Sonntag, 15. November 2009

Ich möchte Dir danken

Hey Schatz. Ich weiß, ich bin kein Meister der großen Worte, aber wie könnte ich es dir sonst noch sagen. Ich möchte Dir einfach danken, danken dafür, dass du immer für mich da warst.

Erinnerst du dich an den Tag, als wir uns kennen lernten. Als du mich auf der Brücke trafst. Nie zuvor war ich so entschlossen. Frauen hatten meine Leben ruiniert. Aber du wirktest sofort anders. Du hast mir nie erklärt, warum du an diesem späten Abend getan hast, was du getan hat. Nicht einmal, warum überhaupt du zu dieser gottverlassenen Zeit an diesem gottverlassenen Ort warst. Wahrscheinlich hast du es selbst nie so richtig gewusst. Aber seitdem glaube ich, dass es so etwas wie Schicksal gibt. Und dass es dieses Schicksal gut mit uns meint. Danke für diese Zuversicht.

An diesem Abend konnte mir nicht vorstellen, dass diese, dass meine Existenz noch etwas brächte. Aber du schriest mich an, das sei doch keine Lösung, redetest ein auf mich die ganze Nacht, es gäbe so viel Schönes, du saßt, ich stand, war bereit, bis ich dir glaubte, bis wir weinten und du mich im Morgengrauen in deinen Armen hielst. Ich möchte Dir dafür danken.

Ich möchte Dir auch danken für dieses Prickeln im Kopf, im Bauch, in den Armen, in den Beinen, einfach überall. Als ich in dieser Höhle, in die du uns führtest, von der man den Sonnenuntergang bestaunen konnte, das erste Mal deine Hand hielt, sie streichelte. Als es im Wald auf dieser kleinen Lichtung so sehr knisterte, während wir uns durchs Haar strichen, Bauch an Bauch aufeinander lagen und sich unsere Augen ineinander verloren. Als sich nach einer stundenlangen Wanderung dieser Bergsee vor uns auftat und sich in dem warmen klaren Wasser unsere Lippen zum ersten Mal fanden. Als wir uns dort zum ersten Mal liebten. Obwohl: Das war kein Prickeln mehr, das war eine Explosion.

Das Herz detonierte in tausend Splitter und fand sich plötzlich in allen Blutbahnen wieder. Überall steckte Liebe und Lust. Unfähig, Raum und Zeit zu erkennen, was anderes außer Dich zu sehen, war ich da, aber mehr auch nicht. Physisch auf der Erde, psychisch ganz weit weg. Die Seele flog durch’s All, in den Himmel, durch den Erdkern und durch das weite weite Nichts. Das war völlig schwerelose Existenz.
Ich möchte Dir danken für diese Gefühle, für das Wissen, dass es so etwas gibt. Dass das Leben lebenswert sein kann. Dessen werd‘ ich nie mehr müde.

Ich möchte Dir auch danken, dass du so ehrlich warst. Erinnerst du dich daran, wie du zu mir kamst und mir von deiner Affäre erzähltest. Du sagtest, du bereust es und bist ab jetzt nur noch für mich da. Ich glaubte dir. Erinnerst du dich dann daran, wie du zu mir kamst und mir erzähltest, dass du ihn nicht mehr vergessen kannst, aber dein Bestes gibst, dass wir zusammen das schon schaffen würden. Ich glaubte dir. Erinnerst du dich denn zuletzt daran, wie du zu mir kamst und sagtest, dass du ihn liebst, dass ein „Wir“ keine Zukunft hat. Ich glaubte Dir nicht mehr. Ich blieb stumm. Du gingst.

Trotzdem werde ich nie vergessen, was du mir brachtest, dass du ein Geschenk warst. Um mir zu zeigen, dass es auch andere Wege gibt. Und deshalb möchte ich Dir danken, dass du die Einladung für heute Abend angenommen. Danke, dass wir noch mal zusammen waren. Und danke, dass du das Essen, was ich vorher vergiftet, dass du das so brav gegessen hast.

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