Außerdem fehlt noch ein Großteil des Sandstrandes, der aus Dubei eingeflogen werden muss, was ja eigentlich nicht so schwer sein kann. Auch der Pool ist momentan noch in der Umbauphase, sodass wir zurzeit nur den Indoor-Whirlpool nutzen können. Der geneigte Leser merkt sicherlich schon: Filipinos sind ziemlich langsame und faule Arbeitskräfte. Doch trotz dieser zahlreichen Rückschläge lassen wir uns nicht entmutigen und geben dem Land noch einmal eine Chance. Wir sind schließlich keine Unmenschen.
Mittwoch, 30. September 2009
Ein bisschen ätzend ist es schon
Außerdem fehlt noch ein Großteil des Sandstrandes, der aus Dubei eingeflogen werden muss, was ja eigentlich nicht so schwer sein kann. Auch der Pool ist momentan noch in der Umbauphase, sodass wir zurzeit nur den Indoor-Whirlpool nutzen können. Der geneigte Leser merkt sicherlich schon: Filipinos sind ziemlich langsame und faule Arbeitskräfte. Doch trotz dieser zahlreichen Rückschläge lassen wir uns nicht entmutigen und geben dem Land noch einmal eine Chance. Wir sind schließlich keine Unmenschen.
Sonntag, 27. September 2009
Musikalischer Wahnsinn
Aber an dem Musikgeschmack könnte man schon noch feilen. Zunächst einmal liebt man hier den Pop, der auch bei uns die Charts rauf- und runterläuft. Dazu kommt noch eine ausgeprägte Leidenschaft für Hip Hop. Ganz neu war so die Erfahrung für mich, sich im Supermarkt wie in der Deutschen Black Area zu fühlen. Allerdings noch viel irritierender, eine stets aufs Neue ganz ganz merkwürdige Erfahrung ist es, wenn ich plötzlich bei Sonnenschein, fünfunddreißig Grad und Kokospalmen in Sicht-und Greifweite Weihnachtslieder vernehme.
Denn die Filipinos lieben Weihnachtssongs, insbesondere alle tausend Remixe von Jingle Bells. Fand ich bisher auch gar nicht mal so schrecklich, zumindest moralisch irgendwie, naja, immerhin nicht verwerflich. Aber gestern während einer schönen Samstagnacht, in der Disko, am 26. September. Das war wahrlich kein Moment, in dem ich erwartete, gleich zu "Last Christmas"(selbstverständlich wieder in ungewohnt grässlicher Remix-Fassung) zu tanzen. Und ich war wohl nicht einmal allein mit meinem Gedanken, direkt danach war Feierabend und der DJ entließ uns in unsere wohlverdienten Weihnachtsträume.
Samstag, 26. September 2009
Zu viel Anpassung
Ein Beispiel: Man stelle sich vor, es ist Mitternacht, ich sitze in meinem Zimmer, der Ventilator bläst mir ins Gesicht und: Ich schwitze. Diese Situation hatte ich letzte Woche. Momentan ist es dagegen ziemlich kalt hier (für philippinische Verhältnisse). Außerdem weht der Wind ununterbrochen, so langsam beginnt die Regenzeit. Kurzum: Es lässt sich grad ganz gut aushalten. Doch eine Sache ist da noch, die mir temperaturell ein wenig zu schaffen macht.
Dafür muss ich kurz die Duschen hier erklären. Die haben nur einen Knopf. Den An-Knopf. Temperatur lässt sich nicht variieren. Und ich weiß noch genau, wie ich nach meiner ersten Nacht das kühlende Nass aus dem Hahn abgefeiert hatte. Am liebsten hätte ich den ganzen langen lieben Tag darunter verbracht. Das hat sich geändert. Ein Scheiß auf die Akklimatisierung. Mich jeden Morgen unter eine Dusche zu quälen, die minutiös jede noch so kleine Pore mit ihrem Eisstrahl attackiert, so habe ich mir die Philippinen aber nicht vorgestellt.
Mittwoch, 23. September 2009
Kleine Ethikkunde
Aus nahe liegenden Gründen ist das Zeichen mittlerweile jedoch nicht mehr ganz so im Trend. Besonders in Deutschland wird die Swastika wie ein aussätziges Kind behandelt und jeglicher Kontakt so gut wie möglich abgeblockt. Das ging 2006 sogar so weit, dass ein Online-Shop aufgrund des Vertriebs von Artikeln mit durchgestrichenen oder zerschlagenen Hakenkreuzen verurteilt wurde. Der Bundesgerichtshof hob das Urteil in letzter Instanz jedoch wieder auf. Die Richter gingen davon aus, dass rechtsextreme Organisationen die entsprechenden Darstellungen wohl eher doch nicht für ihre Zwecke missbrauchen würden.

Was der Bundesgerichtshof jedoch von folgendem Ausstellungsstück in einem großen Kleidungsshop in Tacloban City, mein Heimatort für dieses Jahr, halten würde, darüber lässt sich nur spekulieren.
Die Verkäuferin erklärte auf Nachfrage, dass das abgebildete Symbol zurzeit besonders bei der jungen Generation in Mode komme. Ich verschwieg für dieses eine Mal meinen Kommentar dazu und fragte mich eher, was der neue Kult der Generation denn wert sei. Immerhin: 199 PHP kostet der Spaß, keine drei Euro. Sicherlich günstig genug für eine große Gewinnspanne, wenn ich das Shirt in Deutschland im großen Stil an die Thor Steinar-Träger für flockige 20 Euro das Stück verkaufe. Aber dann kam ich doch ins Zögern: Ob ich dieses Geld wirklich wolle?So weiß ich ab heute immerhin, dass ich für finanzielle Mittel doch nicht alles tun würde. Da bleib ich lieber erst einmal bescheidener Freiwilliger mit reinem Gewissen, der für einen seiner wenigen Euros nur 3 Bier oder 100 Zigaretten bekommt.
Montag, 21. September 2009
Kritik der reinen Vernunft
Okay, ich bin nicht Kant, ich bin nicht mal Philosoph, obwohl: ist nicht jeder sich Gedanken um die Welt Machende ein eben solcher? Juhu, jetzt bin ich einer.
Mit meinem Titel wollte ich lediglich kritisches Interesse wecken an einem Thema, dem viel zu oft bloß kalte Ignoranz entgegengeschlagen wird. Und wenn doch mal jemand heuchlerische Neugier äußert, dann nur, um es schief anzugucken und die Augenrollkraft auszureizen. Die Mehrheit hat es vielleicht schon erkannt, es geht um diese klitzeklitzekleinen süßen Dinger, die manchmal auch mal größer werden: Hämorrhoiden. Hämorrhoiden, viel zu oft nur entschieden gemieden kann ich verstehen, dass wenn sie mal da sind, ihnen nur Folter am Menschen in den Sinn kommt.
Kaum ist das Wort „Hämorrhoiden“ ausgesprochen, müssen Menschen weinen. Oder lachen. Mein Gott, die Hämorrhoiden können doch auch nichts für ihren Namen. Der kommt aus dem Griechischen „haíma“ gleich „Blut“ und „rhéin“ gleich „fließen“. Einige denken jetzt vielleicht sorgenvoll an ihren weißen Kashmir-Teppich, aber Blut und fließen, worin steckt denn mehr Poetik? In meinen Ohren ist das Exotik, pure Erotik. Wenn das Blut durch meine Adern fließt, mein Körper sich aufprustet vor Wollust und ich nur noch leben möchte. Leben voller Leidenschaft und Lust.
Laut Lexikon sind Hämorrhoiden „arteriovenöse Gefäßpolster, die ringförmig unter der Enddarmschleimhaut angelegt sind und dem Feinverschluss des Afters dienen.“ Das wirkt doch richtig sympathisch! „Dienen“, wer hätte nicht gerne einen Diener. „Feinverschluss“ klingt richtig fein und reimt sich außerdem auf Kuss. „Enddarmschleimhaut“… okay, dazu fällt mir gerade auch nichts ein, aber „ringförmig“ – ich sehe Olympia, das größte Logo aller Zeiten und Höhepunkte und Exzesse. Und „Gefäßpolster“ – Polster, diese sanften weichen warmen Wesen, wahrhaft erlesen. Airbags sind Polster und retten unser Leben! Zugegeben, die zuweilen Beschwerden verursachende vergrößerte Hämorrhoide, die wir in der Regel meinen, tut das nicht. Aber wer wird denn gleich penibel werden.
Ich persönlich sehe Hämorrhoiden in einem ganz anderen Licht, in einem ganz anderen Schein. Hämorrhoiden, und das sage ich bewusst nur dieses eine Mal, bereichern unser Leben. Feuchtgebiete, ein Roman unserer Zeit, wäre nie ohne sie geschrieben worden. So detaillierte und zärtliche Aufmerksamkeit wird ihnen sonst selten geschenkt. Aber eigentlich haben wir eh nichts anderes verdient. Die Deutschen, diese heulenden Jammerlappen, diese „Oh-wir-haben-von-allem-viel-zu-wenig-nur-mein-Mann-der-ist-zu-dick, das-Auto-ist-zu-langsam-und-oh-meine-Haare-sitzen-ja-heute-überhaupt-nicht-ÜBERHAUPT-NICHT!“ Da kommen uns Hämorrhoiden gerade recht.
Hämorrhoiden verschaffen uns mehr Durchblick. Okay, lieber nicht wörtlich nehmen. Ich meine Durchblick über unser verdientes Leiden. Ich plädiere für einen offenen Umgang mit unserem Körper. Kult, das sollte er doch sein, mit allen, ich wiederhole: ALLEN seinen Innereien. Und die, die es am meisten davor grault, die essen Schweineinnereien. Ja ne, is klar.
Erwachet! Nein, ich bin kein Zeuge, ich habe Beweise, dass Offenheit uns allen weiterhilft. Bitte auch nicht unbedingt wörtlich nehmen. Aber wir sollten Schluss machen mit dem Tabu. Wussten Sie schon, dass über 50 rund jeder Zweite unter Hämorrhoiden leidet? Und ab jetzt gehen Sie hoffentlich mit anderen Augen durch die Fußgängerzone.
Sonntag, 20. September 2009
Berichterstattung 1.0
Aber Langeweile kommt dann sicherlich doch nicht auf. Schließlich gibt es hier genug bettelnde Menschen, mit denen man in Kontakt treten kann. In den Städten betteln sie mehr um Geld, hier in der (idyllischen) Kleinstadt viel mehr um bloße Aufmerksamkeit. Als Weißer wird dir- besonders von Kindern und Jugendlichen- ständig gewunken und hinterher gerufen.
Zunächst einmal sind wir alle Amerikaner und heißen "Joe". Aber die erste Frage, selbst wenn wir nur unschuldig durch die Straßen wandern, ist die nach unserem wirklichen Namen. Besonders beliebt bei den Jungs- die Mädchen sind meist nur am kichern- ist das Mutproben-Spiel: "Wer traut sich am nähesten an den Weißen vorbeizugehen oder wer fässt sie sogar an?" Hin und wieder wird auch ein Kind geschubst, so dass es gegen uns stößt.
Gestern durften wir das Interesse der Bevölkerung an uns weißen Langnasen zu dritt auf einer "Students Party" auf dem Marktplatz "genießen". Dreißig um die fünf bis fünfzehn Jahre alten Kinder wichen uns keinen Schritt mehr von der Seite. Als wir dann deren Lehrerinnen kennen lernen "durften", hat eine von ihnen jeweils dem Lasse und mir ihre Tochter angeboten. Die Handynummer des angeblich wie wir beide auch 19-jährigen Mädchens und die Versicherung "See you soon" haben wir schon mal von ihr, der Tochter selbst haben wir lediglich die Hand geschüttelt.
Mittwoch, 16. September 2009
McParadise
Doch das Paradies ist hier stets verfügbar. Auf den Philippinen kann den Drängen jederzeit nachgegeben werden. So lasse ich mich jetzt einfach mal gehen, rufe an (optional: kurzer Website-Besuch) und ab dann darf ich ganz entspannt genießen: Den Moment, wenn es an der Tür klingelt und McDelivery den Big Mac direkt zu mir nach Hause liefert!
Montag, 14. September 2009
Meer-Gefahren
Denn gestern floss das erste Mal Blut bei mir. Auf einem winzigen Inselchen, Pearl Island, waren wir schnorcheln, wunderbare Sache. Meinem Fuß hätte ich die Bekanntschaft zu einer der Korallen aber dennoch gerne erspart gehabt. Eigentlich sind es nur harmlose Schürfwunden, aber Wundheilung ist laut Aussage unserer Mentorin eine "Katastrophe auf den Philippinen" und tatsächlich findet man auch bei Kindern hier fast nur völlig vereiterte Verletzungen.
Sonntag, 13. September 2009
Jubiläum zum Morgen
Wir weltwärts-Freiwilligen sind mittlerweile längst in der dritten Unterkunft angekommen, in der wir rund eineinhalb Wochen bleiben bis es uns letztlich in unsere Organisationen ziehen wird. Hier ist es aufgrund der Wassernähe und des verfügbaren W-Lans sicherlich am schönsten, auch wenn es sich in Wahrheit nicht um den Pazifik handelt, sondern um den Leyte-Golf und der Wasserblick nur bis zur nächsten Insel in rund 250 Metern reicht. Aber aushalten lässt es sich hier.
Dieser Post ist mein bisher positivster aus den Philippinen. Das hat einen ganz banalen Grund: Ich gratuliere mir hiermit mal selbst ganz herzlich zum 100. Post und wünsche auch meinen Lesern weiterhin viel Spaß und Freude am Leben. Wir hören uns.
Mittwoch, 9. September 2009
Erste Ernuechterung
Und auf diese erste Ernuechterung folgt auch sogleich die zweite: Es mangelt ja, das Land ist arm. Demzufolge verzichtet man hier auch auf das "Eszett" und sowieso auch auf Umlaute. Ich sagte ja bereits: Voellig verrueckt diese Welt.
Donnerstag, 3. September 2009
Ehrenhafter Wettstreit
- zur Wahlzeit in Manila mit einem Schild "Hey, Hostage Me" herumlaufen
- sich todesmutig und bewusst von einer Mücke stechen lassen
- Balut essen (*)
- sich Dinge im Wert von mindestens 200 € stehlen lassen (Mitleidspunkte)
- bei einem Hahnenkampf auf das richtige Tier setzen
- Cops bestechen
- Kohltour mit mindestens 17 Filipinos veranstalten
- Koboldmaki mindestens fünf Meter weit schleudern (**)
- Filipina heiraten (100 Punkte!)
Wir freuen uns auf ein spannendes Jahr.
* Balut gilt als ein sehr beliebter Zwischensnack. Im Grunde ist es ein einfaches Enten- oder Hühnerei, gekocht zwar, jedoch angebrütet.
