Montag, 30. November 2009

Die schwarze Unbekannte

Heute mache ich es auf die gemütliche Art und benutze einfach Teile von Theos Blogeintrag (Danke, Theo O:-) ), in dem er sehr schön von unserem letzten Abenteuer am Wochenende 21./22.November berichtet. Die gemachten Erfahrungen sind nahezu vollständig die gleichen. Es war ein wirklich spannender Höhlenspaziergang.

"Wiedereinmal hat ein sehr ereignissreiches Wochende sein Ende gefunden.
Am Donnerstag bekam ich die fantastische Nachricht noch gerade so als letzter Teilnehmer an einer zweitägigen Wanderung durch das drittgrößte Höhlensystem der Erde teilzunehmen: Calbiga. (...)

Mit übervollen Rucksäcken bewaffnet, brachen wir am frühen Morgen also auf in Richtung Galbiga Cave, zunächst auf der Ladefläche eines Kleintransporters, dann aber relativ schnell zu Fuß.
Unsere Wanderung begann mit einem einstündigen Fußmarsch durch bergiges Regenwaldgebiet. Seinem Namen wurde diese Pflanzenwelt dann sogar ziemlich schnell gerecht: Noch nicht bei der Hälfte angekommen, begann es schlagartig wie aus Eimern zu regnen, sodass wir nach nur wenigen Minuten vollkommen nass waren.
Doch das störte nicht wirklich, den ein in der Vergangenheit immer häufiger eintretender Zustand der gleichgültigen Akzeptanz begann unbemerkt Besitz von mir zu ergreifen.
Nach weiteren 30 Minuten hatten wir dann unser vorläufiges Etappenziel erreicht, der Eingang der Höhle. Der Anblick dieser weit über 30 Meter hohen Steilwand, gespickt mit Stalagtiten, Felsvorsprüngen und herunterhägenden Lianen war einfach überwältigend und gleichzeitig total syrreal. Kaum merklich öffnete sich am unteren Fuße des Abhangs eine breite Öffnung, in die wir nacheinander auf einem schmalen Pfand hineingingen.
Immer weniger Licht gelang es, sich einen Weg ins tiefste Innere der Höhle vorzubahnen und mit einem Mal wurden wir von schwarzer Finsternis verschluckt.
Wir schalteten deshalb unsere mitgebrachten Kopflampen ein und konnten so wenigstens den Weg vor uns erkennen.
Diese Strecke einen Weg zu nennen ist jedoch eine maßlose Übertreibung, denn anders als in deutschen Höhlen, in denen ordentlich abgesteckte Pfade durch beleuchtete Gänge führen, war hier wirklich Nichts weggeräumt. Dies rührt vor allem aus dem Fakt, dass diese Höhle erst im Jahre 1987 entdeckt wurde und auch in den darauffolgenden Jahren so wenig erkundschaftet wurde, dass sogar heute noch regelmäßig neue Kammern und Gänge entdeckt werden.
Wir wanderten also über steiniges Geröll, Schutt und umgestürzte Felsbrocken und ich fühlte mich immer mehr an einen Kindheitstraum erinnert: Den Traumberuf Höhlenforscher.
Nach einiger Zeit stießen wir dann auf eine glatte steile Felswand, an der wir unsere Rucksäcke abstellten und ersteinmal pausieren konnten.
Kurz darauf gingen wir ohne Gepäck in eine riesige Nachbarkammer in der wir in Ruhe alles aukundschaften konnten. Die Höhle war der blanke Wahnsinn, überall Stalagniten, - titen und -naten. Außerdem bizarre Gebilde aus Kalkstein, die manchmal wie Dinoköpfe in die Höhe zu ragen schienen.
Chris, Patrick, Alex und ich kletterten so lange an den Felsen herum und waren schon komplett vertieft im Auskundschaften neuer kleiner Höhlen, dass die anderen bald nur noch weit weg anhand ihres Lichtstrahls zu erkennen waren.
Egal. Das war einfach zu gut.
Wir zwängten uns in winzige Ritzen und immer wenn eine Höhle in einer Sackgasse zu enden drohte, fand sich ein neuer kleiner Durchgang. Die ganze Zeit über wurden wir von der allgegenwärtigen Dunkelheit begleitet. Nichts für Klaustrophoben.
Wieder bei der Gruppe angekommen, gingen wir mit den Guides zu einem unterirdischen See in dem sich blinde Fische und weiße, wie Tod erscheinende Krebse befanden.
An den Wänden saßen sich Riesige Spinnen mit langen Fühlern und der Boden war teilweise übersäht mit Heuschrecken, deren Fühler unglaubliche 25 cm lang waren.
Ganz so lebensfeindlich war die Umgebung also doch nicht.
Nach einiger Zeit des streckenweise recht anstrengenden Kletterns kamen wir an einen Abhang, an dem man nur durch ein Seil heil hinabsteigen konnte.
Die Umgebung der Höhle änderte sich mit der Zeit, mal spitze Steinpassagen, dann wieder meterdicker Schlamm, in dem man mit den Füssen regelmäßig bis zum Knöchel versank.
Doch dann war es soweit, wir konnten das berühmte Licht am Ende des Tunnels erkennen.
Ich lief direkt hinter dem ersten Führer, die Augen immer auf den drößer werdenden Lichtschein gerichtet, als der Philippino vor mir plötzlich zusammenzuckte und einen Satz zu Seite machte. Ich wusste zunächst gar nicht was los war, doch dann sah ich es: Unter einem Felsvorsprung lag eine zusammengerollte bestimmt zwei Meter dicke Schlange. Wow, die sah vielleicht genial aus.
Wir liefen also weiter und erreichten bald den Ausgang der Höhle, an dem wir auch die Nacht verbringen sollten.
Wir bereiteten unsere Planen und Isomatten vor und rollten die Schlafsäcke aus. Ich hatte leider keinen dabei, was ich später noch sehr bereuen sollte. (...) 

Im Lager angekommen, kamen wir gerade richtig zu einem weiteren beeindruckenden Spektakel.
Denn mit hereinbrechender Dunkelheit trieb es auch die Fledermäuse aus der Höhle heraus.
Wie ein Schwarm synkroner Fische flogen sie in spektakulären Spiralen vor dem Eingang der Grotte ins Freie.
Den Abend verbrachten wir bei Tanduay und Kerzenlicht, bis wir ziemlich erledigt in unseren Schlafstätten einschliefen.
Die Nacht war für mich jedoch nicht gerade sehr erholsam, da ich in kurzer Hose und Sweatjacke schlief, viel zu wenig um der hereinbrechenden Kälte Parole zu bieten. Immer wieder wachte ich deshalb auf und wälzte mich von einer Seite auf die Andere.
Irgendwann fand ich dann jedoch meinen Schlaf und wachte ziemlich früh am nächsten Morgen auf. Wir frühstückten nicht satt machendes, trockenes Toast und einen Apfel und machten uns auf den Rückweg. Nach mehrere Stunden Wanderung durch dichten Urwald kamen wir dann auch wieder der Zivilisation näher, sodass wir unseren Ausflug mit einer kalten Coke und Erdnüssen beendeten.

Wieder in warmen und trockenen Tüchern ist,

Theo."

Und in jenen trockenen Tüchern bin ich natürlich auch schon längst.

1 Kommentar:

Anonym hat gesagt…

Stricher!

gez.: Der wahre Poet ^^