Die im Folgenden vorgestellte Nachricht, die ich gestern den ARD-Tagesthemen entnahm, bedarf eigentlich keines weiteren Kommentars. Doch gerade deshalb werde ich trotzdem nicht darauf verzichten, stumm in mich hineinzulächeln und die Bedeutung dieser Nachricht für die Weltwirtschaft abzuwägen.
Passend zum Thema Wirtschaft geht es in dem ARD-Bericht primär um Schrott. Genauer gesagt um Schrott in Tschechien. Der kostet dort im Moment zwölf Cent pro Kilo. Und das ist in Zeiten der weltweiten Finanzkrise, die auch den Schrottmarkt verunsichert, Grund genug für die Tschechen, die Stoffe Altmetall und Co. zu sammeln. Oder eben, was bei besonders ausgeprägter Sammellust doch naheliegend ist, zu stehlen.
Ist es nun „besonders findig“, sich der Städte Gullideckel anzueignen? Das zumindest behauptet die Moderatorin der Tagesthemen. Und sieht der Bürgermeister der in diesem Fall betroffenen Stadt Teplice freilich ein wenig differenzierter. „Das Problem ist doch, dass die Menschen nicht darauf achten. Wenn ein Gullideckel geklaut wird, geht es ja gar nicht um den Wert, sondern es bleibt ja ein Loch.“ Der blitzgescheite Bürgermeister hat die Situation wahrhaftig erkannt. Er handelt nun, nachdem in diesem Jahr bereits 500(!) Gullideckel geklaut worden seien. Und warum? Der besorgte Politiker erklärt: „Autos fahren in die Löcher rein und Menschen stürzen.“ Arme Autos. Armes Volk. Arme Sammler, die zumindest in Teplice ab sofort nur noch vergleichsweise leichte Hartgummi-Gullideckel finden werden.
Ein Land verschrottet sich regelrecht selbst. Überall suchen die Menschen nach alten unbenötigten Gegenständen und machen sie zu Geld. Eine Händlerin erläutert: „Es kommen vor allem Kleingartenbesitzer. Sie finden immer noch etwas, was sie nicht mehr brauchen, also eine alte Badewanne oder ähnliches.“ Wahrlich plausibel. Sang das nicht schon Wolfgang Petry: „Unterm Laub der Buchentanne, da find ich meine Badewanne“?
So richtig interessant wird es jedoch erst jetzt. Die Jäger und Sammler des Schrotts kennen nämlich keine Gnade. Und scheinen vor allem nicht wirklich unterscheiden zu können zwischen unwichtig und vielleicht doch noch benötigt. So sorgte ein entwendetes 50 Meter langes Kupferkabel dafür, dass in Prag zwei Tage lang fast keine Züge mehr fuhren. Und über Nacht wurde sogar eine ganze Eisenbahnbrücke(!!) entfernt, die dem nun wirklich "findigen" Dieb geschätzte 1.000 Euro einbringen dürfte. Nicht ganz so findig waren jedoch zwei Säulen-Räuber. Sie bemerkten erst, als es krachte, dass es sich bei ihrer Säule um eine tragende handelte. Sie sind nun Preisträger des Darwin Awards - für die dümmste Art aus dem Leben zu scheiden.
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