Montag, 17. November 2008

Über Grenzen in der Politik

Politiker dürfen ziemlich viel. Manches können sie auch ziemlich gut. Vor allem Parolen und Vergleiche gegenüber ihren Widersachern schwingen. So erinnert man sich gerne an Münteferings Vergleich der Chinesen mit Adam und Eva ("Wenn Adam und Eva keine Deutschen gewesen wären sondern Chinesen, hätten sie die Schlange gegessen und nicht den Apfel und vieles wäre uns erspart geblieben") und Sarkozy brachte es nach seiner Ankündigung, das "Gesindel" in den Vorstädten von Paris mit einem "Hochdruckreiniger" wegputzen zu wollen immerhin an Frankreichs Spitze. Während die Gleichstellung von Politikern mit denen der "Schmach von Versailles" eher nicht mehr so gefragt ist, gehört auch weiterhin die Suche nach Parallelen der Linken und der SED zum guten Ton. Ein schwieriges, dafür aber umso mehr Publicity erwirkendes Instrument ist der Vergleich mit Nationalsozialisten. Und vielleicht, liebe Frau Eva Hermann, war damals ja doch alles schlecht.

Sigmar Gabriel dagegen, der sich einst selber mit einem Eisbärbaby verglich, hat nun eine Grenze überschritten. Der Umweltminister wollte Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff in Verruch bringen. Für seine Parteizugehörigkeit hätte er Wulff mit Kohl vergleichen können, für seinen Geburtstag mit Lybiens Diktator al-Gaddafi und für seinen Namen mit dem bösem Wolf. Doch Gabriel entschied sich für etwas unkonventionelles. Zu Wulffs Äußerungen, das EU-Klimapaket wegen der Finanzkrise verschieben zu wollen, sagte Gabriel nun: "Das ist genau die Politik, mit der Bush in den USA gescheitert ist."

Wie Spiegel Online weiter berichtet, unterstrich Gabriel dann auch noch ausdrücklich die Unterschiede zwischen Wulff und Hoffnungsträger Obama: "Während der neue Präsident Obama daran geht, einen 'New Deal' für Arbeit und Umwelt zu schmieden, dreschen Wulff und Schmoldt die Parolen von gestern". Der poetry rock-Blog sagt zu Gabriels Unkenrufen: Pfui! Wirklich gelungene Vergleiche kennzeichnen sich dadurch, dass sie von manchen Menschen auch positiv verstanden werden könnten. Dann doch lieber ein gepflegter Nazi-Vergleich.

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