Mittwoch, 16. Dezember 2009

Erste Krankenakte

Es war an einem harmlosen Samstagabend vor eineinhalb Wochen, als ich beim Spiel im Wasser den Fußball mehr als unglücklich (oder war es doch einfach nur ungeschickt?) mit dem linken großen Zeh traf. Es schmerzte sofort, doch das Adrenalin, endlich mal wieder Kontakt mit Fußball (und gleichzeitig mit Wasser) zu haben, ließ mich über die Schmerzen hinweg sehen. Später sollte auch noch (oral aufgenommener) Alkohol mithelfen.

Als ich dann am Sonntagmittag zum ersten Mal wieder Schlaf fand, weckte mich nach wenigen Stunden ein äußerst markantes Zucken durch das gesamte linke Bein. "Scheiße", war sicherlich mein erster Gedanke. Ich hatte vergessen, den Zeh, an dem mittlerweile Haut aufgeplatzt war, also die Wunde zumindest mit Iod oder Alkohol (als Antiseptikum direkt auf die Wunde versteht sich) zu behandeln. Stattdessen bin ich sogar mehrmals schwimmen gegangen, eine wahre Bakterienschleuder. Besonders auf den Philippinen, ich erinnere daran: Wundheilung ist hier eine Katastrophe, Eiter an jeder noch so kleinen Wunde die Regel. Nun hatte sich wohl mein komplettes Bein entzündet, ähnliche (Horror-)Geschichten gab es auch schon von anderen Freiwilligen.

Aber es wurde besser. Schon am Montagmorgen tat nur noch der große geprellte Zeh weh. Ich hatte wohl noch einmal Glück gehabt. Nur die Wunde direkt rechts neben dem Zehennagel wollte einfach nicht verheilen, trotz reger Plaster- und Bepanthenbehandlung. Es wurde sogar schlimmer, sprich schmerzhafter, oft weckte mich der Schmerz in der Nacht, wenn ich mit dem Zeh irgendetwas berührt hatte. Als nun am Wochenende, eine Woche danach, wieder Blut über meinen Zeh floss, ich erkannte, dass neue Haut über den Nagel zu wachsen drohe und nachdem mich mein Mitbewohner penetrant und immer weniger liebevoll anraunzte, was so mit mir ginge, da stand dann irgendwann fest: Es geht zum Arzt. Sprich ins Krankenhaus.

Da war ich nun gestern und es war eine Erfahrung. Zunächst einmal war das Krankenhaus so schrecklich wie ein deutsches: Man muss warten. Viel warten. Und zwar auf einen speziellen Doktor. Denn nach der Anmeldung wurde ich zu "meinem" persönlichen Doktor geschickt. Nach einiger Zeit verwies mich dessen Sekretärin zu einer anderen Ärztin. Und nach einigen Stunden und einem "Oh, ihr seid ja immer noch da" schickte mich die gleiche Sekretärin zu einem Arzt, wo ich dann aber auch sofort an die Reihe kam.

Der Arzt fragte mich nach einem Blick von seinem Schreibtisch aus, ob ich den Zeh noch bewegen könne. Konnte ich, dann wurde ich zum X-Ray (?) geschickt. Dort bekam ich zunächst nur eine Rechnung über 4,50 Euro in die Hand gedrückt, die ich am Haupteingang bezahlen sollte. Die Bestätigung über die erfolgte Bezahlung legte ich wieder am X-Ray vor und dann sollte ich endlich verstehen, was X-Ray überhaupt ist: Röntgen.

Und beim Röntgen stellte ich fest, wie konservativ deutsche Ärzte doch sind: Ablegen von Portemonnaie, Schlüssel und Abschalten vom Handy. Das alles muss doch nicht sein. Und von einer Bleiweste war auch weit und breit keine Spur. Dafür wurde zumindest die Holztür zugeschoben, die nur durch einen Spalt von wenigen Zentimetern einen Blick nach draußen auf den Flur gewährte, wo die Patienten, kurz danach auch ich, saßen. Das ist spannend. Immer, wenn das Licht rot leuchtet, denkt man sich: "Juhuu, und wieder eine kostenlose Strahlendosis." Mein Beileid auch an die Ärzte, beim Röntgen mit mir befanden sich gleich zwei  von ihnen mit im Raum. Madame Marie Curie lässt grüßen.

Einen Gruß möchte ich nun auch an meinen Arzt schicken. Nachdem er die Existenz der Röntgenbilder feststellte, kündigte er an, dass ich morgen doch wieder kommen solle, er werde dann meinen großen Zeh entfernen. Vorher bekäme ich aber lokal noch drei Betäubungsspritzen, damit ich nicht zu große Schmerzen hätte. Ich fragte, ob das wirklich sein müsse, er antwortete: "Ja, das muss sein. Sonst kann ich nicht sicher sein, dass die Entzündung auch wirklich zurück geht." Aber ich war mir schon viel länger nicht mehr sicher. Und irgendwie vertraute ich ihm nicht. Ich werde nach Möglichkeit nie wieder meine Füße in dieses Krankenhaus stecken. Dafür sind mir meine Nägel zu kostbar. Und gibt es nicht auch diesen Spruch: An dem Zehennagel des Mannes erkannt man seinen Hannes? Für Kastration bin ich definitiv noch zu jung.

Dafür nehme ich jetzt die Antibiotika, die er mir verschrieben hat. Und hoffe, dass das schon ausreichen wird. Für einen durch das deutsche Gesundheitssystem verwöhnten Freiwilligen sind die Kosten nämlich auch hoch genug: Pro Tablette 1,35 Euro macht bei zwei Tabletten am Tag über mindestens sieben Tage...wie ich sagte genug. Obwohl ein englischer Bekannter, den ich beim Kauf an der Apotheke zufällig traf und dem ich mein Leid schilderte, nur knapp antwortete: "Ja, du hast Recht. In diesem Land ist echt alles ziemlich günstig." Ich erwiderte nicht mehr, werde ich doch wohl hoffentlich auch nie erfahren, wie viel mich eine Zehennagel-OP gekostet hätte.

1 Kommentar:

Anonym hat gesagt…

Verdammte Scheiße nehmt ihn diesen scheiß Zeh ab dann kann er wenigstens nie wieder fussball spielen:D
ne im ernst schöne grüße! ich hab urlaub:P! Lars