Dienstag, 23. Dezember 2008

Wessen Hobby ist denn Mord?

Gestern abend wurde meine Freundin philosophisch und erörterte diverse Todesmöglichkeiten. Irgendwann hielt sie dann fest:

"Also, umgebracht zu werden ist voll scheiße. Stell dir mal vor: Du gehst abends ins Bett, malst dir aus, was du am nächsten Tag alles Schönes machst, und dann bist du auf einmal weg. Wie traurig ist das denn."

Ne, schön ist das wirklich nicht. In diesem Sinne: Frohe Weihnacht. Und nen guten Rutsch. Bis Anfang Januar rutsche ich auf einem Brett Berge runter.

Mittwoch, 17. Dezember 2008

Romantische Adventwochen

Es leuchtet kunderbunt. Überall riecht man Wein und Zimt. Rote Näschen bereichern das Stadtbild und Hund' und Katz heulen jubilierend auf. Die Weihnachtszeit ist fast schön und macht wohl daher so unglaublich kreativ. Meine Freundin habe ich nun vor ein paar Tagen zur gemeinsamen Herstellung einer typischen Winterspeise eingeladen - in Form eines Gedichts. Sie hat sich wohl sehr gefreut. Bis heute ist sie sprachlos und hat in ihrem Überschwang glatt vergessen, mich noch einmal auf mein lyrisches Werk anzusprechen. Da Kunst meiner Meinung nach jedoch nicht eingesperrt gehört, wollte ich hier noch einmal nach Feedback fragen. Oder sind etwa alle sprachlos ob der glänzenden Aura meines Meisterstücks?

Kekse backen

Lass uns Schlecken, also Zucker-Puder,
Dann nenn ich dich auch dreck’ges Luder,
Wenn du dich mit Teig einreibst,
Und mich somit mehr aufgeilst.

So lass Dich doch mit Mehl bewerfen,
Wir tun nur unsere Sinne schärfen,
Ich seh die Sporen in deinen Körper eindringen,
Wo sollte man sie sonst denn unterbringen.

Ich wollt‘ schon lange wieder stechen,
Plätzchen formen, nich dafür blechen,
So lass uns Gedärme am Ofen wärm‘,
und lärmend voneinander schwärm‘.

Sonntag, 14. Dezember 2008

Wussten Sie schon, dass...

...man mithilfe des Satzes "Google ist scheiße" auf seiner Homepage die Wahrscheinlichkeit, über Google gefunden zu werden, überproportional erhöht?

Donnerstag, 11. Dezember 2008

Jeanne d'Arc des Klimas auf Abwegen

Mit heeren Zielen trat sie an. Nichts geringeres als die Weltrettung stand auf ihrem Spickzettel. Doch im Gegensatz zu Jens Lehmann, der sein bekritzeltes Blättchen rechtzeitig aus dem Schuh zauberte, scheint Frau Merkel das ihrige im entscheidenden Moment aus den Augen verloren zu haben. Unter dem Deckmantel des Schweigens droht das einzige Prestige-Projekt der selbsternannten Klimakanzlerin nun zu verwahrlosen.

Denn heute beginnt in Brüssel der EU-Gipfel, dessen wichtigstes Thema die Verabschiedung des Klimapakets ist. Der Kommissionspräsident spricht gar von einem "Glaubwürdigkeitstest für Europa". Wenn nicht wir, warum sollte dann jemand anders in der Welt das Klima schützen, so ist der weitlautende Tenor. Es gilt also anzupacken. Doch gerade das liegt unserer Mutlos-Merkel ja bekanntlich wenig. Und beweist lieber, dass Worte von gestern heute nichts als Schall und Rauch sein müssen.

Vergessen scheinen Knut und Flockes Heimatgefilde, der Klimawandel, Polarschmelze und aussterbende Arten. Erst einmal zählt nun plötzlich doch die deutsche Wirtschaft, besonders die Autoindustrie konnte die Kanzlerin von ihren Plänen abbringen. Für ihren Sinneswandel- Obama hätte ihn bloß "change" genannt und wäre dafür bejubelt worden- muss Frau Merkel sich nun viel Kritik anhören. Der schönste Vorwurf in diesem Zusammenhang ist sicherlich der des "klimapolitischen Gedächtnisschwunds", der auch zugleich eine herrlich ironische Anspielung auf die Zustandsänderung der Polarkappen beinhaltet.

Doch man sollte opimistisch bleiben. Trotz aller niederschmetternder Verluste des letzten Fünkchens Hoffnung und Vertrauen, den diese Regierung eigentlich nie verdient hatte. Schon bald brauchen wir Merkel dann nicht mehr so erleben wie bei ihrem Blitzesuch auf Grönland. Schon bald gibt es dann nur noch sonnig schönen Sommerurlaub. Und schon bald darf ich dann adé sagen zu einer Kanzlerin, die sich schon jetzt auf ihre Finka am Strand von La Gomera freuen dürfte.

Mittwoch, 10. Dezember 2008

Jetzt wirds mal wieder richtig flüssig

Der Begriff Humor kommt aus dem Lateinischen und bedeutet: Flüssigkeit. In Anbetracht dieses Umstandes erlangen die geflügelten Worte "Ich bin zurzeit nicht flüssig" oder "Ich werd mich mal flüssig machen" eine ganz neue Bedeutung.

Doch wirklich erschreckt hat mich ein anderer Gedanke. Wollen scheinbar Todesfrustierte, sich selbst Bemitleidende und ewig Zweifelnde mit ihrem "Ich bin total überflüssig" etwa doch nicht ihren Lebensunmut kundtun? Sondern uns im Gegenteil nur weißmachen, dass sie mega-witzig seien und wir ihren Humor nicht verstünden? Welch feine Umschreibung der Wortkünstler für ihre Arroganz, die letzlich und langfristig doch wieder zu wirklicher Verbitterung führen wird. Aber dann haben sie sie verdient, diese Freunde des vereisten Katzenjammers. Phü.

Dienstag, 9. Dezember 2008

Chance für BILD

Irgendwie zog die Werbung. Inspiriert von stern.de (siehe letzten Post), ließ ich mich heute zu einem Trip auf bild.de verleiten. Auf der Suche nach einem informativen Artikel auf dessen Homepage - mein Deutschlehrer würde jetzt von einem Paradoxon sprechen- stieß ich tatsächlich auf einige "interessante" Überschriften, die ich meinen Lesern nicht vorenthalten möchte. Ich werde mal noch nicht verraten, wie ich nun zur Bild stehe. Soll sich doch jeder selbst ein - Achtung, Wortwitz- "Bild" von der Bedeutung der Artikel machen. Also tretet ein in die Welt der meistverkauften deutschen Tageszeitung:

- Löw wirbt für Nivea. Wird Jogi jetzt noch schöner?

- Keanu Reeves. "Natürlich gibt es Außerirdische"

- "Ich will nichts mehr mit Analverker zu tun haben". Halt! Nein, wir haben es hier nicht mit einem bei der Bild angeblich existierenden Seite 1-Mädchen zu tun. Vielmehr handelt der Artikel von Charlotte Roche und ihren Plänen für zukünftige Bücher. Immerhin mal Literatur...
Und weiter:

- Schalke kurios. Der 4. Torwart hat die Super-Kondition.

- Wegen Chemikalien. Männer vom Aussterben bedroht!

Diese Meldung fand ich ob meines Geschlechts nun doch ziemlich schockierend. Dementsprechend nervlich am Boden sah ich dann schließlich folgende Überschrift, die mir endgültig das Genick brach und meinen Klick auf die "Zurück"-Taste besiegelte:


- Heino.
"3 Mal Sex in der Woche - ohne Viagra!"

Und tschüß, BILD. Es war eine, sagen wir mal "aufregende" Zeit mir Dir.

Tag der Aufklärung

Das kunterbunt-rote Online-Angebot von stern.de titelt heute in seiner Online-Ausgabe: "Iglu-Ländervergleich. Thüringer können am besten lesen".
Nun bin ich doch arg irritiert, dass in unserer Republik tatsächlich Würste die besten Leser sein sollen. Dass diese Untersuchung aber sogar noch vom bekanntesten deutschen Hersteller für Fischstäbchen gemacht wurde, lässt mich ahnen, dass es da mehr Kooperationen unter den Fleischvermarktern gibt als bisher angenommen.

Auch nur einen Klick weiter deckt stern.de einen schockierenden, weil völlig unerwarteten Verbund mit einem anderen Faktenmagazin auf. Titel des Werbe(?)-Artikels: "Marco W. - gerettet von der Bild-Zeitung" (sic!).

Sonntag, 7. Dezember 2008

Nachtrag zum letzten Post vom 04.12.

Zumindest wikipedia.de hat die Zeichen der Zeit erkannt. Zum Begriff Prokrastination liest man dort: "Aufschieben ist jedoch auch eine wichtige Kulturleistung, eine traditionsreiche Strategie." Diese direkt im ersten Absatz niedergeschriebene These wird zwar nicht begründet. Es sollte wohl wirklich allen klar sein, dass die Aufschiebenden eh die coolsten sind. Aber wo in der Prokrastination, die so viele gerne als offizielle Krankheit anerkannt sähen, wo genau nun in eben dieser Krankheit die Tradition und vor allem die Bedeutung für die Kultur liegt, hätte ich schon gerne gewusst. Möglicherweise stammt dieser Satz aus der Hand eines an Prokrastination Leidenden, der uns den Beleg für diese wagemutige Aussage noch nachlegen möchte...

Die Wikipedia-Artikel sieht die Ursachen für das Prokrastinieren im Übrigen unter anderen in Impulsivität und Perfektionismus. Und schon darf sich die Schüler- und Studentenwelt besser fühlen. Schließlich fordern Männer wie Frauen vom anderen Geschlecht oft mehr Leidenschaft und jeder halbwegs erfolgreiche Promi bezeichnet sich nur zu gerne als Perfektionist. Außerdem finden immer mehr Menschen heraus: Aufschieber sind durchaus produktiv. Dieser Blog beispielsweise entstand während der größten Klausurenphase des Jahres. Ich hätte auch fantasielos lernen können.

Spätestens wenn nun sogar schon die Bild den Prokrastinierenden Tipps gibt, kann man sich der vollen Unterstützung des deutschen Volkes sicher sein. Mit dieser Euphorie im Rücken mache ich fast gerne meine Hausaufgaben. Aber erst einmal gehe ich einen trinken. Und bevor der geneigte fleißige Leser nun mit dem Kopf schüttelt, sei gesagt: Kritik am aufschiebenden Verhalten ist zwecklos. Joe Ferrari, Psychologie an der DePaul University in Chicago, hat das mit einer anschaulichen Analogie verdeutlicht: "Einem chronischen Aufschieber zu sagen: 'Tu’s einfach!', ist so, wie einem Depressiven zu sagen, er solle doch einfach mal fröhlich sein." In dem Sinne prokrastiniere ich lieber weiter. Hauptsache glücklich.

Donnerstag, 4. Dezember 2008

Morgen, morgen, nur nicht heute...

Prokrastination – das Phänomen, unter dem abertausende Schüler und Studenten mehr leiden als leben. Die „Aufschieberitis“, das Last-Minute-Syndrom oder auch das Mañana-Prinzip. Zahlreiche Begriffe bezeichnen das (zwanghafte?) Verhalten, alles auf den letzten Drücker zu erledigen. Und tatsächlich nimmt die Epidemie erschreckende Ausmaße an. Wie oft verbringe ich meine Wochen vor Fernseher und Computer um irgendwann schockiert aufzuschrecken und die seit vier Monaten bekannte Facharbeit dann doch erst in den letzten Tagen und Stunden zu erarbeiten. Wie oft stehe ich schon mit einem Bein im Klassenraum, bis ich merke, dass ich noch eine Hausaufgabe zu erledigen habe. Und wie oft fällt meiner Mannschaft erst nach der 90. Minute ein, dass sie auch ein Tor schießen wollte.

Prokrastination und die ihr Verfallenen sind gesellschaftlich verpönt. Immer wieder wird uns gesagt: „Was du heute kannst besorgen, das verschiebe nicht auf morgen.“ Wer dem mit einem „Lieber spät als nie“ entgegnet, der verteidigt seine scheußlichen Witze auch mit doppelter und dreifacher Wiederholung; verbunden mit der Aussage, man hätte die Pointe wohl nur nicht verstanden.

Die einzige Hoffnung der Schüler und Studenten liegt in der Wissenschaft. In der, die Prokrastination als Krankheit deklarieren möchte. Doch genauso wie die Verbindung des ständigen Zuspätkommens mit einer Zwangsneurose wird wohl auch die Aufschieberitis nicht so bald die Akzeptanz der Lehrerwelt finden. Dabei hätte sie sie so unbedingt verdient.

Was sind das schon für Langeweiler, die ihre Facharbeit nach dem ersten Monat nur noch zur Dekoration auf dem Fensterbrett liegen haben. Nur wir, die Prokrastinationserfahrenen spüren die Oh-nein-das-schaffe-ich-ja-nie-mehr-Kicks. Das durch den Körper schießende Adrenalin, das in Verbindung mit reichlich Koffein die Nacht zum Tage der Werke macht. Nur wir wissen genau und exakt, wann wir anfangen müssen, um ermattet und übermüdet, aber glücklich unsere Arbeit um Punkt 12 Uhr Mittag abgeben zu können.

Niemand erforscht intensiver die Grenzen der physischen und psychischen Belastbarkeit. DAS ist wahrer Körperkult. Ein Sport nur für uns Aufschiebende allein. Die Betroffenen bewundern sich und am meisten den, der vielleicht sogar noch einen Tag oder eine Stunde später mit der Arbeit angefangen hat. Nur in dieser Disziplin erkennen wir unsere wahren Fertigkeiten, das tatsächliche Talent und die reelle Effizienz. Immer wieder von neuem versprechen wir uns Ruhm und Ehre auch von Seiten der Außenstehenden. Doch anders als in den breiten Massensportarten wirkt unsere Illusion absolut utopisch. Uns bleibt nur die Hoffnung: Als Martin Luther King von seinem Traum der Gleichberechtigung sprach, hat er möglicherweise auch an uns gedacht.