Mittwoch, 16. Dezember 2009

Erste Krankenakte

Es war an einem harmlosen Samstagabend vor eineinhalb Wochen, als ich beim Spiel im Wasser den Fußball mehr als unglücklich (oder war es doch einfach nur ungeschickt?) mit dem linken großen Zeh traf. Es schmerzte sofort, doch das Adrenalin, endlich mal wieder Kontakt mit Fußball (und gleichzeitig mit Wasser) zu haben, ließ mich über die Schmerzen hinweg sehen. Später sollte auch noch (oral aufgenommener) Alkohol mithelfen.

Als ich dann am Sonntagmittag zum ersten Mal wieder Schlaf fand, weckte mich nach wenigen Stunden ein äußerst markantes Zucken durch das gesamte linke Bein. "Scheiße", war sicherlich mein erster Gedanke. Ich hatte vergessen, den Zeh, an dem mittlerweile Haut aufgeplatzt war, also die Wunde zumindest mit Iod oder Alkohol (als Antiseptikum direkt auf die Wunde versteht sich) zu behandeln. Stattdessen bin ich sogar mehrmals schwimmen gegangen, eine wahre Bakterienschleuder. Besonders auf den Philippinen, ich erinnere daran: Wundheilung ist hier eine Katastrophe, Eiter an jeder noch so kleinen Wunde die Regel. Nun hatte sich wohl mein komplettes Bein entzündet, ähnliche (Horror-)Geschichten gab es auch schon von anderen Freiwilligen.

Aber es wurde besser. Schon am Montagmorgen tat nur noch der große geprellte Zeh weh. Ich hatte wohl noch einmal Glück gehabt. Nur die Wunde direkt rechts neben dem Zehennagel wollte einfach nicht verheilen, trotz reger Plaster- und Bepanthenbehandlung. Es wurde sogar schlimmer, sprich schmerzhafter, oft weckte mich der Schmerz in der Nacht, wenn ich mit dem Zeh irgendetwas berührt hatte. Als nun am Wochenende, eine Woche danach, wieder Blut über meinen Zeh floss, ich erkannte, dass neue Haut über den Nagel zu wachsen drohe und nachdem mich mein Mitbewohner penetrant und immer weniger liebevoll anraunzte, was so mit mir ginge, da stand dann irgendwann fest: Es geht zum Arzt. Sprich ins Krankenhaus.

Da war ich nun gestern und es war eine Erfahrung. Zunächst einmal war das Krankenhaus so schrecklich wie ein deutsches: Man muss warten. Viel warten. Und zwar auf einen speziellen Doktor. Denn nach der Anmeldung wurde ich zu "meinem" persönlichen Doktor geschickt. Nach einiger Zeit verwies mich dessen Sekretärin zu einer anderen Ärztin. Und nach einigen Stunden und einem "Oh, ihr seid ja immer noch da" schickte mich die gleiche Sekretärin zu einem Arzt, wo ich dann aber auch sofort an die Reihe kam.

Der Arzt fragte mich nach einem Blick von seinem Schreibtisch aus, ob ich den Zeh noch bewegen könne. Konnte ich, dann wurde ich zum X-Ray (?) geschickt. Dort bekam ich zunächst nur eine Rechnung über 4,50 Euro in die Hand gedrückt, die ich am Haupteingang bezahlen sollte. Die Bestätigung über die erfolgte Bezahlung legte ich wieder am X-Ray vor und dann sollte ich endlich verstehen, was X-Ray überhaupt ist: Röntgen.

Und beim Röntgen stellte ich fest, wie konservativ deutsche Ärzte doch sind: Ablegen von Portemonnaie, Schlüssel und Abschalten vom Handy. Das alles muss doch nicht sein. Und von einer Bleiweste war auch weit und breit keine Spur. Dafür wurde zumindest die Holztür zugeschoben, die nur durch einen Spalt von wenigen Zentimetern einen Blick nach draußen auf den Flur gewährte, wo die Patienten, kurz danach auch ich, saßen. Das ist spannend. Immer, wenn das Licht rot leuchtet, denkt man sich: "Juhuu, und wieder eine kostenlose Strahlendosis." Mein Beileid auch an die Ärzte, beim Röntgen mit mir befanden sich gleich zwei  von ihnen mit im Raum. Madame Marie Curie lässt grüßen.

Einen Gruß möchte ich nun auch an meinen Arzt schicken. Nachdem er die Existenz der Röntgenbilder feststellte, kündigte er an, dass ich morgen doch wieder kommen solle, er werde dann meinen großen Zeh entfernen. Vorher bekäme ich aber lokal noch drei Betäubungsspritzen, damit ich nicht zu große Schmerzen hätte. Ich fragte, ob das wirklich sein müsse, er antwortete: "Ja, das muss sein. Sonst kann ich nicht sicher sein, dass die Entzündung auch wirklich zurück geht." Aber ich war mir schon viel länger nicht mehr sicher. Und irgendwie vertraute ich ihm nicht. Ich werde nach Möglichkeit nie wieder meine Füße in dieses Krankenhaus stecken. Dafür sind mir meine Nägel zu kostbar. Und gibt es nicht auch diesen Spruch: An dem Zehennagel des Mannes erkannt man seinen Hannes? Für Kastration bin ich definitiv noch zu jung.

Dafür nehme ich jetzt die Antibiotika, die er mir verschrieben hat. Und hoffe, dass das schon ausreichen wird. Für einen durch das deutsche Gesundheitssystem verwöhnten Freiwilligen sind die Kosten nämlich auch hoch genug: Pro Tablette 1,35 Euro macht bei zwei Tabletten am Tag über mindestens sieben Tage...wie ich sagte genug. Obwohl ein englischer Bekannter, den ich beim Kauf an der Apotheke zufällig traf und dem ich mein Leid schilderte, nur knapp antwortete: "Ja, du hast Recht. In diesem Land ist echt alles ziemlich günstig." Ich erwiderte nicht mehr, werde ich doch wohl hoffentlich auch nie erfahren, wie viel mich eine Zehennagel-OP gekostet hätte.

Sonntag, 13. Dezember 2009

Filipinos sind... Teil 2

Ja, schon jetzt habe ich bemerkt, dass ich einen wesentlichen Aspekt vergessen habe. Schande über ein Haupt. Denn wie konnte man das nur vergessen. Filipinos sind (natürlich)...

... schwul. Ganz ohne Ironie und mal nicht als Schimpfwort gemeint. Aber Ladyboys gehören hier einfach zum Alltag dazu wie die Autos auf die Straße. Überall sind sie. Und von uns auch noch besonders prägnant und oft wahr genommen, da Ladyboys in der Regel nicht so schüchtern sind wie Otto Normafilipino und uns noch lieber einfach mal so auf der Straße, beim Barbecue oder in der Bar ansprechen. In der Regel sind sie aber auch nicht zu aufdringlich und durchaus auszuhalten.

Zahlreiche Ladyboys sind also der offensichtliche Unterschied in der Gesellschaft verglichen zu Deutschland. Was mir mit der Zeit aber immer bewusster wurde: Tatsächlich sind auch viele Männer schwul, denen man das auf den ersten Blick überhaupt nicht ansieht. Dass zum Beispiel zwei Freunde von mir - eigentlich die beiden einzigen männlichen Bekanntschaften aus meinem Freundeskreis, mit denen ich häufiger Kontakt habe- dass eben diese beiden Männer nicht nur schwul sind, sondern selber auch noch ein Pärchen bilden, das wusste ich mit letzter Gewissheit erst nach über einem Monat.

In Prozent ist es schwierig auszudrücken, ich würde aber tatsächlich vermuten, dass in meinem Umkreis fast jeder fünfte Mann schwul ist. Zu manchen Anlässen ist der Anteil sogar deutlich höher. Denn Homosexuelle und besonders Ladyboys sind sozusagen in einer eigenen, sehr angesehenen "Kaste". Sie gelten als besonders einfühlsam und emotional sowie sozial intelligent. Und so kommt es dann, dass auf der "LeadCon" gefühlte 90% der männlichen Teilnehmer schwul waren.
(LeadCon: "Leders' Conferenz"; das war ein mehrtägiges Meeting für junge engagierte Menschen, auf dem einige Vertreter aus Politik und Wirtschaft (z.B. von Coca Cola) Vorträge gehalten haben.)

Dienstag, 8. Dezember 2009

Gefühl des Glücks

Es ist 4:48 (morgens) auf den Philippinen. Draußen ist es noch dunkel. Soeben wurde das erste Bier geöffnet. Erfrischend perliger Geschmack. Schließlich sind es selbst jetzt schon über 20 Grad. Für genaue Temperaturen habe ich hier kein Gespür.

Keine Sorge, das ist weder krank noch immer so, sondern heute ist nun einmal der große Champions-League-Tag, Finalspiele für die Bayern und Wolfsburg ums Weiterkommen. Deswegen sind der Lukas und ich um kurz nach drei aufgestanden, ins Büro gegangen und eben dort dank W-Lan und deutscher Radio-Live-Streams voll dabei und gebannt. Die zweite Halbzeit hat soeben angefangen und Stand jetzt wären beide deutsche Mannschaften ausgeschieden. Es kann also nur besser werden. Und das ist ja schon einmal eine gute Ausgangsposition.

Und im Moment des letzten Satzes fällt das 2:1 für die Bayern. Die sind also schon einmal weiter. Und die Italiener draußen. Das ist gut so. Da soll mir keiner sagen, ich würde die Dinge nur eindimensional sehen, nein, ich freue mich über beide Seiten: Bayern weiter, Italiener raus. Das Trauma 2006 sitzt einfach noch zu tief. Ich wollte damals italienisch lernen, mochte das Land. Das ist seit dem Halbfinale Geschichte. Immerhin gehe ich mittlerweile auch wieder zum Italiener essen. Dann reicht es aber auch mit interkulturellem Austausch.

Fußball bleibt spannend, weshalb ich jetzt einmal mit dem schreiben aufhören werde. Nur eins: Ich freue mich. Nicht mehr so sehr wegen der momentanen Ergebnisse (Wolfsburg ist schließlich noch draußen), sondern wegen der beruhigenden Aussichten. Die WM 2010 kann kommen. Radio ist zwar nicht mehr das gleiche wie zu Zeiten eines Herbert Zimmermann, aber bei kühlem Bier lässt sich das zumindest dieses eine Mal, diese eine WM ganz gut ertragen.

Montag, 7. Dezember 2009

Filipinos sind...

Heute mal eine kompakt kleine Charakterisierung meiner Mitmenschen. Filipinos sind...

... offenherzige und kontaktfreudige Menschen. Ein Gang durch die Straßen ist nahezu unmöglich ohne von einem grinsenden Filipino  angeschrien oder ohne dass einem hinterhergerufen wird: „Hey Joe!“, „Gimme your money“; „Gimme your wallet“. Sehr beliebte Fragen sind auch „Where are you going?“, „What are you doing?“ oder einfach die Zwischenform „What are you going?“, obwohl die Filipinos auf diese Fragen tatsächlich keine Antwort erwarten.

... gläubig. Im Gepräch mit einem Filipino fällt meist ein Satz sehr früh: „Are you Catholic?“ In der Hoffnung, meinen Status als Evangelik ein bisschen zu vertuschen, antwortete ich meist mit - wie ich finde unglaublich raffiniert- „Yes, I am Cristian“. Erst letzte Woche habe ich nun erfahren, dass die Filipinos tatsächlich unterscheiden zwischen einerseits Katholiken und andererseits Christen (=Evangeliken).

... keine Asiaten. Zumindest was den Umstand angeht, dass vielen Asiaten ein Gen zum Alkoholabbau fehle. Filipinos trinken gerne und überall. Sehr populär sind Tuba (Kokusnusswein) und Tanduay Rum. Und obwohl Bier genauso teuer wie Tuba oder Tanduay- und es dadurch auf die Menge bis zur Wirkung betrachtet deutlich teurer ist- sind zumindest zwei Biersorten sehr populär: San Miguel Pilsen und Red Horse Starkbier. Und besonders beim Tuba fängt man auch gerne mal Mittags an, spätestens abends kann man sich des offensichtlichen Alkoholismus kaum noch entziehen, auch von Fremden wird man immer wieder auf ein Gläschen eingeladen. Und dafür muss man eins wissen: Das Glas wird reihum und grundsätzlich auf ex getrunken, alles andere wäre unhöflich. Und Lippenherpes lässt grüßen.

...sehr lustig. Lachen gehört einfach in jedem Gespräch dazu. Es gibt einfach keine leichtere Methode, Miss-und Unverständnis, persönliche oder inhaltliche Probleme mir dem Gegenüber oder auch das in vielen Fällen verpönte „Nein“ zu demonstrieren und es gleichzeitig zu überdecken. Filipinos selber wissen untereinander dennoch immer, was gemeint ist. Sogar, wenn „ja“ gesagt wird, aber „nein“ gemeint ist. Fast so direkt wie die Faust ins Gesicht erscheint da schon die durchaus populäre Anwort: „Maybe later“.

... sehr fleißig. Und zwar alle. Immer und überall. Mittlerweile habe ich bei facebook so viele philippinische wie restliche Freunde. Dafür bekomme ich jetzt pro Tag statt wie früher vielleicht zwei oder drei mindestens zwanzig bis dreißig neue Mitteilungen über facebook-Aktiviäten meiner „Freunde“. Eine dreistellige Zahl an facebook-Freunden scheint Muss zu sein, eine meiner „Freundinnen“, die ich sogar persönlich kenne, bringt es auf ganze 1.468 Freunde (Stand 07. Dezember `09). Und im Jeepney(-Bus) holte eine meiner Freunde letzt sein Handy heraus – nicht wie ich dachte zum simsen – Filipinos LIEBEN SMS- sondern tatsächlich zum online facebooken.

Ob ich diese Liste weiter führen werde? Maybe later.

(Alle Angaben ohne Gewähr; Verallgemeinerungen ließen sich nicht immer vermeiden; außerdem kenne ich nur Filipinos aus Region 8 (Inseln Leyte und Samar; viel Provinz bis größere Kleinstadt)

Dienstag, 1. Dezember 2009

Gewusst wie... Mückennetze

Obwohl die Mücken in unserer Region im Grunde harmlos sind (keine Malaria, praktisch keine Dengue), so sind Mückennetze im Haus natürlich trotzdem unerlässlich, will man eben dieses - bei ununterbrochen geöffneten Fenstern und Dunkelheit ab 18 Uhr- nicht mit Kleingetier und den eben dennoch extrem nervtötenden Mücken gefüllt wissen. Zwar haben wir die Netze noch nicht ganz überall angebracht, aber die Bilder belegen, dass wir auf einem  guten Weg sind.


 Flur im 1. Stock


Mein Zimmer


 Wohnzimmer (auch Flur EG und Küche)

Und last but not least: Doch noch einmal ein gelungenes Beispiel aus meinem Zimmer:


P.S.: Wir sind auf Heißklebepistole umgestiegen.

Montag, 30. November 2009

Die schwarze Unbekannte

Heute mache ich es auf die gemütliche Art und benutze einfach Teile von Theos Blogeintrag (Danke, Theo O:-) ), in dem er sehr schön von unserem letzten Abenteuer am Wochenende 21./22.November berichtet. Die gemachten Erfahrungen sind nahezu vollständig die gleichen. Es war ein wirklich spannender Höhlenspaziergang.

"Wiedereinmal hat ein sehr ereignissreiches Wochende sein Ende gefunden.
Am Donnerstag bekam ich die fantastische Nachricht noch gerade so als letzter Teilnehmer an einer zweitägigen Wanderung durch das drittgrößte Höhlensystem der Erde teilzunehmen: Calbiga. (...)

Mit übervollen Rucksäcken bewaffnet, brachen wir am frühen Morgen also auf in Richtung Galbiga Cave, zunächst auf der Ladefläche eines Kleintransporters, dann aber relativ schnell zu Fuß.
Unsere Wanderung begann mit einem einstündigen Fußmarsch durch bergiges Regenwaldgebiet. Seinem Namen wurde diese Pflanzenwelt dann sogar ziemlich schnell gerecht: Noch nicht bei der Hälfte angekommen, begann es schlagartig wie aus Eimern zu regnen, sodass wir nach nur wenigen Minuten vollkommen nass waren.
Doch das störte nicht wirklich, den ein in der Vergangenheit immer häufiger eintretender Zustand der gleichgültigen Akzeptanz begann unbemerkt Besitz von mir zu ergreifen.
Nach weiteren 30 Minuten hatten wir dann unser vorläufiges Etappenziel erreicht, der Eingang der Höhle. Der Anblick dieser weit über 30 Meter hohen Steilwand, gespickt mit Stalagtiten, Felsvorsprüngen und herunterhägenden Lianen war einfach überwältigend und gleichzeitig total syrreal. Kaum merklich öffnete sich am unteren Fuße des Abhangs eine breite Öffnung, in die wir nacheinander auf einem schmalen Pfand hineingingen.
Immer weniger Licht gelang es, sich einen Weg ins tiefste Innere der Höhle vorzubahnen und mit einem Mal wurden wir von schwarzer Finsternis verschluckt.
Wir schalteten deshalb unsere mitgebrachten Kopflampen ein und konnten so wenigstens den Weg vor uns erkennen.
Diese Strecke einen Weg zu nennen ist jedoch eine maßlose Übertreibung, denn anders als in deutschen Höhlen, in denen ordentlich abgesteckte Pfade durch beleuchtete Gänge führen, war hier wirklich Nichts weggeräumt. Dies rührt vor allem aus dem Fakt, dass diese Höhle erst im Jahre 1987 entdeckt wurde und auch in den darauffolgenden Jahren so wenig erkundschaftet wurde, dass sogar heute noch regelmäßig neue Kammern und Gänge entdeckt werden.
Wir wanderten also über steiniges Geröll, Schutt und umgestürzte Felsbrocken und ich fühlte mich immer mehr an einen Kindheitstraum erinnert: Den Traumberuf Höhlenforscher.
Nach einiger Zeit stießen wir dann auf eine glatte steile Felswand, an der wir unsere Rucksäcke abstellten und ersteinmal pausieren konnten.
Kurz darauf gingen wir ohne Gepäck in eine riesige Nachbarkammer in der wir in Ruhe alles aukundschaften konnten. Die Höhle war der blanke Wahnsinn, überall Stalagniten, - titen und -naten. Außerdem bizarre Gebilde aus Kalkstein, die manchmal wie Dinoköpfe in die Höhe zu ragen schienen.
Chris, Patrick, Alex und ich kletterten so lange an den Felsen herum und waren schon komplett vertieft im Auskundschaften neuer kleiner Höhlen, dass die anderen bald nur noch weit weg anhand ihres Lichtstrahls zu erkennen waren.
Egal. Das war einfach zu gut.
Wir zwängten uns in winzige Ritzen und immer wenn eine Höhle in einer Sackgasse zu enden drohte, fand sich ein neuer kleiner Durchgang. Die ganze Zeit über wurden wir von der allgegenwärtigen Dunkelheit begleitet. Nichts für Klaustrophoben.
Wieder bei der Gruppe angekommen, gingen wir mit den Guides zu einem unterirdischen See in dem sich blinde Fische und weiße, wie Tod erscheinende Krebse befanden.
An den Wänden saßen sich Riesige Spinnen mit langen Fühlern und der Boden war teilweise übersäht mit Heuschrecken, deren Fühler unglaubliche 25 cm lang waren.
Ganz so lebensfeindlich war die Umgebung also doch nicht.
Nach einiger Zeit des streckenweise recht anstrengenden Kletterns kamen wir an einen Abhang, an dem man nur durch ein Seil heil hinabsteigen konnte.
Die Umgebung der Höhle änderte sich mit der Zeit, mal spitze Steinpassagen, dann wieder meterdicker Schlamm, in dem man mit den Füssen regelmäßig bis zum Knöchel versank.
Doch dann war es soweit, wir konnten das berühmte Licht am Ende des Tunnels erkennen.
Ich lief direkt hinter dem ersten Führer, die Augen immer auf den drößer werdenden Lichtschein gerichtet, als der Philippino vor mir plötzlich zusammenzuckte und einen Satz zu Seite machte. Ich wusste zunächst gar nicht was los war, doch dann sah ich es: Unter einem Felsvorsprung lag eine zusammengerollte bestimmt zwei Meter dicke Schlange. Wow, die sah vielleicht genial aus.
Wir liefen also weiter und erreichten bald den Ausgang der Höhle, an dem wir auch die Nacht verbringen sollten.
Wir bereiteten unsere Planen und Isomatten vor und rollten die Schlafsäcke aus. Ich hatte leider keinen dabei, was ich später noch sehr bereuen sollte. (...) 

Im Lager angekommen, kamen wir gerade richtig zu einem weiteren beeindruckenden Spektakel.
Denn mit hereinbrechender Dunkelheit trieb es auch die Fledermäuse aus der Höhle heraus.
Wie ein Schwarm synkroner Fische flogen sie in spektakulären Spiralen vor dem Eingang der Grotte ins Freie.
Den Abend verbrachten wir bei Tanduay und Kerzenlicht, bis wir ziemlich erledigt in unseren Schlafstätten einschliefen.
Die Nacht war für mich jedoch nicht gerade sehr erholsam, da ich in kurzer Hose und Sweatjacke schlief, viel zu wenig um der hereinbrechenden Kälte Parole zu bieten. Immer wieder wachte ich deshalb auf und wälzte mich von einer Seite auf die Andere.
Irgendwann fand ich dann jedoch meinen Schlaf und wachte ziemlich früh am nächsten Morgen auf. Wir frühstückten nicht satt machendes, trockenes Toast und einen Apfel und machten uns auf den Rückweg. Nach mehrere Stunden Wanderung durch dichten Urwald kamen wir dann auch wieder der Zivilisation näher, sodass wir unseren Ausflug mit einer kalten Coke und Erdnüssen beendeten.

Wieder in warmen und trockenen Tüchern ist,

Theo."

Und in jenen trockenen Tüchern bin ich natürlich auch schon längst.

Freitag, 27. November 2009

Umzugsglück

Endlich! Endlich! Endlich sind wir umgezogen. Aus dem Büro, das uns drei Freiwilligen zwei Zimmer bot in ein kleines Häuschen, das uns vier Zimmer bietet. Das Verhältnis Zimmer zu Freiwilliger ist zwar nicht besser geworden, gefällt mir so jedoch mehr. Außerdem gibt es jetzt noch Wohnbereich, Flur, Küche. Alles uns. Jetzt kann das Jahr beginnen.

Und beim Umzug haben wir dann auch festgestellt, warum es in unserem bisherigen Zimmer -das keine Fenster, sprich eine miserable Belüftung hatte- derart faulig bis bestialisch stank. Da hatte es sich unter meiner Matratze offensichtlich einmal eine Maus gemütlich gemacht. Und das wohl für einen Tick zu lang. Die Maus ist mittlerweile ausgetrocknet und flach wie eine Flunder. Vielleicht sogar noch flacher.

Mir momentan egal, den Bezug kann man waschen. Ich bin jetzt erst einmal nur froh, ein Zuhause zu haben, in dem nicht von neun Uhr morgens bis Mitternacht Mitarbeiter und danach noch der schwule Haushälter- der dann in der Regel vor unserem Zimmer schlief- rumturnen. Dementsprechend von den Emotionen überwältigt haben wir uns auch einen angemessenen Fußabtreter angeschafft: Welcome Home.

Mittwoch, 25. November 2009

Last but not least: Marasa

Es gab viele Nachfragen in den letzten Wochen bezüglich unseres Haushühnchens Marasa. Eine Aktualisierung war deswegen schon längst fällig. Viel Spaß mit dem Video.


So ist halt das Leben. Dabei wissen wir nicht einmal, ob es wirklich tot ist. Es ist nur einfach nicht mehr da. Von einem Auto überfahren, einer Katze verspeist oder  -und das ist am wahrscheinlichsten- es wurde tatsächlich abgegeben, damit sich jemand um Marasa kümmert, der etwas mehr Platz für das heranwachsende Huhn hat.

Vielleicht wird es ja jetzt zum Kampfhahn konditioniert. Dann könnte es uns später zumindest noch einmal eine große Show liefern. Bis dahin ist es für uns aber gestorben. Getreu dem Motto: Aus dem Auge, aus dem Sinn. Die Möglichkeit, es wirklich kennen zu lernen, wurde uns vom Schicksal leider verwehrt.

Dienstag, 24. November 2009

Leidvolle Selbstliebe

Seit heute habe ich meinen ersten Knutschfleck. Ich habe mir in den Oberarm gebissen. Im Nachhinein tut es mir ein wenig leid, vor allem, da es natürlich genau in dem Bereich ist, den das T-Shirt eben NICHT verdeckt. Auf der anderen Seite erinnert mich das wieder an die herrlichen Jugendzeiten, in denen man -insgeheim stolz- seine ersten Knutschflecken am Hals präsentierte.

Das war peinlich, aber der Rest der Jugend war schön. Zumindest soweit ich mich gerade zurück erinnern möchte. Möchte ich eigentlich gar nicht. Passiert aber zuweilen einfach so. Zum Beispiel, wenn man sich in den Arm beißt und eine Stunde später im Jeepney merkt, dass da zwei komische Flecken sind.