Dienstag, 30. März 2010

Drei Dimensionen - Lebst du noch oder guckst du schon?

Was für eine schöne Welt. Das Kino verwöhnt uns mit 3D-Produktionen. Und ist damit nun sogar faktisch drei Mal besser als das eindimensionale "wirkliche" Leben. Wenn man nun der Cola und dem Popcorn gentechnisch noch ein paar Vitamine zusetzen könnte, ließe sich das Sein in der tröden Ödnis unter Menschen mühelos eintauschen gegen die wundervoll-bunten Fantasiewelten des CinemaxX.

Und dieses Leben wird sicher spannend. Neben vielen Trickfilmen sind für die letzten Monate des Jahres 2010 nicht nur Harry Potter und die Heiligtümer des Todes angekündigt, sondern auch noch der Primitiv-Slapstick um Jackass sowie Saw VII aus der Splatterkiste. Alles in 3D! Das stelle ich mir schön vor, wenn Steve-O wie toll mit einem Brandeisen auf mich zuläuft oder ich mir dank Jigsaw selber mit einer Nagelschere das rechte Auge entferne. Wer würde da nicht gerne tauschen wollen.

Freitag, 26. März 2010

No Risk, No Fun - Spannender Suizidversuch

"Gesetze sind dafür da, gebrochen zu werden", hat vermutlich auch schon der gute alte Huckleberry Finn gedacht. Um eben diesen Geist der Jugend wieder aufleben zu lassen, wurde ich aktiv. Meine ehemalige (bis Ende Januar) Arbeitskollegin Julie Ann lud mich nach Samar zum Island Hopping ein. Was daran verboten ist? Nun, Julie Ann arbeitet mittlerweile für die An-Waray Party-List (polititische Partei) und das Ganze verkam zur Straßenkampagne im Hinblick auf die Nationalwahlen am 10. Mai 2010.

Wir Freiwilligen sind angewiesen, uns vollkommen aus der Politik herauszuhalten. Allgegenwärtige Gefahr geht vor allem von der NPA aus, einer kommunistischen Gruppierung von geschätzt 10.000 Mitgliedern, die von den USA als Terrororganisation bezeichnet wurde.  Ausgerechnet in der ländlichen Region 8 (Leyte und Samar; dort, wo ich lebe)  wurden in den letzten Jahren mehrere Massengräber entdeckt, man hört auch aktuell immer wieder von neuen (politischen) Morden und in Wikipedia liest sich:

"Die NPA operiert hauptsächlich in ländlichen Gebieten, wo sie Erpressungen, Entführungen, Massaker und Ermordungen von Politikern zu verantworten hat (...)"

Leider stammt der Großteil meines Freundeskreises aus An-Waray und schon mehrmals war ich auf von ihnen organisierten Veranstaltungen. Anfang nächsten Monats findet auch ein großer zwölftägiger Skimboarding-Contest im Nachbardorf statt, der von An-Waray organisiert wird und der sicherlich mindestens einen Besuch wert ist. Der Höhepunkt war aber nun das Island Hopping. Kaum vor Ort, wurde ich von einer Freundin auch direkt eingewiesen:

Sie: "Seid vorsichtig. Wir treffen hier auch häufiger auf die NPA. Die wollen dann immer irgendetwas, in der Regel Geld. Erst vor kurzem waren ein paar von denen hier vor unserem Büro."
Ich: "Und wie viel Geld gebt ihr denen dann?"
Sie. "Das hängt davon ab. An dem Tag haben wir in unsere Bücher geschaut und festgestellt, dass unser Budget für den Tag bereits verplant war. Deshalb haben wir sie wieder weg geschickt."
Ich: "..."

Alles klar. Das stelle ich mir schon lustig vor. Die NPA vor der Tür:
Terrorist (kopfkratzend und verlegen auf den Boden blickend): "Hallo? Wir hätten gerne ein bisschen Geld. Oder auch direkt ein neues Maschinengewehr. Zufällig etwas da gerade?"
Parteivertreter: "Oh, das tut mir so leid. Für heute haben wir leider schon alles ausgegeben. Wollt ihr vielleicht noch einen Tee? Aber kommt doch einfach morgen wieder."
Terroristen ziehen ab.

Aber so lustig ist es sicherlich nicht immer. Im An-Waray T-Shirt lief ich durch die Straßen von drei kleinen unterschiedlichen Inseln und verteilte voller Engagement Flyer. Ist ja schließlich eine Erfahrung. Aber ein ganz komisches Gefühl bekam ich dann doch, als mir einmal plötzlich einige Mitarbeiter zu verstehen gaben, dass ich durch diese eine bestimmte Straße als Weißer nicht gehen dürfe. Geschluckt und zurück gegangen.

Ansonsten war es witzig und ziemlich angenehm. Auch wenn ich anderthalb Tage so weit von der Zivilisation abgeschnitten war (bis zu drei Bootstunden zum Festland), dass ich kein Handynetz hatte (PANIK!). Aber die Arbeit hielt sich in Grenzen. Kurz Flyer verteilt und dann ging es schon immer zum Barangay Captain beziehungsweise Bürgermeister. Die haben selbst auf diesen Inseln Anwesen, von denen man in Deutschland auch gerne träumt. Dort wurde gegessen und geplaudert. Den richtigen Wahlkampf für An-Waray sollen dann die Bürgermeister übernehmen, denen im Gegenzug Gelder für (Prestige-)Objekte versprochen wurde.

Das ist das Gute an den Philippinen: Die Korruption findet nicht unter der Hand statt. Das darf ruhig jeder sehen.

Fotos habe ich noch von der letzten Bootstour, der zurück ans Festland. Dort habe ich mit der Bootscrew hinten Tanduay Rum mit Wasser zum nachspülen trinken dürfen und direkt auf den Gasflammen gerösteten Octopus und Fisch gegessen. Besonders der- selbstverständlich fangfrische- Fisch schmeckte hervorragend.


Donnerstag, 25. März 2010

Terror auch im Westen

Selbst am anderen Ende der Welt, selbst auf den Philippinen wird man Westerwelle-geschädigt. Bisher fand ich das ja ganz lustig, sein Treiben aus der Ferne zu beobachten. Aber als ich nun bei einem Artikel der sueddeutschen zunächst sofort an ihn denken musste, da merkte ich, dass unser Außenminister sich doch schon ungesund fest in mein Hirn eingebrannt hat.


Meine erste Assoziation war doch tatsächlich: "Oh, schon wieder dieser Westerwelle. Hat ihm die saudische Polizei etwa die Einreise verweigert? Und warum- obwohl es ja passen würde, witzig- nennen sie ihn überhaupt Terrorwelle? Oder... ach... es geht ja um etwas ganz anderes. Herrjemine."

Donnerstag, 18. März 2010

Eilmeldung

Da hatte ich doch ganz vergessen, meinem Post vom 15. März eine wichtige Information hinzuzufügen:

Die junge Katze kackt nicht selbständig. Nicht einmal das Urinieren geht von selbst. Eher platzt so ein junges Ding. Erschreckend! Erschreckend auch, dass deshalb die Katzenmutter dem kleinen Ding am Hintern leckt/ lecken muss, damit es sein Geschäft erledigt. Was aber nun, wo die Katzenmutter nicht da ist? Na, da muss sich halt der menschliche Vater (=Lasse) auftun, der Katze sanft am Hintern zu streicheln. Schön.

Nicht ganz so schön dagegen: Das junge Ding, bei dem gestern Abend zum ersten Mal über den Namen debattiert wurde ("Was heißt Streuner auf Englisch?" - "Strayer." - "Ja, so nennen wir es." - "Nein, lass es Slayer nennen" - "Nein, Satan" - "..." - "Mmh, aber nur, wenn keine Filipinos in der Nähe sind. Sonst Slayer. Nein, Strayer."- "Mmh.") ist in der vergangenen Nacht verstorben. 

Wir trauern um ein rund zwei Wochen junges Kätzchen, das nach rund einer Woche (aus unerfindlichen Gründen) seine Mutter verloren hatte und das vermutlich Satan oder Slayer genannt worden wäre. Da kann ich voll verstehen, dass es dann doch lieber vorher abgedankt hat.

Mittwoch, 17. März 2010

Für die Statisik

Erster Diebstahl. Zweiter Diebstahl. Wurde ja auch Zeit, dass ich mal bestohlen werde. Eigentlich hat  es deutlich länger gedauert als erwartet; bin ich doch schon seit sechseinhalb Monaten hier auf den Philis. Aber dann gleich zwei Mal hintereinander und so dreist hätte es dann doch nicht sein müssen.

Dienstag Morgen: Wie am Vortag wasche ich meine Wäsche. Dabei fällt mir auf: Die (gerade mal drei Wochen alten) Marken-Flip-Flops, die ich am Montag zum Trocknen hinlegte, sind weg. Geklaut von unserem mit Mauern umgebenen Grundstück! Ich denke daran, dass einige Kinder in letzter Zeit häufiger über die Bäume auf unser Grundstück gekommen sind und daran, dass unser Tor vorne immer auf ist. Ärger, aber naja, musste ja mal passieren. Schaden: rund 9 Euro.

Dienstag später Nachmittag: Ich möchte die Wäsche herein holen. Dabei fällt auf: Die nagelneue am Vortag gekaufte Lee-Hose weg. Geklaut am hellichten Tage! Tatzeit: Zwischen 12 Uhr mittags und 4 Uhr nachmittags. Schaden: Wieder rund 9 Euro. Aber schlimmer wiegt: Irgendwelche Leute gehen auf unserem Grundstück ein und aus. Scheiße!

Mittwoch: Ich wasche heute meine Weißwäsche und gehe nicht zur Arbeit. Nein, einen Diebstahl würde ich keine drittes Mal in Folge verkraften. Stundenlang liege ich in meinem Bett, lese und höre, ob sich draußen was tut. Bis vier Uhr nachmittags tut sich nichts, ich hole die Wäsche herein und gehe doch noch zur Arbeit. 
Dort weiß meine philippinische Arbeitskollegin schon Bescheid, warum ich nicht zur Arbeit kam. Sie begleitet mich zur Polizei. Anzeige erstattet. Dabei erfahren, dass Wäschediebstahlfälle offenbar gar nicht so selten sind. Erst eine Woche zuvor hat ein Kind in unserem Barangay T-Shirts geklaut. Sie dann aber selbst getragen und dann wurde  es erwischt. Ich bezweifle, dass einem Kind meine Flip-Flops und vor allem meine Hose passen könnten.

Ich dagegen setze auf meine eigene Taktik. An unsere Hauswand habe ich zwei Zettel gehängt: 
"Stealing is the first way to go to hell."
"Please, give us back our stuff (slippers, trousers,...)"

Punkt Punkt Punkt: Denn wer weiß schon, was die Täter sonst schon alles haben mitgehen lassen, was wir gar nicht bemerkt haben. Dabei denke ich vor allem an unseren Besen, der vor rund einem Monat auf mysteriöse Weise einfach so verschwunden ist. Aber da dachte ich noch: Wer würde schon so einen doofen Kokosnuss-Besen klauen...

Montag, 15. März 2010

Das Ding mit den zwei Augen

Seit wir auf den Philippinen sind, seit über sechs Monaten nun schon sehnt sich mein Mitbewohner sehnsüchtig nach einer Muschi. Und nun hat er sie endlich. Wahlweise hätte es auch ein junger Pudel sein können. Aber das Schicksal wollte es anders. Und spülte uns praktisch vor unsere Haustür ein rund sieben Tage altes, wehleidig aufheulendes Kätzchen an.

Das kleine Ding heult jedoch nicht nur auf der Straße, sondern seit ein paar Tagen auch Haus und Büro die Ohren voll. Verwahrt in einer mit Tüchern ausgestatteten Pappbox tut das Kätzchen zwar die meiste Zeit das, was ich gerade so noch tolerieren kann: Schlafen. Doch Schreien ist direkt seine Zweitlieblingsbeschäftigung. Dicht gefolgt von lauter und höher kreischen und  dem Kratzen an der Box. Und Nachtruhe kennt das Wesen auch nicht. Ich dachte immer, ich sei kinderlieb. Aber das, was davor ist? Unter diesen Umständen möchte ich keine Kinder. Kann man die Babyphase nicht irgendwie überspringen?

Wie dem auch sei, Lasse hat die Nerven. Eigentlich ist das Ding zu jung für eine Trennung von der Mutter, doch Herr Ziehvater macht sich gut. Er recherchierte und kümmerte sich trotz der skeptischen Forengemeinschaft liebevoll, kaufte sogar ein Fläschchen und spezielles Milchpulver. Mittlerweile hat das Kätzchen beide Augen geöffnet und man darf/ muss langsam mit dem Überleben des Findlings rechnen. Lasse erwähnte gestern Abend bereits, man müsse sich nun mal einen Namen ausdenken. Vielleicht gibt es ja ein poetry-rock-blog-Leser mit guten Ideen. Ein paar Fotos gibt es zur Anregung frei Haus.



Donnerstag, 11. März 2010

Marasa lebt!

Zusammen auf einer Insel mit Elvis und Michael Jackson.

Spaß beiseite, Marasa (siehe 1, 2) lebt tatsächlich. Heute kam der Büro-Haushälter mit dem stolzen Hahn zu uns, den wir schon längst unter den Toten vermutet hatten. So kann man sich täuschen. Und was haben wir uns gefreut. Zwar ist Marasa ein wenig gewachsen seit der letzten Begegnung. Und er ist nicht mehr gelb. Aber dafür hat er ganz die Farbe seiner kurzzeitigen Herrchen (nämlich von uns) angenommen. Marasa ist weiß wie ein Engel.
Und da er also sogar schon optische Ähnlichkeiten mit mir hat, habe ich dann auch vorgeschlagen, der Hahn könne doch Edel-Zuchthahn werden. Eine Antwort steht aus.

Samstag, 6. März 2010

Viva la Buko

Mein neuer Stolz, mein neues Fake-Shirt: STARBUKO!
Nur warum es ICE DROPS sein sollten, das verstehe ich noch nicht. Denn die junge Kokosnuss (=Buko) hat eher etwas von feuchter Hitze und tropischen Sandstränden.
Ach, zur Buko selbst. Die ist so ganz anders als die Kokosnuss, die bei uns im Supermarkt landet.

1. Viel größer und grün, darunter zentimeterdicke Faserschicht, erst dann kommt die braunhaarige Schale, die wir gewohnt sind
2. Inhalt: Bis zu einem Liter köstlichen und sehr nährstoffhaltigen Buko-Juice (Kokosnusssaft). Und dieser Saft ist so rein, dass er laut Berichten sogar als Blutersatz gespritzt/transfusiert wird, wenn gerade dringender Bedarf besteht.
3. Und das Kokosfleisch wird erst bei den alten (uns bekannten) Kokosnüssen hart. Bei der jungen Buko ist die Fleischschicht noch viel dünner und sehr weich, lässt sich mit einem Löffel prima auskratzen und verspeisen. Beliebt auch für Salat.

Was sonst noch erzählt wird: Der Saft soll sehr gut für das Sperma sein. Weshalb mir schon mehrmals berichtet wurde, dass die Männer vor den Treffen mit Frauen immer ordentlich Kokosnuss trinken. Und ich dies doch auch beherzigen solle.

Warum auch immer ich gutes Sperma haben wollte, wenn ich mich mit Frauen treffe. Das bleibt mal ein Geheimnis. Das hat mich nur auf den Gedanken gebracht, dass es ja sicherlich auch andersherum geht: Vor dem Treffen kiffen und saufen und dann brauche ich mir (im Falle ungeschützten Beischlafs) zumindest keine Sorgen mehr machen, dass eines dieser zugedröhnten Spermien den Weg zur Eizelle finden könnte.

Dienstag, 2. März 2010

Turnier II und Tsunami

Das war ja mal wieder ein Wochenende. Und dann auch noch Todesängste. Aber der Reihe nach.

Zunächst ging es am Samstag zum groß angekündigten Fußballturnier in die Provinzhauptstadt Borongan direkt an der Ostküste (Pazifik und so. Na, klingelt  schon was?). Als ich pünktlich um acht Uhr morgens wie vereinbart an einem kleinen mehr Sand- als Rasenplatz ankam, war jedoch noch niemand da. Filipino time also, das erste Spiel fand irgendwann gegen zehn Uhr statt. Größe? Naja, wieder five aside (5 Spieler pro Team), aber vor allem kam die Mannschaft, die mich eingeladen hatte, nicht einmal selbst zum Turnier. Da waren schließlich fünf Teams in der Hauptkategorie sowie vier Kids-Teams (geschätzte acht bis zwölf Jahre).

Trotzdem wurde es geschafft, das Turnier auf zwei Tage auszudehnen. Keine Ahnung, wie die Organisatoren das geschafft haben. Zumindest habe ich nebenbei auch noch mehr als 200 Seiten von Dan Browns Illuminati lesen können. 

Fazit des Turniers? Ich bin Superstar. 13 Tore in vier Spielen. An 17 von 19 Toren direkt beteiligt. Überflüssig zu erwähnen, welchen Platz wir gemacht haben. Ich überlege bereits, spontan im Sommer nach Südafrika zu fliegen. Herrn Löw und den Deutschen zuliebe. Kurz bevor ich dann am Sonntag wieder weg fuhr, wurde mir auch wieder der Sinn meines Jahres bewusst. Da sagte mir ein Filipino: "Danke, dass du da warst. Die Kinder sind alle voll fasziniert. Die werden jetzt noch mehr Fußball spielen." Bitte, bitte, dafür bin ich doch da. *

Umso spannender war dafür ein anderes Randereignis: Der Tsunami. Am Samstag Abend erhielten wir eine erste Nachricht, dass in der nächsten Zeit etwas auf uns zukommen könne. Darauf erst einmal ein weiteres Red Horse und der schwere Schädel am nächsten Morgen war mit Sicherheit nicht darauf zurückzuführen, dass ich mir voller Sorgen den Kopf zerbrach.

Ab 11 Uhr am Sonntag erhielt ich dann stückchenweise Informationen von den Filipinos um mich herum. Erdbeben in Chile. Mindestens 300 Tote. Ein Tsunami könnte auf uns zukommen. 14 Uhr. Möglicherweise bis zu 10 Fuß hoch. Viele Fragen im Kopf. Eine dominierte: "Was sind 10 Fuß in Metern?" Und: "Sollte ich hier wirklich sterben?" Ich meine, Tod beim Fußballspiel, das hätte schon was für sich. Ich entschied mich dennoch dagegen und gegen großes Sorgen machen, schließlich blieben die Filipinos auch relativ entspannt. Zumindest die meisten. 

Als dann jedoch um kurz vor ein Uhr eine Warnsirene vom Strand (50 Meter entfernt) her markant aufheulte, das war schon ein komischer Moment. Noch komischer war, dass die Filipinos um mich herum plötzlich aufsprangen und zum Strand liefen. Ich dachte scharf nach: "War das das richtige Notfallverhalten, das Vernunft und DED mich gelehrt hatten?" Nur eine Antwort: "Schwimme doch einfach mit dem Strom." Eine andere, etwas leisere Stimme: "Mit dem Strom schwimmen, welch Ironie." Da musste ich dann einfach mitgehen und sah: Wellen. Die normalen zwanzig Zentimeter hohen Wellen. Wir gingen wieder Fußball spielen.

Und die Moral von der Geschicht'? Na, die Erfahrung hat doch jeder schon gemacht: Wenn du etwas wirklich erwartest oder gar suchst, dann kommt es nicht. Tatsächlich hatte der Tsunami aber seine Opfer gehabt. Weil zum Beispiel Freiwilliger Patrick von einer Klippe aus Tsunami-Gucken ging, dann aber kein Jeepney zurück mehr bekam, weil manche Dörfer evakuiert wurden, genau deswegen kam er dann am Abend nicht mehr zu der Geburtstagsparty vom Freiwilligen Peter. Einzelschicksale, auf die das Leben viel zu selten Rücksicht nimmt. Aber das hat man dann wohl von der Sensationslüsternheit.


* Zwar sagten mir die Kinder selbst, sie würden so gut wie jeden Tag Fußball spielen. Aber gerade in einem Entwicklungsland ist es ja wichtig, dass sich die jungen Menschen lieber die Füße blutig spielen. Sonst kommen die noch auf doofe Gedanken. Schlägereien, Alkohol, für die Schule lernen. Traurige Dinge halt. Gut, dass es so etwas bei uns nicht gibt.