Montag, 24. November 2008

Linke Wundertüte

Sodann, mein lieber Herr Peter Sodann. Als „Tatort“-Kommissar haben Sie sicherlich das Handwerk der sorgfältigen Recherche und des angemessenen Stillschweigens gelernt. Bedauerlich nur, dass Sie nun beide erworbenen Kenntnisse wieder in die dunkelsten Schubladen des unentdeckten Geheimfaches im Keller gelegt haben.

Sie träumen als Kandidat der Linken tatsächlich von Horst Köhlers Erbe, der Bundespräsidentschaft. Sofort fragten wir uns, wer denn nun hier seine Ideale verrate. Die Linke, die alles und jeden für die Kandidatur aufstellen wollte, nur keinen Mann? Oder doch Sie, Herr Sodann, der 2005 seine Kandidatur für ein Bundestagsmandat nach zwei Tagen zurückzog mit den Worten, sie blieben lieber weiterhin „politischer Schauspieler als schauspielender Politiker“? Was sind Sie denn nun?

Vielleicht hätten Sie irgendwann sogar noch Sympathien gewonnen und Ihre Wahlchancen erhöht. Aber Sie sagen es ja weiterhin in jedem Interview: „Das, was wir hier in Deutschland haben, ist keine Demokratie.“ Mutig, mutig. Oder gehört das noch zu Ihrem Schauspiel? Vielleicht würde uns allen auch ein Urlaub in Guantanamo oder Birma gut tun. Aber man sollte Sie wirklich nicht nur auf diese eine Aussage festnageln.

Ansonsten glänzen Sie ja geradezu mit Ihrem Hang zum Realismus. Als neue Nationalhymne wollen Sie ein Kinderlied von Bertolt Brecht vorschlagen, Sie glauben, dass die Pressefreiheit die Jugend nur verwirre und wollen als erste Amtshandlung Josef Ackermann verhaften, „dann würde man mich zwar rausschmeißen, aber ich hätte es wenigstens mal gemacht“. Zum Thema DDR sagen Sie, dass Mörder nach 20 Jahren doch auch wieder eine neue Chance bekämen. Endlich, Herr Sodann, haben wir in Ihnen den Mann der treffenden Vergleiche gefunden. Wie Sie offenbaren, entstammt dieses, Ihr geballtes Wissen aus der täglichen Lektüre der BILD-Zeitung, dann wüssten Sie, „was die anderen Zeitungen schreiben und das reicht mir dann“.

Selbst wenn Ihnen nicht alle deutschen Herzen zufliegen werden, bei wem tun sie das schon. Dafür finden Sie Freunde in neuen Kreisen. Der sächsische NPD-Fraktionschef möchte sie für manche Ihrer Äußerungen „am liebsten umarmen“. Und sogar Sarah Palin hofft, doch nicht die größte Fehlnominierung des Jahres 2008 zu sein. Irgendwie, Herr Sodann, muss man Sie also doch lieben. Und niemand kann das präziser ausdrücken als der NDR mit seiner Sendung extra3. Danke, Herr Sodann, für Ihr Schauspiel, Ihre Worte und ein noch spannendes halbes Jahr bis zur Präsidentschaftswahl.

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