Dienstag, 23. Februar 2010

Gecko vs. Mensch

Ich bin ein großer Freund von Tierbeobachtungen. Und davon, das Verhalten der Tiere auf das von Menschen zu projizieren. Ich glaube durchaus, da können wir manchmal sogar noch was von lernen. Manchmal bin ich mir da aber auch nicht ganz so sicher.

Wie ich gerade darauf komme? Nun, gestern Abend fand ich mal wieder ein wenig Zeit zur Tierbeobachtung. Es war bereits dunkel und außen an unserem Haus brannte Licht. Dementsprechend flogen auch dicke Brummer herum, die wiederum drei Geckos angelockt hatten. Ein Vergleich zum männlichen Brunftkampf liegt nahe. Schließlich wollen auch wir die heißen Brummer lieber jetzt als gleich vernaschen. Das stellte sich für die Geckos aber als nicht ganz so einfach heraus, wild tänzelte ihre bevorzugte Beute um das Licht und schien mehr miteinander als mit ihren kleinen Kavalieren beschäftigt zu sein.

Die Geckos starteten einige Annäherungsversuche, letztlich mussten sie aber einsehen, dass ihre Beute doch eine Nummer zu groß für sie war. Zwei von drei Geckos fanden dann jedoch recht bald eine- wenn auch kleinere- Alternative und schienen zufrieden mit ihrem Mahl zu sein. 66 % der Männer hatten also Erfolg- zwar nicht direkt bei Number One- aber damit konnten sie leben. Eine Quote, die durchaus realistisch zu sein scheint. Wohingegen ein Drittel sozusagen ungefickt blieb. So weit, so gut.

Nun ist diese Geschichte aber noch nicht ganz zu Ende, es gibt ein Nachspiel. Der verbliebene „ungefickte“ Gecko schien das Ganze nicht so auf sich beruhen lassen zu wollen und wurde langsam nervös. Nun krabbelte er nacheinander hinter seine Gefährten und biss beiden in ihren Schwanz. 
Nanu?, dachte ich mir, nur weil einer ungefickt bleibt, soll er mir nicht gleich in den Schwanz beißen. Sahen auch die anderen beiden Geckos sah und positionierten sich ein wenig weiter abseits. Aber was heißt dieses Verhalten denn jetzt wiederum für den Menschen? Ich habe zwei Theorien aufgestellt:

Die Erste: Männer, die keine Beute abbekommen, beißen bevorzugt in Schwänze. Das ist nun aber eine ziemlich schwulenfeindliche Theorie und sie deckt sich tatsächlichlicherweise auch nicht mit meinen weiteren Beobachtungen.

Die zweite Theorie ist Folgende: Das in-den-Schwanz-beißen gehört immer noch zum Brunftkampf, es verleiht dem Beißenden Männlichkeit und macht ihn aggressiver, siegeshungriger. Denn was musste ich dann mitansehen? Da schaffte es der dritte Gecko tatsächlich kurz danach, einen der dicken Brummer zu erwischen, der so dick war, dass der Gecko Mühe hatte und einige Zeit brauchte, bis der das Flügeltier "vernaschen" konnte.

Fazit: Der ungefickte Gecko beißt seinen Kollegen in den Schwanz und kriegt danach den größten von allen Brummern ab. Was lernen wir daraus? Auf den Menschen bezogen? Nun, ich erwähnte es ja bereits eingangs: Manchmal bin ich nicht ganz so sicher, ob wir wirklich aus der Tierwelt lernen sollten.

Sonntag, 21. Februar 2010

Wie schon ein altes Sprichwort sprach

An einem frühen Montagmorgen
Oals alle noch verschloafen loagen
Da kroch vom Stamme her ein Wurme  
In Richtung Morgensonne auf.

Zugleich auf einem Aste dieser Buche
Lag eine Amsel namens Meise auf der Suche
Auf dass sie etwas fänden möge
Was ihrem Magen zugute köme.

Doch viel zu früh, noch keiner wach
Da schlief die Meise wieder sacht
Der Wurme war nun ganz allein
Verspaß der Meise ihr Gebein.

Die arme Amsel spürte was
Wurd wach und dachte: Was ist das?
Der kleine Spaßgeselle lachte:
Was für eine Frooge.
Der frühe Wurme fängt den Vogel.

Freitag, 19. Februar 2010

Exakt drei Bilder


Reis- und Kokosnusstrocknung direkt nebeneinander. Aus den alten getrockneten Kokosnüssen wird Kopra gewonnen, aus dem wiederum Kokosöl hergestellt wird, das als bedeutendes Exportgut einen sicherlich nicht unerheblichen Teil zur Wirtschaftsleistung der Philippinen beiträgt.

P.S.: Ach, warum sich in die Zwänge einer selbst erstellten Überschrift begeben. Freitag Mittag bis Samstag Mittag ist in meinem Dorf Palo großer Markt. Und der beginnt direkt vor unserem Büro. Da gibt's heute mal ausnahmsweise mehr als nur drei Bilder.

Mittwoch, 17. Februar 2010

Ähm, ja richtig, der bin ich

Beeindruckend, die Nachbarn wissen nun wohl, welcher Nation unsere 3'er-Volontär-WG angehört. Soeben wurde mir zum ersten Mal lauthals hinterher gerufen: "Hi Hitler, hi Hitler, hi Hitler..."

Ich sollte denen wohl noch einmal erklären, dass ich Deutscher bin. Und kein Österreicher. Nein, im Ernst, ich hoffe, dass das jetzt nicht noch sechs Monate so weiter geht. Nicht, dass mir das noch zu Kopf steigt.

Nur mal so

Dienstag, 16. Februar 2010

Apokalyptisches Nachtfragment

Ich blicke in die schwarze Nacht. Und wie ich so blicke erkenne ich, dass die Nacht so schwarz gar nicht ist. Sondern dass ein Meer von tausenden Sternen eine gefüllte Arena über mir bildet. Und im Auge dieses stillen Taifuns schwebt schwerelos der volle leuchtende Mond. Viel graziler als die Sonne verbreitet er sein Licht und nur langsam schiebt sich eine schwere Wolke vor diesen kleinen Freund der Erde.

Nein, ich will das nicht. Ich möchte nichts wissen zwischen mir und dem Mond, den ich über all die Jahre schweigend verehrt habe, dem ich so viele Verse gewidmet und dem ich all meine nächtlichen Freuden verdanke. Rein soll er bleiben, sein Licht ungetrübt, sonst schaffe ich es nicht, gedanklich mit ihm zu verschmelzen. Aber wo die Wolke von hinten unaufhaltsman weiter schiebt, wo alle Hoffnung vergebens scheint, da weine ich eine Träne. Stumm rollt sie über die Wange, bahnt sich kaum spürbar seinen Weg über Haut und Härchen, die sie dürftig befeuchtet. Sie nimmt die Wärme meines Gesichts auf, mir wird kalt und ich zittere, aber schließlich, ganz am Ende auf Höhe des Kiefers angekommen, da hält die Träne kurz inne und wirft sich in die Tiefe. Lautlos fällt sie in den feinen weißen Sand zu meinen Füßen.

Der Mond ist schon fast hinter der Wolke verschwunden. Da bemerke ich, wie mich auch von unten etwas anstrahlt, was ich zunächst für eine Illusion halte. Doch tatsächlich, die Träne ist noch ganz und reflektiert müde die letzten Strahlen des Mondes. Ich möchte die Zeichen verstehen. Vorsichtig nehme ich den Sand in beide Hände und richte mich auf. Der Mond reagiert, er flackert kurz. Da reiße ich die Hände so hoch wie ich kann, ich springe und im letzten Moment, Sekunden bevor der Mond von der Wolke komplett verdeckt zu werden droht, wird die Träne von einem letzten Strahlenbündel getroffen, das, vom Salzwasser gebrochen, alle anderen Sterne im Kreis beleuchtet und sie in glühende Feuerbälle verwandelt.

Die Arena wird zu einem kreischenden Pulk, für einen kurzen Augenblick verwandelt sich Nacht in Tag, dann bündeln die gleißenden Sterne am Himmel ihre Energie einzig auf die kleine feuchte Träne in meinen Händen. Die geblendeten Augen muss ich schließen, ich fühle nur noch das Zittern der Luft über mir, das Beben der Erde unter mir, das wilde Kreisen der Atome in mir. Und plötzlich hebe ich ab, spüre die Schwerelosigkeit, spüre, wie ich die Kontrolle über das Sein völlig verliere.

Erst als ich mich sanft gebettet weiß, öffne ich die Augen wieder. Ich liege auf Federn, auf weißer Watte, auf der Wolke. Der Wolke, die mich so ängstlich und melancholisch stimmte, der Wolke, die mir nun den direkten Blick auf den Mond ermöglicht. Sie bewegt sich nicht weg, sie nähert sich dem hellen Schein, sodass es so wirkt, als könnte ich, wenn ich mich ganz doll strecke, ja, noch ein bisschen, als könnte ich dann tatächlich den Mond berühren.

Kein fahler kahler Felsen, kein kaltes altes Metall, kein Käsekuchen. Der Mond fühlt sich an wie silberner Wackelpudding. Er wabert warm, als ich ihn anfasse und schluckt meine Hand. Er lacht mir ins Herz, erfüllt mich mit Frohmut und ich fühle mich bereit. Während die Wolke langsam weiter wandert, während ich die Träne weiter mit mir trage, während Mond und Träne gleichermaßen weiterleuchten, währendessen gebe ich mich völlig hin, beende ich mein Sein und tausche es Stück für Stück gegen die Glückseligkeit ein. Erst die Arme, der Kopf, der Hals, die Brust, Bauch, Becken, Beine, so nimmt der Mond mich auf bis zuletzt der große Zeh das irdische Nichts verlässt.

P.S.: Da fand ich mich in der Hängematte wieder und kiffte weiter.

Freitag, 12. Februar 2010

Turnier und Temperatur

"Scheiße", so wollte ich dieses Post eigentlich beginnen, "da sind wir einfach so nach Cebu gefahren und haben dieses befickte Turnier gewonnen." Gott sei Dank bleibt euch diese Ausdrucksweise jetzt erspart, im Viertelfinale war Endstation.

Und dieses Erreichen der Runde der letzten Acht von 44 Mannschaften auf dem größten jährlichen Fußballturnier in Cebu City wurde von den Filipinos um mich herum als Riesenerfolg gefeiert. Von daher alles im Lot. Und Spaß gemacht hat es sowieso. Nicht zuletzt auch wegen der Rückenaufschriften auf so manchen Trikots.

Denn eine solche Aufschrift betitelte einen Spieler als "Crazy Horse", während ein anderer aus einer Ü40-Mannschaft wohl der Vater von Sido und Bushido ist. "SHIDO", stand da unbekümmert auf seinem Rücken. Schön war auch, dass zahlreiche Torhüter so selbstkritisch ehrlich waren und sich als Rückennummer gleich die Null ("0") gaben.

Was sonst noch war? Ach ja, meine lieben Filipino-Freunde. Schön zu erfahren, wie es ist, sich an einem ganz normalen Nachmittag schon um zwei Uhr zu betrinken. Die spinnen, die Gallier. Spinnen tut aber auch der, der mich im September völlig normal zurück in Deutschland erwartet.

Denn was viel mir auf am Sonntag um 18:20 Uhr? Ich merkte, dass es deutlich kühler wurde, schließlich war die Sonne gerade untergegangen. Es war wirklich kühl. Dann erblickte ich die Temperaturanzeige und die zeigte eine leicht zweistellige Zahl an. Achtundzwanzig. Kühl. 28°C bei was-weiß-ich für einer hohen Luftfeuchtigkeit. Was das heißt? Ich sitze hier fest, ich kann doch nicht einfach so wieder nach Hause zurück. Auf Deutschland im Herbst käme ich gar nicht mehr klar. Ich warte also lieber auf den Bau von Akklimatisierungszentren, jawohl. Die braucht das Land. Ein Scheiß auf die Staatsverschuldung. Die Gesundheit geht schließlich vor. Ohne Akklimatisierungszentren komme ich nicht wieder zurück!


Nachtrag: Ich wäre ja nicht ich, wenn ich mich nicht im letzten Spiel noch mit einer sehenswerten Schwalbe auf den Sand-Stein-Boden geworfen hätte. Ich bekam den Freistoß und ein ebenso sehenswertes Souvenir, das mittlerweile aber schon ein wenig besser ausschaut.

Donnerstag, 11. Februar 2010

Voyeurismus 2.0

Ich bin Voyeur, Foren-Voyeur. Ich liebe Foren. Foren sind das neue Epizentrum der unfreiwilligen Komik. Menschen in Foren verstehen sich grundsätzlich falsch und reden immer aneinander vorbei. Aktuell wird mir das wieder bestätigt in einer Diskussion in einem lokalen News-Forum aus meiner deutschen Heimat.

In diesem Fall geht es um Schulausfall wegen Glätte (ja, so sieht das da aus. Hier auf den Philis bleibt es ja relativ konstant bei über 28°C) und wie verwirrend doch die ganzen Angaben und zum Teil unterschiedlichen Aussagen aus Funk und Fernsehen seien. Und warum denn für die Schüler der einen Schule frei sei und für die der anderen nicht. Und ein offensichtlich schon arbeitender Herrr findet es sowieso total ungerecht, dass Schüler überhaupt schulfrei bekämen, schließlich müsser er doch auch zur Arbeit. Und mitten in diese Diskussion kommt dann die Frage eines wiederum offensichtlich noch zur Schule Gehenden. Wohlgemerkt noch vor neun Uhr morgens:

"fällt die schule morgen auch wieder aus?"

Ich liebe Foren. 

Mittwoch, 10. Februar 2010

Kotzen Teil 2

In der Nacht habe ich den aktuellen DJ-Hit Laut von Finger & Kadel (siehe Post von gestern) dann doch noch entschlüsselt bekommen. Klar, das Jingle ist bekannt durch Bomfunks MC's Song Freestyler und der Text erinnert ein wenig zu sehr, besonders im Refrain an Türlich, Türlich von Das Bo. Die Eheschließung der beiden Tracks nun also nach rund zehn Jahren. Und nach so einem Zeitraum kann man von Liebeshochzeit wohl sicherlich nicht mehr sprechen. Nach zehn Jahren... das klingt eher nach Ideenlosigkeit, Mangel an Alternativen oder Mutlosigkeit, sich noch einmal auf den Markt zu wagen.

Schön dagegen ist, dass mir durch Laut aufgefallen ist, dass die Bundesregierung den Song vor fünf Jahren gut hätte gebrauchen können. Der Refrain hätte dann folgendermaßen aussehen können:

"Maut Maut, Wir woll'n die Maut
Das wird so feeett
Maut Maut, Wir woll'n die Maut
Mit Toll Colleeect!"

Ich bin sowieso dafür, dass Politik sich wieder besser vermarkten sollte. Warum dann nicht bei der Jugend und bei den Party-Hits beginnen, Frau Merkel?