Donnerstag, 27. November 2008

Große Koaltition zerfrisst sich selbst

© David Maitland


So sieht es wohl aus, wenn alles dem Ende zugeht. Besonders beliebt war es nie, dieses künstliche Konstrukt, aus der Machtgier einiger weniger entstanden. Zumindest haben die Regierungsparteien dieses Mal bewusst darauf verzichtet, sich beim Wahlvolk anzubiedern. Antipathie gilt im Hinblick auf die Wahl 2009 als Trumpf. Zuerst begriffen hatten das die Sozialdemokraten (hier links im Bild). Doch ihnen gingen in Zeiten der schwindenden Mitgliederzahlen die Mannen aus. Und so hat die SPD nach dem Intermezzo Platzeck, dem Fehlgriff Müntefering und dem Vorsitzenden der Beck's AG nun trotzdem wieder einen Fehlgriff, sprich Parteivorsitzenden, der sich zum Ziel gesetzt hat, über 2008 hinaus auf dem Deck zu bleiben. Aber noch ist es zu früh, panisch die eigenen SPD- Anteile abzustoßen. Denn auch ein Haider hatte sich wohl ursprünglich eine längere Amtsausübung vorgestellt.

Mittwoch, 26. November 2008

Sind wir nicht alle ein bisschen Schrott?

Die im Folgenden vorgestellte Nachricht, die ich gestern den ARD-Tagesthemen entnahm, bedarf eigentlich keines weiteren Kommentars. Doch gerade deshalb werde ich trotzdem nicht darauf verzichten, stumm in mich hineinzulächeln und die Bedeutung dieser Nachricht für die Weltwirtschaft abzuwägen.

Passend zum Thema Wirtschaft geht es in dem ARD-Bericht primär um Schrott. Genauer gesagt um Schrott in Tschechien. Der kostet dort im Moment zwölf Cent pro Kilo. Und das ist in Zeiten der weltweiten Finanzkrise, die auch den Schrottmarkt verunsichert, Grund genug für die Tschechen, die Stoffe Altmetall und Co. zu sammeln. Oder eben, was bei besonders ausgeprägter Sammellust doch naheliegend ist, zu stehlen.

Ist es nun „besonders findig“, sich der Städte Gullideckel anzueignen? Das zumindest behauptet die Moderatorin der Tagesthemen. Und sieht der Bürgermeister der in diesem Fall betroffenen Stadt Teplice freilich ein wenig differenzierter. „Das Problem ist doch, dass die Menschen nicht darauf achten. Wenn ein Gullideckel geklaut wird, geht es ja gar nicht um den Wert, sondern es bleibt ja ein Loch.“ Der blitzgescheite Bürgermeister hat die Situation wahrhaftig erkannt. Er handelt nun, nachdem in diesem Jahr bereits 500(!) Gullideckel geklaut worden seien. Und warum? Der besorgte Politiker erklärt: „Autos fahren in die Löcher rein und Menschen stürzen.“ Arme Autos. Armes Volk. Arme Sammler, die zumindest in Teplice ab sofort nur noch vergleichsweise leichte Hartgummi-Gullideckel finden werden.

Ein Land verschrottet sich regelrecht selbst. Überall suchen die Menschen nach alten unbenötigten Gegenständen und machen sie zu Geld. Eine Händlerin erläutert: „Es kommen vor allem Kleingartenbesitzer. Sie finden immer noch etwas, was sie nicht mehr brauchen, also eine alte Badewanne oder ähnliches.“ Wahrlich plausibel. Sang das nicht schon Wolfgang Petry: „Unterm Laub der Buchentanne, da find ich meine Badewanne“?

So richtig interessant wird es jedoch erst jetzt. Die Jäger und Sammler des Schrotts kennen nämlich keine Gnade. Und scheinen vor allem nicht wirklich unterscheiden zu können zwischen unwichtig und vielleicht doch noch benötigt. So sorgte ein entwendetes 50 Meter langes Kupferkabel dafür, dass in Prag zwei Tage lang fast keine Züge mehr fuhren. Und über Nacht wurde sogar eine ganze Eisenbahnbrücke(!!) entfernt, die dem nun wirklich "findigen" Dieb geschätzte 1.000 Euro einbringen dürfte. Nicht ganz so findig waren jedoch zwei Säulen-Räuber. Sie bemerkten erst, als es krachte, dass es sich bei ihrer Säule um eine tragende handelte. Sie sind nun Preisträger des Darwin Awards - für die dümmste Art aus dem Leben zu scheiden.

Montag, 24. November 2008

Linke Wundertüte

Sodann, mein lieber Herr Peter Sodann. Als „Tatort“-Kommissar haben Sie sicherlich das Handwerk der sorgfältigen Recherche und des angemessenen Stillschweigens gelernt. Bedauerlich nur, dass Sie nun beide erworbenen Kenntnisse wieder in die dunkelsten Schubladen des unentdeckten Geheimfaches im Keller gelegt haben.

Sie träumen als Kandidat der Linken tatsächlich von Horst Köhlers Erbe, der Bundespräsidentschaft. Sofort fragten wir uns, wer denn nun hier seine Ideale verrate. Die Linke, die alles und jeden für die Kandidatur aufstellen wollte, nur keinen Mann? Oder doch Sie, Herr Sodann, der 2005 seine Kandidatur für ein Bundestagsmandat nach zwei Tagen zurückzog mit den Worten, sie blieben lieber weiterhin „politischer Schauspieler als schauspielender Politiker“? Was sind Sie denn nun?

Vielleicht hätten Sie irgendwann sogar noch Sympathien gewonnen und Ihre Wahlchancen erhöht. Aber Sie sagen es ja weiterhin in jedem Interview: „Das, was wir hier in Deutschland haben, ist keine Demokratie.“ Mutig, mutig. Oder gehört das noch zu Ihrem Schauspiel? Vielleicht würde uns allen auch ein Urlaub in Guantanamo oder Birma gut tun. Aber man sollte Sie wirklich nicht nur auf diese eine Aussage festnageln.

Ansonsten glänzen Sie ja geradezu mit Ihrem Hang zum Realismus. Als neue Nationalhymne wollen Sie ein Kinderlied von Bertolt Brecht vorschlagen, Sie glauben, dass die Pressefreiheit die Jugend nur verwirre und wollen als erste Amtshandlung Josef Ackermann verhaften, „dann würde man mich zwar rausschmeißen, aber ich hätte es wenigstens mal gemacht“. Zum Thema DDR sagen Sie, dass Mörder nach 20 Jahren doch auch wieder eine neue Chance bekämen. Endlich, Herr Sodann, haben wir in Ihnen den Mann der treffenden Vergleiche gefunden. Wie Sie offenbaren, entstammt dieses, Ihr geballtes Wissen aus der täglichen Lektüre der BILD-Zeitung, dann wüssten Sie, „was die anderen Zeitungen schreiben und das reicht mir dann“.

Selbst wenn Ihnen nicht alle deutschen Herzen zufliegen werden, bei wem tun sie das schon. Dafür finden Sie Freunde in neuen Kreisen. Der sächsische NPD-Fraktionschef möchte sie für manche Ihrer Äußerungen „am liebsten umarmen“. Und sogar Sarah Palin hofft, doch nicht die größte Fehlnominierung des Jahres 2008 zu sein. Irgendwie, Herr Sodann, muss man Sie also doch lieben. Und niemand kann das präziser ausdrücken als der NDR mit seiner Sendung extra3. Danke, Herr Sodann, für Ihr Schauspiel, Ihre Worte und ein noch spannendes halbes Jahr bis zur Präsidentschaftswahl.

Mittwoch, 19. November 2008

Über einen Gescheiterten

Das Leben war ihm einfach nicht hold. Die Kunstuniversität war ihm ebenso missgönnt wie die Eheschließung mit seinem Hund und sogar die Welteroberung scheiterte bereits vor den Toren Moskaus. Doch was nun das Faktenmagazin BILD enthüllt, lässt ganz Deutschland erschaudern. Der Schauspieler des großen Diktators Charlie Chaplin, Adolf Hitler jr., soll nur einen Hoden gehabt haben. Das ist nun wahrlich eine Information von geschichtlich fundamentaler Bedeutung. Hat vielleicht der Mangel an Testosteron dazu geführt, dass er nicht "Manns" genug war, von Krieg auf Diplomatie umzusteigen? Und endlich wird klar, was die Anhänger der NPD so an der Person Hitler fasziniert.

Wie der Bericht angibt, habe Hitler eine Bombe im ersten Weltkrieg verletzt, zugegeben leicht unglücklich. Allerdings zeigte der gebürtige Österreicher dann auch seine wahren Mimosenqualitäten. Er "soll geschrieen haben, gefleht, ihn zu retten und schließlich gedroht, die angsterfüllten Sanitäter vor ein Kriegsgericht zu bringen". Also wirklich. Benimmt sich so etwa einer, der sich angeblich im Rausch scherzhaft "Führer" nannte? Für Hitlers Kameraden war er fortan auch nur noch der "Schreihals". Nach der ärztlichen Behandlung soll seine erste Frage dann gewesen sein: "Kann ich noch Kinder zeugen?" Was sich jedoch weniger auf seine Potenz, als vielmehr auf seinen IQ beziehen sollte. Hätte er sich wenigstens dieses eine Mal präzise ausgedrückt, er hätte sich viele peinliche Nächte erspart.

Andererseits kann man dem Mensch mit tierischem Antlitz in der Ursachenforschung auch etwas zugute halten. Er litt einfach viel in seinem Leben (siehe oben) und wurde schon von klein auf von den Gespielen der Krabbelgruppe ausgelacht für seine zahlreichen Sprachfehler. Er rollte das "R" zu stark und beherrschte auch die Aussprache des "Ü" nicht. Außerdem hatte Hitler schon als Vierjähriger sehr fettige Haare und einen Schnurrbart.

Dies alles berücksichtigend sollte man sich nun aber schon fragen, ob die Mitglieder der NPD und ähnlicher Randgruppen überhaupt noch ernst zu nehmen sind. Es lässt sich angesichts der erdrückenden Beweislast stark bezweifeln, dass sie wirklich den irrsinnigen Idealen eines eineiigen "Mannes" hinterherlaufen. Vielmehr sind Braune in ihrer Haut unzufrieden und heucheln dem größten aller Verlierer Beileid um so Trost für ihren eigenen Seelenkummer zu finden. Bleibt ihnen nur zu wünschen, dass sie sich selbst gegenüber ehrlich genug sind, dies auch einzugestehen.

Montag, 17. November 2008

Über Grenzen in der Politik

Politiker dürfen ziemlich viel. Manches können sie auch ziemlich gut. Vor allem Parolen und Vergleiche gegenüber ihren Widersachern schwingen. So erinnert man sich gerne an Münteferings Vergleich der Chinesen mit Adam und Eva ("Wenn Adam und Eva keine Deutschen gewesen wären sondern Chinesen, hätten sie die Schlange gegessen und nicht den Apfel und vieles wäre uns erspart geblieben") und Sarkozy brachte es nach seiner Ankündigung, das "Gesindel" in den Vorstädten von Paris mit einem "Hochdruckreiniger" wegputzen zu wollen immerhin an Frankreichs Spitze. Während die Gleichstellung von Politikern mit denen der "Schmach von Versailles" eher nicht mehr so gefragt ist, gehört auch weiterhin die Suche nach Parallelen der Linken und der SED zum guten Ton. Ein schwieriges, dafür aber umso mehr Publicity erwirkendes Instrument ist der Vergleich mit Nationalsozialisten. Und vielleicht, liebe Frau Eva Hermann, war damals ja doch alles schlecht.

Sigmar Gabriel dagegen, der sich einst selber mit einem Eisbärbaby verglich, hat nun eine Grenze überschritten. Der Umweltminister wollte Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff in Verruch bringen. Für seine Parteizugehörigkeit hätte er Wulff mit Kohl vergleichen können, für seinen Geburtstag mit Lybiens Diktator al-Gaddafi und für seinen Namen mit dem bösem Wolf. Doch Gabriel entschied sich für etwas unkonventionelles. Zu Wulffs Äußerungen, das EU-Klimapaket wegen der Finanzkrise verschieben zu wollen, sagte Gabriel nun: "Das ist genau die Politik, mit der Bush in den USA gescheitert ist."

Wie Spiegel Online weiter berichtet, unterstrich Gabriel dann auch noch ausdrücklich die Unterschiede zwischen Wulff und Hoffnungsträger Obama: "Während der neue Präsident Obama daran geht, einen 'New Deal' für Arbeit und Umwelt zu schmieden, dreschen Wulff und Schmoldt die Parolen von gestern". Der poetry rock-Blog sagt zu Gabriels Unkenrufen: Pfui! Wirklich gelungene Vergleiche kennzeichnen sich dadurch, dass sie von manchen Menschen auch positiv verstanden werden könnten. Dann doch lieber ein gepflegter Nazi-Vergleich.

Donnerstag, 13. November 2008

Einen Spiegel für Glos bitte

Es ist ein besonders tragisches Märchen, welches sich da in diesen düsteren nasskalten Herbsttagen auftut. Dabei fing alles so friedlich an. Michael Glos kam auf die Welt, hatte eine schöne Kindheit und wurde dann kurz nach dem Fall der Mauer, der damit wahrscheinlich gar nichts zu tun hat, oberster Bär der CSU in Bayern. Irgendwann holte ihn sein Schwarm Merkel, mit der er immer ein harmonisches Bild abgab, dann an die Berliner Luft. Das deutsche Klima bekam dem Bayer jedoch nicht. Der neue Bundeswirtschaftsminister sah sich sofort in der Verteidigung und legte entgegen der Anraten seiner Berater ein schockierendes Geständnis ab: "Ich bin weder ein Problembär noch ein Streithansel".

Das hörten die tierverliebten Deutschen, die sich bekanntlich besonders für bayrische Problembären erwärmen können, natürlich gar nicht gerne. Glos verschwand daraufhin für drei Jahre im Untergrund und erinnerte sich erst diesen Sommer daran, dass im Zuge der anstehenden Wahlen Popularität von Bedeutung sein könnte. Doch Ex-Partnerin Merkel vergaß nicht so schnell. Über sein laut angedachtes milliardenschweres Konjukturprogramm hing in Angelas Augen gleich das Schwert des Damo-Glos. Die Grippe hingegen, die ihn ausgerechnet in Zeiten der Finanzkrise nicht an die Kameras treten ließ, traf auch die Nervenverbindungen in Glos' Kopf schwer. Jüngst legte er nun seine überzogenen Erwartungen -Unterstützung von Seiten der Merkel- offen. Sogar Tiefensee sei von ihr besser ihn Schutz genommen worden, soll Glos laut SPON gesagt haben.

Was Glos nun auf einmal gegen den Minister der SPD hat, ist zurzeit noch nicht sicher geklärt. Vermutet werden bloße Eifersüchteleien, wie sie nun einmal unter adoptierten Halbgeschwistern vorkämen, so ein auf eigenen Wunsch hin unerkannt bleibender Insider dem poetry rock-Blog. Doch der CSU'ler meint es dem Anschein nach wirklich ernst. Auf Merkels ausbleibende Rückendeckung angesprochen, berichtet Glos betroffen: "Da kann ich auch in den Spiegel schauen." Dieser optische Vergleich mit der manchmal scherzhaft "Kanzlerin" genannten Ostdeutschen bekundet von wirklich tiefem Kummer und einem nicht zu verdauenden Trauma Merkel. Wäre er mal doch lieber bayerischer Problembär geblieben.

Dienstag, 11. November 2008

Große Koalition mit großen Plänen

Der frenetische Jubelhall entgeisterter Krankenkassen und Millionen von Patienten über die Gesundheitsreform ist noch nicht verhallt, die gröbsten Eckpunkte der Erbschaftsreform sollen noch in diesem Jahrhundert durchgewunken werden - und nun kommen unsere Berliner Jecken mit einer schon vom Namen her wahrlich stimulierenden Maßnahme, der Verschrottungsprämie. Das auch liebevoll "Abwrackprämie" genannte Projekt soll die Altautos endgültig von unseren Straßen holen. In geheimen Kreisen spricht man bereits vom sich anbahnenden Endsieg der Polarretterin Merkel.

Doch allen Beteiligten ist bewusst: Es geht hier nicht nur um alte Autos und eisige Polargebiete. Es geht um eine völlig neue Basis des sozialen Miteinanders. So wie die Menschen noch schnell die Schrottplätze der Autohändler überlaufen und von Renditen jenseits der Reichskuppel träumen, so gewinnen auch insgesamt die alten Werte unserer Gesellschaft wieder an Hochschätzung. Das gütige Vorgehen der ehemaligen Republik im Osten, die humane Marschroute der 30'er und 4o'er Jahre. Die Ideale dieser Zeit sind es, denen wir nun noch einmal nostalgisch hinterherblicken dürfen - um sie dann ein für alle Mal auf den Schrottplatz des Gedankenguts zu werfen.

Montag, 10. November 2008

Aus dem Leben eines Schiedsrichters

Fußball kann so einfach sein. Wenn die Mannschaft gewinnt, sind die Spieler die Helden. Wenn sie verliert, ist der Schiedsrichter schuld. Was die Kritikbereitschaft am Mann mit der Pfeife angeht, da sind die Fans nicht selten erstaunlich unkompliziert.

Um den Schiedsrichter zu stärken und die Zuschauer zur Besonnenheit zu mahnen, hängen nahe des Spielfeldes immer öfter Hinweisschilder: „Wer den Schiedsrichter beschimpft oder beleidigt, muss mit der Verweisung vom Sportplatz rechnen.“ Eigentlich ein guter Einfall. Allerdings kommt es auch darauf an, wo der Hinweis platziert wird. So hatte der Platzwart in Selsingen eine eher extravagante Idee: Dort hängt das Schild in der Schiedsrichterkabine.

Bildquelle: Mit freundlicher Genehmigung von www.tetti.de

Sonntag, 9. November 2008

Arroganz

Einzig die stetige Betonung und Hervorhebung des eigenen Seins lässt uns die tatsächliche Nichtigkeit unserer sternschnuppenartigen Existenz ertragen.

Sieht auch Sarah Palin so und bringt sich zurück in Alaska sofort wieder für die Präsidentschaftswahl 2012 ins Spiel.
Wenn schon nicht Hillary...

Samstag, 8. November 2008

Australien hat seinen Knut

Nicht ganz so weiß, nicht ganz so knuffig und kuschelig, und Pelze werden sich von ihm später auch nicht herstellen lassen. Dennoch ist man in Sydney begeistert über den ersten Zwergflusspferd-Nachwuchs seit 23 Jahren. Der Name soll Programm sein. Das rundlich-klopsige Tier wurde Monifa gennant, nigerianisch für "Ich bin glücklich".



Knut und Flocke haben schon den unheilvollen Verdacht genährt, der spätestens jetzt der Gewissheit gewichen ist: Die Menschen können sich nicht mehr in Gleichgesinnte verlieben. Zu oft wurden sie enttäuscht. Finanzkrise, hessische Abweichler in der sonst so einigen SPD und Messias Obama entspringt doch nicht dem Himmel, sondern dem irdischen Hawaii. Vertrauensvolle Alternativen bilden wenige Wochen und Monate alte Tiere.

Sie können nicht sprechen, sich nicht wehren und auch sonst relativ wenig. Klein, dick, ständig futternd. Während die Generation vor uns noch mit Lassie aufwuchs, die Kinder aus brennenden Häusern rettete, entsprechen die neuen Helden eher der Generation Couchpotato. Viele hatten daraufhin schon auf eine Lösung für alle Popularitätsschwierigkeiten gehofft. Doch das Experiment "Kurt Beck" hat verdeutlicht, dass dieses Prinzip nicht auf die Politik zu übertragen ist. Es scheint sich nur noch um eine Frage der Zeit zu handeln bis nach W. Bush auch physisch das erste Tier Präsident wird.

Freitag, 7. November 2008

Ein Österreicher sieht braun

Nein, die Rede ist nicht (mehr) von Jörg "Jörgi" Haider. Vielmehr hetzt nun der bislang als seriös geltende Fernsehjournalist Klaus Emmerich über die Schnellspur nach rechts. Laut Spiegel Online habe Emmerich im ORF die Wahl Obamas eingestuft als "wie wenn der nächste Bundeskanzler ein Türke wäre in Österreich."

Des Weiteren sprach der Achtzigjährige, der damit vermutlich unter die Gnade der Senilität fallen wird, vom "Rückzug" des "weißen Mannes" und stellte fest: "Ich möchte mich nicht von einem Schwarzen in der westlichen Welt dirigieren lassen."
Nach Geheiminformationen stammt von Emmerich auch die Bild-Kampagne "Jede Wahrheit braucht einen Mutigen, der sie ausspricht". Nun versucht er endlich als Vorbild voranzugehen. Dumm nur, dass persönliche Wahrheiten nicht unbedingt auch die Wahrheit des Volkes wiederspiegeln. In die Reihe von Albert Einstein oder, aufgepasst, Martin Luther King wird er damit wahrscheinlich so bald nicht gestellt werden.

Suizid

Ist vielleicht nicht die Lösung aller Probleme, aber immer noch besser als in den Wahn von Putzwut oder Schuhshopping zu verfallen.

Nachtrag vom 08.11. : Scheint zumindest Ypsilanti so zu sehen und bleibt weiterhin an der Parteispitze.

Donnerstag, 6. November 2008

Ab heute bin ich Kriegsopfer

"Was für ein scheiß Tag!", brummele ich, als ich mich von Motte Richtung Supermarkt verabschiede. Er lacht lediglich blöd. Da ich seine Freude nur sehr begrenzt teilen kann wahrscheinlich weniger mit als vielmehr über mich. Und dabei fühlte ich mich wenige Stunden zuvor doch noch so erfüllt wie der Schinken im Cordon Bleu.

Gegen Mittag wurde mein neues Bett geliefert - in Stücken. Aufgeregt wie ein kleiner Schuljunge konnte ich die Information nicht lange für mich behalten und kurze Zeit später standen Motte und Penny vor meiner Tür. Rückwirkend betrachtet konnte es sich gefühlt nur um Minuten, tatsächlich jedoch um Stunden gehandelt haben bis wir uns aus der Zeitung vorgelesen, uns die neuesten witzigsten Internetvideos angesehen und - ach ja - nebenbei noch das Bett aufgebaut hatten.

Nicht wirklich erschöpft, aber dafür umso glücklicher durften sich meine beiden Süßen nun auf das Bett werfen und sich, nicht völlig unbegleitet von wohligem Schmatzen, zufrieden entspannen. Irgendwann kam dann auch mein gelber Igel-Massageball ins Spiel und nachdem ich Penny ein zugegeben etwas unglücklich formuliertes Kompliment gemacht hatte ("Deine Cellulite hatte auch schon mal mehr Mond."), flog mir der farbige Igel mitten auf die Nase. Vor Schmerz krümmte ich mich einige Sekunden im Bett um mich dann daran zu erinnern, dass es, zumindest sofern man kein Vampir ist, erotischeres gibt als Blut auf seiner Matratze zu verteilen.

Mit Blut an den Händen bekam ich Appetit. Motte und Penny machten sich auf den Heimweg und ich mich an gefüllte Paprika. Alles soweit fertig vorbereitet, brauchte nur noch meine passierten Tomaten. Wofür hab ich meinen Vorrat an Dosen! Und wofür habe ich mir, weil der alte kaputt war, gestern extra einen neuen Hebeldosenöffner gekauft! Hatte so einen zwar noch nie vorher gesehen, aber "irgendwie werde ich das schon hinkommen", dachte ich. Bekam ich aber nicht.

Nach Hauen und Stechen und nettem Zureden wand ich mich irgendwann verzweifelt- Instant Messenger sei Dank- an zahlreiche Freunde, entfernte Bekannte und ehemalig Verwandte. Ich bekam Fragezeichen und lachende Smileys zurück, Aufforderungen zum Kauf eines "vernünftigen" Dosenöffners, Berichte über Festival-Abenteuer mit Ravioli. Sicherlich nett gemeint, aber nichts, was meinem grummelnden Magen und mir in diesem Moment weitergeholfen hätte.

Als ich die Schnauze voll hatte, rief ich Motte an. "Tach. Lang nichts mehr von dir gehört. Hast du's schon mal mit ner Nasenspülung von Ratiopharm versucht? Soll effektiver sein als Blut." Sehr witzig. Nachdem ich ihn von der Ernsthaftigkeit meiner Lage überzeugt und ich seine Instruktionen am Telefon nicht verstand, fuhr ich zu ihm. Dort fand mein harter Kampf endlich sein wohlverdientes Ende. Motte sprach jedoch von einer "offensichtlich kriegsverstümmelten" Dose und nachdem ich mir auch noch den halben Büchseninhalt über die Jacke geschüttet hatte, hatte ich ein Einsehen und die Tomaten landeten im Müll."Was für ein scheiß Tag!", brummele ich, als ich mich von Motte Richtung Supermarkt verabschiede.

Ich muss einen merkwürdigen Eindruck auf die Menschheit machen. Verstört starren mir die Leute auf die blutverkrusteten Hände und die triefenden Soßen-Schmierereien auf meiner Bauchhöhe. Wen kümmert schon die Meinung der anderen, solange sich kein ALDI-Markt dieser Welt Sicherheitsleute vor die Tür stellt. Ihr könnt mich alle mal. Ich hole mir nur meine redlich verdienten passierten Tomaten, im Tetra-Pack, ganz ohne Dose.

Darf ich mich vorstellen?

Schon mal darüber nachgedacht, dass Dir der die oben stehende Frage Stellende nie genug Zeit lässt, über eine Antwort nachzudenken?

So ist es auch hier. Ich werde nun einfach los, dass meine unsichtbaren Freunde mich Simon nennen. Bei meinen sichtbaren achte ich nicht darauf; da merk ich ja, wenn die mich angucken und sofort bin ich für sie da. Ich komme vom Dorf und gebe gerne vor, Stadtkind zu sein. Damit man mir das abkauft, berichte ich des Öfteren von imaginären Gesprächen, die ich in der U-Bahn zufällig belauscht zu haben vorgebe. Heute zum Beispiel saßen da zwei Männer Mitte Dreißig, von denen der eine irgendwann bedächtig die BILD-Zeitung sinken ließ und seinen Gedanken einen unbekümmerten freien Lauf ließ:

"Du, ich weiß ja nicht, das mit dem Obama. Das hört sich ja vielleicht ganz schön an, was der sagt, aber sind die Amis denn blind? Ich meine, ich hab ja nichts gegen Schwarze oder so, aber der ist ja wirklich schwarz. Ich meine, der wird ja jetzt über ALLE Amerikaner regieren. Was ist denn das für ein System da drüben?"

Stille. Dann, um seiner Aussage endgültig den angemessenen Nachdruck zu verleihen, fährt er fort:

"Hier bei uns gibt es für behinderte Sportler doch auch extra die Paralympics."

Mittwoch, 5. November 2008

Obama ist Präsident und ich Blogger

... was einem bedeutender erscheint, muss jeder für sich selbst wissen.

Auf jeden Fall heißt es ab heute und hoffentlich für viele viele schöne Jahre: Hallo und herzlich Willkommen in meiner neuen kleinen (Blogger-) Welt.

Diesen amerikanischen Feiertag "Day of Change" nutze ich nun für den sofortigen Wandel meines eigenen Lebens, für den Martin Luther Kings Zögling wohl noch eine Weile brauchen könnte.

Neben diesem Blog habe ich mir heute auch zum ersten Mal das Faktenmagazin Titanic zugelegt. Ich suchte nach Schäubles Überwachungskameras oder zumindest nach Kakerlaken zwecks Erpressung des Zeitschriftenhändlers, fand dann jedoch in der dritten Reihe hinter Emma und Briggitte ein mein Interesse weckendes Foto unserer Kanzlerin. Entweder sind die Redakteure der Titanic ihren Journalisten-Kollegen in der Informationsbeschaffung weit voraus oder die Sexualisierung unserer Gesellschaft ist doch noch nicht so weit fortgeschritten wie vermutet. Denn das Cover mit dem Titel "Neues Rettungspaket. Merkel bürgt für guten Sex" lässt tief blicken.

Ich sehe schon die nachpubertierenden Jugendlichen und seelisch verkommenen Bierettikettenknibbler mit wild fuchtelnden Händen auf unsere Rathäuser zustürmen, wo es die versprochenen Entschädigungen (in Form von Geld will ich hoffen!) abzuholen gilt. Ich erkenne: Wir gehen unter und bankrott. Doch ich bin voll auf Ackermann Seite: Ich würde mich schämen, Steinbrücks realitätsferne Konsolidierungspläne auch noch dem Sarkasmus freizugeben. Da verzichte ich lieber für eine Weile auf schlechten Sex.