Das war ja mal wieder ein Wochenende. Und dann auch noch Todesängste. Aber der Reihe nach.
Zunächst ging es am Samstag zum groß angekündigten Fußballturnier in die Provinzhauptstadt Borongan direkt an der Ostküste (Pazifik und so. Na, klingelt schon was?). Als ich pünktlich um acht Uhr morgens wie vereinbart an einem kleinen mehr Sand- als Rasenplatz ankam, war jedoch noch niemand da. Filipino time also, das erste Spiel fand irgendwann gegen zehn Uhr statt. Größe? Naja, wieder five aside (5 Spieler pro Team), aber vor allem kam die Mannschaft, die mich eingeladen hatte, nicht einmal selbst zum Turnier. Da waren schließlich fünf Teams in der Hauptkategorie sowie vier Kids-Teams (geschätzte acht bis zwölf Jahre).
Trotzdem wurde es geschafft, das Turnier auf zwei Tage auszudehnen. Keine Ahnung, wie die Organisatoren das geschafft haben. Zumindest habe ich nebenbei auch noch mehr als 200 Seiten von Dan Browns Illuminati lesen können.
Fazit des Turniers? Ich bin Superstar. 13 Tore in vier Spielen. An 17 von 19 Toren direkt beteiligt. Überflüssig zu erwähnen, welchen Platz wir gemacht haben. Ich überlege bereits, spontan im Sommer nach Südafrika zu fliegen. Herrn Löw und den Deutschen zuliebe. Kurz bevor ich dann am Sonntag wieder weg fuhr, wurde mir auch wieder der Sinn meines Jahres bewusst. Da sagte mir ein Filipino: "Danke, dass du da warst. Die Kinder sind alle voll fasziniert. Die werden jetzt noch mehr Fußball spielen." Bitte, bitte, dafür bin ich doch da. *
Umso spannender war dafür ein anderes Randereignis: Der Tsunami. Am Samstag Abend erhielten wir eine erste Nachricht, dass in der nächsten Zeit etwas auf uns zukommen könne. Darauf erst einmal ein weiteres Red Horse und der schwere Schädel am nächsten Morgen war mit Sicherheit nicht darauf zurückzuführen, dass ich mir voller Sorgen den Kopf zerbrach.
Ab 11 Uhr am Sonntag erhielt ich dann stückchenweise Informationen von den Filipinos um mich herum. Erdbeben in Chile. Mindestens 300 Tote. Ein Tsunami könnte auf uns zukommen. 14 Uhr. Möglicherweise bis zu 10 Fuß hoch. Viele Fragen im Kopf. Eine dominierte: "Was sind 10 Fuß in Metern?" Und: "Sollte ich hier wirklich sterben?" Ich meine, Tod beim Fußballspiel, das hätte schon was für sich. Ich entschied mich dennoch dagegen und gegen großes Sorgen machen, schließlich blieben die Filipinos auch relativ entspannt. Zumindest die meisten.
Als dann jedoch um kurz vor ein Uhr eine Warnsirene vom Strand (50 Meter entfernt) her markant aufheulte, das war schon ein komischer Moment. Noch komischer war, dass die Filipinos um mich herum plötzlich aufsprangen und zum Strand liefen. Ich dachte scharf nach: "War das das richtige Notfallverhalten, das Vernunft und DED mich gelehrt hatten?" Nur eine Antwort: "Schwimme doch einfach mit dem Strom." Eine andere, etwas leisere Stimme: "Mit dem Strom schwimmen, welch Ironie." Da musste ich dann einfach mitgehen und sah: Wellen. Die normalen zwanzig Zentimeter hohen Wellen. Wir gingen wieder Fußball spielen.
Und die Moral von der Geschicht'? Na, die Erfahrung hat doch jeder schon gemacht: Wenn du etwas wirklich erwartest oder gar suchst, dann kommt es nicht. Tatsächlich hatte der Tsunami aber seine Opfer gehabt. Weil zum Beispiel Freiwilliger Patrick von einer Klippe aus Tsunami-Gucken ging, dann aber kein Jeepney zurück mehr bekam, weil manche Dörfer evakuiert wurden, genau deswegen kam er dann am Abend nicht mehr zu der Geburtstagsparty vom Freiwilligen Peter. Einzelschicksale, auf die das Leben viel zu selten Rücksicht nimmt. Aber das hat man dann wohl von der Sensationslüsternheit.
* Zwar sagten mir die Kinder selbst, sie würden so gut wie jeden Tag Fußball spielen. Aber gerade in einem Entwicklungsland ist es ja wichtig, dass sich die jungen Menschen lieber die Füße blutig spielen. Sonst kommen die noch auf doofe Gedanken. Schlägereien, Alkohol, für die Schule lernen. Traurige Dinge halt. Gut, dass es so etwas bei uns nicht gibt.