verleihen, den Staat schuldenfrei zu machen und nebenbei den Weltfrieden zu gewährleisten.

Wobei es- wiederum aus Gründen der Ironie- sehr amüsant wäre, wenn Obama noch in diesem Jahr Russland, dem Iran und sowieso der gesamten muslimischen Welt den Krieg erklären würde. Schließlich wüsste man dann wieder die Eltern wert zu schätzen, die uns doch schon von klein auf predigten: Du sollst den Tag nicht vor dem Abend loben.

Donnerstag, 8. Oktober 2009

Google so richtig in die Mangel genommen

Vielleicht war das der Grund, warum man die Piratenpartei hätte in den Bundestag wählen sollen. Dann hätten die Abgeordneten dem ZDF sicher noch einmal ausführlich den Unterschied zwischen "Phishing" und "Fisting" erklären können.


Mittwoch, 7. Oktober 2009

Unser morgiges Frühstück



Hoffe mal, dass es ein bisschen zarter schmeckt als die letzten beiden.







Okay, ganz so schlimm ist es noch nicht, aber auch unser neues Haushühnchen wird wohl nur für den Zweck der Schlachtung (und ein paar Eier) gehalten.
Primär kennen die Filipinos vor allem eine Speise: Reis. Zum Frühstück. Zum Mittagessen. Zum Abendbrot. Als wir uns gestern ein (deutsches) Abendessen - Bratkartoffeln, Rührei und Steak - kreierten, machte unsere philippinische Mitarbeiterin große Augen: "Ist das alles? Wo ist der Reis?" Obwohl wir es ihnen schon mehrfach gesagt haben; eine Mahlzeit ohne Reis kann man sich hier nicht vorstellen. Es dient (extrem gesüßt) auch als Snack oder Dessert.


Und ansonsten? Gibt es hier vor allem Fisch und Fleisch. Darunter fast ausschließlich Rind oder Huhn. Und alles wird genutzt. So kam ich jeweils beim Barbecue (an den Straßen stehen ständig Stände) schon zu dem Vergnügen von Hühnerdarm und Hühnerleber. Was mir freundlicherweise erst danach mitgeteilt wurde. Meine Meinung: Zurecht in Deutschland nicht so sehr verbreitet.

Allgemein kann man noch sagen: Es gibt nicht so sehr würziges Essen, stattdessen ist alles ziemlich süß. Spaghetti kriegt man zum Beispiel immer mit einer süßlichen Ketchup-Soße serviert. Alles nicht sonderlich schlimm, aber auch nicht unbedingt der Megakracher. Dafür schmecken Mangos und Papayas göttlich. Vermissen werde ich dagegen deutsches Brot (hier gibt es nur zuckriges Weißbrot), Äpfel (nur Importware, nicht lecker), Spinat, Rot- und Grünkohl mit Pinkel.

Montag, 5. Oktober 2009

Alles Ansichtssache

Es gibt Videos, die können einem das Leben erleichtern. Tutorial-Videos zum Beispiel, die dem Single zeigen, wie man Spaghetti kocht, dem Studenten, wie Hausputz normalerweise ausschaut oder der Kanzlerin, wie man nach jahrelanger Suche vielleicht mal wieder auf ein Konzept stößt. Ich dagegen sehnte mich immer nach dem Medium, dass mir endlich die Arbeit abnehmen würde für den Fall, dass die Freundin mal wieder fragt: "Duhuuu, wie funktioniert eigentlich Abseits?" Et voilà: So schwierig ist es doch gar nicht. Schließlich ist im Leben vieles immer wieder nur eine Frage der Perspektive.

Sonntag, 4. Oktober 2009

Veränderung Nummer Eins

Natürlich hat man mir gesagt, dass die Philippinen mich verändern werden. Ich habe sogar hin und wieder versucht, dem ganzen Glauben zu schenken. Dass das aber so schnell gehen kann, hat mich dann am Samstag schon überrascht. Ich war in heiterer Gesellschaft auf einem Schulfest von Filipinas umgeben, besonders eng von der allerherzlieblichsten Julie (gesprochen: Dschüljenn), meiner Arbeitskollegen, 21 Jahre alt und ebenfalls Volontärin.

Es begann alles ganz harmlos. Wir schlenderten über die kirmesartige Anlage, ich faszinierte mich voll und ganz von dem vorhandenen Fußballplatz - eine Rarität in dem absolut Basketball-fanatischen Land, in dem sonst eigentlich nur noch Volleyball eine größere Rolle spielt- und Julie fand den Mut, sich das erste Mal auf ein Pferd zu setzen.

Doch schließlich landeten wir bei einem Mann an einem Ort, den ich in Deutschland immer gemieden hätte. Aber auf den Philippinen ist alles anders, dachte ich mir und es kam mir so unwirklich vor, schon allein, weil ich bei der Hitze niemals voll bei Sinnen sein konnte und Julie mich auf Englisch einschwor. Ich lehnte zunächst ab, aber der Gecko reizte mich letztlich doch irgendwie. Schließlich ist der doch typisch filipinisch, an jeder Hausdecke in jedem Haus an jeder Ecke schwirren sie herum. Und nun auch noch für den Rest meines Lebens an meinem linken Oberarm.


Samstag, 3. Oktober 2009

Wir werden alle sterben

...aber bis dahin bleibt ja noch ein bisschen Zeit. Dies ist mit Abstand der bisher spannendste Tag auf den Philippinen. Damit hat aber kein Taifun der Welt zu tun. Spätestens Montag komme ich wieder zum schreiben. Jetzt wird erst einmal der Beer Drinking Contest gesucht, der hier auf Plakaten angepriesen wird.

Donnerstag, 1. Oktober 2009

Foto- Magie

Wie ich also bereits gestern erwähnte ist es gar nicht soo cool auf den Philippinen. Natürlich will ich aber trotzdem vermeiden, dass, wenn ich schon so viel leide, auch Ihr Leser (solidarisch mit mir) unglücklich seid. Eigens dafür habe ich mir hier nun ein Add-On für meine Kamera gekauft. Es ist eine Software, die jedes Bild automatisch bearbeitet und es positiv und glücklich erscheinen lässt. Also hier eine kleine- wenn auch künstliche- Bilderreihe:


Halb verhungerte und verheulte Kinder

Ein anderer Volontär am ertrinken

----------------------------------- Ich, vom Taifun durch die Luft geschleudert

Suche nach den Leichenteilen Weitere bitterböse Traurigkeit Überall giftige Schlingpflanzen

Kurzum, wir sind: Gefangen in der Ödnis