Freitag, 26. März 2010

No Risk, No Fun - Spannender Suizidversuch

"Gesetze sind dafür da, gebrochen zu werden", hat vermutlich auch schon der gute alte Huckleberry Finn gedacht. Um eben diesen Geist der Jugend wieder aufleben zu lassen, wurde ich aktiv. Meine ehemalige (bis Ende Januar) Arbeitskollegin Julie Ann lud mich nach Samar zum Island Hopping ein. Was daran verboten ist? Nun, Julie Ann arbeitet mittlerweile für die An-Waray Party-List (polititische Partei) und das Ganze verkam zur Straßenkampagne im Hinblick auf die Nationalwahlen am 10. Mai 2010.

Wir Freiwilligen sind angewiesen, uns vollkommen aus der Politik herauszuhalten. Allgegenwärtige Gefahr geht vor allem von der NPA aus, einer kommunistischen Gruppierung von geschätzt 10.000 Mitgliedern, die von den USA als Terrororganisation bezeichnet wurde.  Ausgerechnet in der ländlichen Region 8 (Leyte und Samar; dort, wo ich lebe)  wurden in den letzten Jahren mehrere Massengräber entdeckt, man hört auch aktuell immer wieder von neuen (politischen) Morden und in Wikipedia liest sich:

"Die NPA operiert hauptsächlich in ländlichen Gebieten, wo sie Erpressungen, Entführungen, Massaker und Ermordungen von Politikern zu verantworten hat (...)"

Leider stammt der Großteil meines Freundeskreises aus An-Waray und schon mehrmals war ich auf von ihnen organisierten Veranstaltungen. Anfang nächsten Monats findet auch ein großer zwölftägiger Skimboarding-Contest im Nachbardorf statt, der von An-Waray organisiert wird und der sicherlich mindestens einen Besuch wert ist. Der Höhepunkt war aber nun das Island Hopping. Kaum vor Ort, wurde ich von einer Freundin auch direkt eingewiesen:

Sie: "Seid vorsichtig. Wir treffen hier auch häufiger auf die NPA. Die wollen dann immer irgendetwas, in der Regel Geld. Erst vor kurzem waren ein paar von denen hier vor unserem Büro."
Ich: "Und wie viel Geld gebt ihr denen dann?"
Sie. "Das hängt davon ab. An dem Tag haben wir in unsere Bücher geschaut und festgestellt, dass unser Budget für den Tag bereits verplant war. Deshalb haben wir sie wieder weg geschickt."
Ich: "..."

Alles klar. Das stelle ich mir schon lustig vor. Die NPA vor der Tür:
Terrorist (kopfkratzend und verlegen auf den Boden blickend): "Hallo? Wir hätten gerne ein bisschen Geld. Oder auch direkt ein neues Maschinengewehr. Zufällig etwas da gerade?"
Parteivertreter: "Oh, das tut mir so leid. Für heute haben wir leider schon alles ausgegeben. Wollt ihr vielleicht noch einen Tee? Aber kommt doch einfach morgen wieder."
Terroristen ziehen ab.

Aber so lustig ist es sicherlich nicht immer. Im An-Waray T-Shirt lief ich durch die Straßen von drei kleinen unterschiedlichen Inseln und verteilte voller Engagement Flyer. Ist ja schließlich eine Erfahrung. Aber ein ganz komisches Gefühl bekam ich dann doch, als mir einmal plötzlich einige Mitarbeiter zu verstehen gaben, dass ich durch diese eine bestimmte Straße als Weißer nicht gehen dürfe. Geschluckt und zurück gegangen.

Ansonsten war es witzig und ziemlich angenehm. Auch wenn ich anderthalb Tage so weit von der Zivilisation abgeschnitten war (bis zu drei Bootstunden zum Festland), dass ich kein Handynetz hatte (PANIK!). Aber die Arbeit hielt sich in Grenzen. Kurz Flyer verteilt und dann ging es schon immer zum Barangay Captain beziehungsweise Bürgermeister. Die haben selbst auf diesen Inseln Anwesen, von denen man in Deutschland auch gerne träumt. Dort wurde gegessen und geplaudert. Den richtigen Wahlkampf für An-Waray sollen dann die Bürgermeister übernehmen, denen im Gegenzug Gelder für (Prestige-)Objekte versprochen wurde.

Das ist das Gute an den Philippinen: Die Korruption findet nicht unter der Hand statt. Das darf ruhig jeder sehen.

Fotos habe ich noch von der letzten Bootstour, der zurück ans Festland. Dort habe ich mit der Bootscrew hinten Tanduay Rum mit Wasser zum nachspülen trinken dürfen und direkt auf den Gasflammen gerösteten Octopus und Fisch gegessen. Besonders der- selbstverständlich fangfrische- Fisch schmeckte hervorragend.


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